Meeresakrobaten/YAQU PACHA, 29. Oktober 2026
Viele Projekte in Lateinamerika
Die im Nürnberger Tiergarten ansässige Artenschutzorganisation YAQU PACHA setzt sich seit 34 Jahren für den Schutz der einzigartigen aquatischen Säugetiere Lateinamerikas ein.
In Argentinien, Brasilien, Uruguay, Venezuela, Mexiko und weiteren Regionen unterstützte YAQU PACHA auch in den vergangenen Monaten wissenschaftliche Forschung, konkrete Schutzmaßnahmen, Umweltbildung und Projekte, die gemeinsam mit den Menschen vor Ort entwickelt und umgesetzt werden.
Im Folgenden ein kleiner Überblick.
Lahille-Delfin
Zu den bedeutendsten Entwicklungen der ersten sechs Monate gehörte die Anschaffung eines eigenen Forschungsbootes für das Proyecto Gephyreus in Argentinien.
Proyecto Gephyreus ist eine internationale Naturschutzinitiative, die 2018 ins Leben gerufen wurde und sich der Umkehrung des kritischen Erhaltungszustands des Lahille-Delfins (Lahille’s bottlenose dolphin; Tursiops gephyreus) und seines Lebensraums widmet. Von dieser Delfinform leben nur noch ungefähr 600 Tiere entlang der Küsten Brasiliens, Uruguays und Argentiniens.
Gemeinsam mit der Fundación Azara und der Universidad Maimónides konnte YAQU PACHA dazu beitragen, diesen lange erwarteten Schritt zu verwirklichen. Das neue Boot ermöglicht nun regelmäßige Forschungsausfahrten in den Gewässern vor San Antonio Oeste.
So wird das Forschungsboot genutzt
Mit dem Forschungsboot können die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem:
• Fotoidentifikationsstudien verbessern,
• Veränderungen der Population beobachten,
• wichtige Lebensräume erkennen,
• Bewegungsmuster dokumentieren
• und die Zusammenarbeit mit den örtlichen Fischergemeinschaften weiter stärken.
Das Boot ist damit weit mehr als nur ein neues Arbeitsmittel. Es schafft die Grundlage für langfristige Forschung und wirksame Schutzmaßnahmen für eine der am stärksten bedrohten Delfinpopulationen des südwestlichen Atlantiks.
Artenschutz braucht Wissenschaft
Wissenschaftliche Forschung ist ein zentraler Bestandteil der Arbeit von YAQU PACHA.
In der ersten Jahreshälfte 2026 erschienen mehrere wissenschaftliche Publikationen, deren Entstehung von YAQU PACHA unterstützt wurde.
Die Studien beschäftigen sich unter anderem mit:
• besonders wichtigen Lebensräumen von Manatis im Nordosten Brasiliens,
• der Ernährungsökologie Amerikanischer Manatis,
• dem Zusammenleben von traditioneller Fischerei und Delfinen im Südosten Brasiliens
• sowie neuen Methoden zur Reduzierung des unbeabsichtigten Beifangs von Delfinen.
Einfache Mittel – großer Erfolg
Besonders interessant ist dabei ein Ansatz, bei dem einfache, wiederverwendete PET-Flaschen an Fischernetzen befestigt werden. Mit dieser vergleichsweise einfachen Methode konnte der Beifang von Delfinen um bis zu 88 Prozent reduziert werden.
Solche Projekte zeigen, dass wirksamer Artenschutz nicht nur von wissenschaftlichen Erkenntnissen abhängt. Entscheidend sind ebenso praktische und bezahlbare Lösungen sowie eine enge Zusammenarbeit mit den Menschen, die täglich auf und mit dem Meer leben.
Gemeinsamer Einsatz für den Vaquita
Der Vaquita (Kalifornische Schweinswal) ist weiterhin das am stärksten bedrohte Meeressäugetier der Welt.
YAQU PACHA unterstützt die internationalen Bemühungen zum Schutz der Art gemeinsam mit Partnern wie Pesca ABC, Vaquita CPR und der National Marine Mammal Foundation.
Nach dem jüngsten Treffen des International Committee for the Recovery of the Vaquita, kurz CIRVA, wurden erneut dringende Forderungen formuliert:
• ein konsequenterer Schutz des nördlichen Golfs von Kalifornien,
• eine wirksamere Kontrolle und Bekämpfung illegaler Stellnetze
• sowie die konsequente Weiterentwicklung und Nutzung von vaquitasicheren Fangmethoden.
Es soll weniger als zehn Vaquitas geben. Der Schweinswal steht kurz vor dem Aussterben.
