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Delfine kommen nun nach China


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Meeresakrobaten, 19. Oktober 2021

Nachtrag vom 11. November 2021: Offenbar hat am 9. November 2021 ein niederländischer Richter den geplanten Transfer der Tiere nach China per einstweiliger Verfügung gestoppt. Tierschützer hatten bei einem Gericht in Amsterdam einen Eilantrag gegen das Delfinarium gestellt, um den Transport der Meeressäuger nach Südchina zu unterbinden. Der Tiertransport werde ausgesetzt, bis die Klage gegen die Regierung entschieden sei, teilte das Amsterdamer Regionalgericht mit.

Die Außenanlage des Dolfinariums in Harderwijk
(Foto: Rüdiger Hengl)

Dolfinarium verlässt Verbände

Das 1965 eröffnete Dolfinarium in Harderwijk/Niederlande schlägt offenbar einen neuen Weg in Richtung Freizeitpark ein. Nicht anders ist es zu erklären, dass das Dolfinarium den Dachverband aller großen Zoos der Niederlande – die Nederlandse Vereniging van Dierentuinen (NVD) – und den Europäischen Zooverband (EAZA) verlassen hat.

Zahl der Tiere wurde deutlich reduziert

Laut ZoosMedia wurde bereits 2016 die Zahl der Tiere deutlich reduziert. Aspro Parks – der neue Betreiber – hat in Harderwijk einen Wasserpark gebaut. Welche Rolle die Delfine darin spielen werden, ist noch nicht klar.

Ebenfalls unter der Führung von Aspro Parks steht das Aqualand Costa Adeje. Es liegt im Süden Teneriffas. Im Aqualand gibt es einige Delfinshows und interaktive Programme, die mit dem Bildungsauftrag moderner Zoos und Aquarien wenig zu tun haben. Die Tiere sind nach Einschätzung von ZoosMedia nur eine „nette Ergänzung“ für den Wasserpark.

Großzügig angelegte Lagune in Harderwijk
(Foto: Rüdiger Hengl)

Hainan Ocean Paradise

Zum neuen Konzept von Aspro gehört, dass acht Delfine, zwei Walrosse und zwei Seelöwen aus Harderwijk nach China an das Hainan Ocean Paradise in Lingshui verkauft werden sollen.

Wie man auf der Website des chinesischen Themenparks sehen kann, handelt es sich dabei um eine schrille Vergnügungsstätte, die rein auf Fun ausgerichtet ist.

Mit dem Transfer will Aspro die Geldkasse auffüllen, denn das Dolfinarium Harderwijk hat aufgrund der Covid19-Pandemie große finanzielle Verluste erlitten.

Aus den Augen, aus dem Sinn …

Offiziell heißt es, dass mit dieser Maßnahme die Lebensbedingungen der verbliebenen Tiere verbessert und sie nicht mehr zu reinen Show-Tieren ausgenutzt werden sollen. Man wolle sich in Zukunft auf das natürliche Verhalten der Delfine konzentrieren.

Dass die acht Großen Tümmler, die nach China kommen sollen, dort ähnliche Vorführungen zu absolvieren haben wie gegenwärtig in Harderwijk, scheint den Betreibern egal zu sein.

Wenn die acht Delfine nach China verschwunden sind, gilt das Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn.

Es gelten keine europäischen Standards

Welches Schicksal erwartet die Meeressäuger in China, nachdem das Dolfinarium aus den angesehenen Verbänden ausgestiegen ist?

Eines ist gewiss: Die Tiere unterliegen nicht mehr den Vorgaben europäischer Standards. Denn in China gibt es – anders als in Europa – keine Kontrollmechanismen, um den Schutz der Tiere zu gewährleisten.

Delfin spielt mit Wasserpflanze.
(Foto: Susanne Gugeler)

Begegnung am Panoramafenster im Delfinarium in Harderwijk
(Foto: Rüdiger Hengl)

Landwirtschaftsministerin Carola Schouten versicherte der Presse zwar, dass die Meeressäuger nur nach China ausgeflogen würden, wenn die Tierschutzstandards in Asien mit denen der Niederlande vergleichbar wären.

Doch Parlamentarier und Tierschutzorganisationen zeigen sich besorgt über den Umzug der Meeressäuger.

Tierrechtsindustrie trifft Mitschuld

Daran dass es überhaupt so weit kommen konnte, muss der Tierrechtsindustrie die Mitschuld gegeben werden. Bereits seit vielen Jahren prangert sie die Delfinarien in Europa an.

Deshalb sind auch andere Delfinarien, die durch die Tierrechtsindustrie viel Schaden erlitten haben, nicht in der Lage, die acht Großen Tümmler aus Harderwijk aufzunehmen. Immer mehr Tiere werden also in Zukunft in China, Russland oder in einem anderen Land untergebracht werden, das keine Beeinflussung von außen zulässt.

Brücke über die großzügig angelegten Becken
(Foto: Rüdiger Hengl)

Zusammenarbeit, statt Konfrontation

Tierschützer sollten mit europäischen Delfinarien zusammenarbeiten, statt sie zu attackieren. So könnte sichergestellt werden, dass sich Zootierhaltungen auch in anderen Teilen der Welt entwickeln.

Eine gut koordinierte Zucht wäre eine gute Alternative zur Jagd auf Wildtiere. Viele der in China lebenden Delfine stammen aus dem grausamen Dolphin Drive, der gerade jetzt wieder in vollem Umfang in Taiji/Japan stattfindet.

Statt ihre Zeit in die Konfrontation mit Aktivisten zu stecken, sollten fortschrittliche Zoos, Aquarien und Delfinarien auf internationaler, globaler Ebene kooperieren. Dann bestünde eine reelle Chance, dass wir bald auf den Fang wilder Delfine verzichten und auch eine starke Reservepopulation für den Naturschutz aufbauen könnten.
(Quellen: ZoosMedia, Marine Connection und Netherland News Live)

Lesetipps

* Sind betreute Meeresbuchten real?
* Delfinarien der Zukunft
* Eigene Population in Delfinarien
* Unvergessliche Augenblicke
* In der SOS-Station in Harderwijk
* In der Delfin-Schule
* Ein Tag im Dolfinarium Harderwijk

2 Kommentare

  1. Könnte nicht Nürnberg nach dem Tod von Moby und Anke zwei oder drei der Tiere aufnehmen?

    geschrieben von Oliver
    1. Hallo Oliver, wie ich oben bereits geschrieben habe, geht das leider nicht … Außerdem wird in Nürnberg die Lagune saniert. Da dafür auch immer wieder Becken geleert werden müssen, wäre die Aufnahme weiterer Delfine zu diesem Zeitpunkt nicht sehr im Sinne der Tiere und der Pfleger.

      geschrieben von Susanne

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