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Tierärztin klärt über Delfine auf


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Meeresakrobaten, 17. Juli 2017

Die Website zoos.media bietet seit Kurzem einen außergewöhnlichen Service auf Youtube an. Dort werden in unregelmäßigen Abständen immer wieder Interviews mit Zoo-Beschäftigten gezeigt, die Vorurteile und unberechtigte Kritik an der Tierhaltung unter die Lupe nehmen und über die wahren Umstände, die in Zoos herrschen, aufklären.

Ich möchte hier das Interview mit Dr. Kerstin Ternes – Tierärztin im Duisburger Zoo – vorstellen. Sie ist selbstverständlich auch für die Delfine zuständig und klärt in einem Youtube-Film über die Haltung der Meeressäuger auf.

Kurz zusammengefasst entkräftet sie folgende Vorurteile bzw. falsche Informationen:

Wildfänge

Manche Menschen behaupten, Zoos würden nicht unabhängig von Wildfängen werden.

Das stimmt, laut Kerstin, nicht: Der letzte Wildfang für Duisburg wurde 1982 (also vor 35 Jahren!) gefangen.

Zwei ältere Tiere (Ivo und Pepina) sind ehemalige Wildfänge, wurden jedoch nicht für Duisburg gefangen, sondern stammen aus anderen Delfinarien. Der Großteil der siebenköpfigen Truppe – nämlich fünf Tiere (Delphi, Daisy, Dörte, Debbie, Dobbie) – wurde im Duisburger Delfinarium geboren.

Zwei ebenfalls in Duisburg geborene Delfine (Dolly und Donna) schwimmen heute in der Nürnberger Lagune, zwei weitere in Duisburg geborene Tiere (Darwin und Diego) wurden an den Rancho Texas Park auf Lanzarote abgegeben.

Berührungen sind eine Art der Delfin-Kommunikation
(Foto: Rüdiger Hengl)

Lebenserwartung und Neugeburten

Kerstin informiert auch über die Lebenserwartung sowie die Überlebenswahrscheinlichkeit der Delfine.

Man kann die Lebenserwartung von Delfinen in der Natur mit der von Delfinen in Zoos nicht gut vergleichen, erfährt man von der fachkundigen Tierärztin.

Tiere, die im offenen Meer geboren werden und ein paar Tage später sterben, werden zum Beispiel nicht erfasst, da sie schicht und einfach nicht entdeckt werden.

Auch Fehlgeburten laufen vom Menschen unbemerkt ab. Alle nicht gesehenen Tiere fallen also raus aus der Statistik.

Anders ist es in einem Delfinarium. Dort wird ein Delfin-Baby die ersten 60 Tage rund um die Uhr beobachtet. Und natürlich bleibt der Tod eines Neugeborenen nicht unentdeckt wie bei den Artgenossen im Meer.

Kaum einer erreicht ein „Johannes-Heesters-Alter“

Bei frei lebenden Delfinen geht man von einer ungefähren Lebenserwartung von 20 Jahren aus. Das Alter dieser Tiere wird anhand der Zähne geschätzt, die bei toten Delfinen ausgewertet werden.

Duisburger Delfine
(Foto: Rüdiger Hengl)

Delfinariums-Delfine werden heutzutage beträchtlich älter.

„Spitzen“ von 62 Jahren (Nelly aus Florida) oder weit über 50 Jahren (Moby aus Nürnberg) sind allerdings vergleichbar mit einem „Johannes-Heesters-Alter“ bei Menschen. Nicht alle Menschen werden 110 Jahre alt. Der Durchschnitt liegt weit darunter.

Bei Nelly ist es übrigens so, dass sie in einem Delfinarium geboren wurde und auch dort gestorben ist. Daher kennt man ihr Alter ganz genau.

Doch von 40 Jahren könne man durchaus ausgehen bei Delfinen in zoologischen Anlagen oder Aquarien, meint Kerstin.

Plötzlicher „Kindstod“ bei Delfinen

Die Jungtiersterblichkeit ist auch heute noch ein Phänomen, gibt die erfahrene Tierärztin aus dem Duisburger Zoo zu bedenken. Es gibt immer noch Fälle, bei denen die Todesursache unbekannt ist.

Das jüngste Beispiel ist Daisys Baby, das im Dezember 2015 in Duisburg auf die Welt kam und nur 13 Tage später starb. Kein Mensch hatte damit gerechnet, weil das Tier einen sehr guten Eindruck machte und auch kräftig an Gewicht zugenommen hatte.

Kerstin vergleicht die unbekannte Todesursache bei Delfin-Babys mit dem plötzlichen Kindstod bei Menschen. Auch hier weiß man bis heute nicht in jedem Fall, warum ein Baby plötzlich gestorben ist.

Die neugierigen Duisburger
(Foto: Rüdiger Hengl)

64 Prozent der Jungtiere überleben

In den letzten zehn Jahren haben 64 Prozent der Jungtiere in Duisburg überlebt. Das deckt sich ziemlich genau mit der Wildbahn, wo man davon ausgeht, dass zwischen 50 und 67 Prozent der neugeborenen Delfine überleben.

Allerdings gibt es zwischen einem Delfinarium und der freien Wildbahn einen großen Unterschied.: Im Meer erreichen 40 Prozent der Tiere nicht das dritte Lebensjahr. Das ist in Delfinarien anders. Wer die erste kritische Phase überlebt, der überlebt in der Regel auch die nächsten Jahre, sagt Kerstin.

Website des Zoos

Wer sich noch weiter über die Duisburger Delfine informieren möchte, dem empfehle ich die eigens für die Delfine eingerichtete Website des Duisburger Zoos.

Dort erfahrt ihr etwas über die medizinische Behandlung der Tiere, seht Ultraschallaufnahmen von einem Delfin-Embryo und es werden die im Delfinarium lebenden bzw. zur Welt gekommenen Großen Tümmler ganz genau vorgestellt. Aber auch über das Training und den Transport erfahrt ihr vieles, über die Technik hinter den Kulissen und, und, und …

Schaut einfach mal vorbei!

Lesetipps

* Delfinarien bei den MEERESAKROBATEN
* Vorbildliche Delfin-Haltung in Duisburg
* Delfin-Forscherin im Duisburger Zoo

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