(Foto: Susanne Gugeler)
Fischereigemeinschaften
Die Zukunft dieser Art hängt davon ab, dass Schutzmaßnahmen sofort und dauerhaft umgesetzt werden. Gleichzeitig kann ein langfristiger Erfolg nur gemeinsam mit den örtlichen Fischergemeinschaften erreicht werden. Naturschutz und die Lebensgrundlagen der Menschen müssen zusammen gedacht werden. Genau deshalb ist die sogenannte „Human Dimension“, also die enge Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort, ein wesentlicher Bestandteil der Projekte von YAQU PACHA.
In Erinnerung an Francisca
Zu den traurigsten Ereignissen des Jahres gehörte der Verlust der jungen Franciscana (auch La-Plata-Delfin genannt) Francisca.
Mehr als ein Jahr lang wurde sie bei R3 Animal in Brasilien mit großer Hingabe rehabilitiert. Trotz des außergewöhnlichen Einsatzes von Tierärztinnen und Tierärzten, Biologinnen und Biologen sowie den Tierpflegerinnen und Tierpflegern ist Francisca schließlich verstorben.
Ihre Geschichte hat Tausende Menschen berührt.
Sie machte deutlich, wie schwierig die Rettung und Rehabilitation einer so wenig erforschten und hoch bedrohten Delfinart ist. Zugleich zeigte sie, wie wichtig wissenschaftlich fundierte tiermedizinische Betreuung, intensive Pflege und die Einbindung der Öffentlichkeit für den Schutz gefährdeter Wildtiere sind.
Wertvolle Erkenntnisse
Während der langen Rehabilitation konnten wertvolle Erkenntnisse über die medizinische Versorgung, Haltung und das Wohlbefinden dieser Art gewonnen werden.
Auch wenn Francisca nicht in die Natur zurückkehren konnte, wird das Wissen, das durch ihre Behandlung gewonnen wurde, zukünftigen Rettungs- und Rehabilitationsmaßnahmen zugutekommen.
Ihre Geschichte erinnert uns daran, dass jedes einzelne Tier zählt.
Momentan befinden sich wieder zwei gestrandete neugeborene La-Plata-Delfine in der Rehabilitation.
Wissen weitergeben und neue Generationen erreichen
Der Schutz der biologischen Vielfalt bedeutet auch, Wissen weiterzugeben und insbesondere junge Menschen für Natur- und Artenschutz zu begeistern.
YAQU PACHA unterstützte deshalb auch in der ersten Jahreshälfte 2026 verschiedene Umweltbildungsprojekte in Lateinamerika.
Dazu gehörte die Veröffentlichung eines neuen Kinderbuches, das vom venezolanischen YAQU-PACHE-Partner Proyecto Sotalia entwickelt wurde. Das Buch soll Kinder und Jugendliche dazu anregen, Flussdelfine und ihre Süßwasserlebensräume kennenzulernen und sich für ihren Schutz einzusetzen.
World Ocean Day
Beim World Ocean Day im Zoo Duisburg informierte die Artenschutzorganisation Besucherinnen und Besucher über bedrohte aquatische Säugetiere, laufende Schutzprojekte und die Arbeit der Partner in Lateinamerika.
Solche Veranstaltungen sind wichtig, weil erfolgreicher Artenschutz nicht nur in den Projektregionen stattfindet. Er braucht ebenso Aufmerksamkeit, Verständnis und Unterstützung in Europa.
Mitgliederversammlung 2026
Die Mitgliederversammlung von YAQU PACHA 2026 zeigte erneut, wie stark und vielfältig das internationale Netzwerk dieses Vereins ist. Mitglieder und Gäste konnten zwei besonders interessante Vorträge erleben.
Fernando Trujillo von der Fundación Omacha berichtete über den Schutz der Amazonas-Flussdelfine und die großen Herausforderungen, vor denen diese Tiere und ihre Lebensräume stehen.
Andrea Milanelli vom Thünen-Institut stellte innovative Ansätze zur Reduzierung des Beifangs im Rahmen des Pearl-Nets-Projekts vor.
Darüber hinaus bot die Mitgliederversammlung die Gelegenheit, auf die Arbeit der vielen Projektpartner in Lateinamerika zurückzublicken und mehr als drei Jahrzehnte gemeinsamer Schutzarbeit zu würdigen.
Starkes Netzwerk
YAQU PACHA verbindet Forschungsinstitutionen, Naturschutzorganisationen, zoologische Einrichtungen, Tierärztinnen und Tierärzte, Biologinnen und Biologen sowie lokale Gemeinschaften über Ländergrenzen hinweg.
(Quelle: YAQU PACHA)
Lesetipps
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