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Sind Meeresbuchten eine Farce?


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Lagune in Antibes/Frankreich
(Foto: Susanne Gugeler)

Der Transfer der Delfine wurde nicht bedacht

Nun könnte man als unbefangener Bürger denken, dass in der von diesen Damen vorgeschlagenen Gesetzgebung auch irgendetwas über den Transfer von Delfinen in betreute Meeresbuchten steht. Doch weder in Kanada noch in Frankreich gibt es dazu etwas. Nicht einmal den kleinsten Absatz.

Dabei wird in beiden Ländern viel Werbung dafür gemacht und in mehreren mündlichen Anhörungen vor politischen Ausschüssen beider Länder wurde das Whale Sanctuary Project als Lösung angepriesen.

Man kann deshalb wohl annehmen, dass zumindest einige Politiker ihre Entscheidung für einen Zuchtstopp und ein Auslaufenlassen der Haltung im Hinblick auf die bald zur Verfügung stehende „Alternative“ getroffen haben.

Kein Delfin muss Frankreich verlassen

Das ist jedoch überhaupt nicht der Fall! Im neuen Gesetz in Frankreich wird klargestellt, dass alle Delfinarien ihre Tiere bis zum Ende behalten dürfen. Kein einziges Wort fällt in dem Text über betreute Meeresbuchten.

Gleichzeitig sammelt der lokale Tierrechtsverein One Voice massig Spenden für ein Projekt, das angeblich mit dem ehemaligen Delfintrainer und jetzigen Delfinariengegner Ric O’Barry geplant sein soll und in dem die Tiere aus den französischen Delfinarien aufgenommen werden sollen.

Im „Blauen Salon“, Nürnberg (Foto: Rüdiger Hengl)

Rechtlich gibt es dazu keine Möglichkeit nach dem neuen Gesetz. Das dürfte den Tierrechtlern gar nicht schmecken, schließlich tragen sie es ständig an die Öffentlichkeit, dass die Tiere allein in ihrer Obhut gut aufgehoben wären.

Krasse Widersprüche in Gesetzestext

Der französische Gesetzestext weist zudem mehrere krasse Widersprüche in sich selbst auf. Denn obwohl er verlangt, dass zu den jetzt in Frankreich gehaltenen Tieren keine neuen mehr hinzukommen (was auch durch Geburten der Fall wäre), wird im gleichen Text die Nutzung von Verhütungsmitteln verboten.

Gleichzeitig dürfen die Gruppen der gehaltenen Delfine nie aus weniger als sechs Tieren bestehen, was bei einer zur Zuchtverhinderung notwendigen Separierung der Geschlechter auch nicht einzuhalten wäre.

In Kanada wird nicht gezüchtet

Das gleiche Szenario eröffnet sich in Kanada teils noch massiver. Dort ist ein Zuchtstopp ebenfalls geplant, doch alle bestehenden Delfinarien dürfen ihre Tiere behalten.

Und im Marineland von Kanada werden u.a. die Großen Tümmler sowie die Orcas überhaupt nicht gezüchtet. Seit mehr als einem Jahrzehnt gibt es dort nur weibliche Tiere und der Park hat nie irgendwelche Versuche gemacht, zu züchten.

An der Situation für die Tiere ändert dieses Gesetz hier also effektiv – gar nichts. Auch im zweiten Park, dem Vancouver Aquarium, werden Meeressäuger nicht gezüchtet (dort sind mehrheitlich rehabilitierte Tiere vorhanden).

9 Kommentare

  1. sehr gut geschriebener Artikel. Erschreckend was für Lügner, Abzocker und Tierhasser diese vermeintlichen Tierrechtler tatsächlich sind.

    geschrieben von Britta
  2. Noch ein Nachtrag meinerseits:
    Fast noch gefährlicher als plumpem Fake-News finde ich, wenn – aus journalistischer Unkenntnis oder mit Absicht – durch die Art der Berichterstattung Dinge suggeriert werden, die nicht stimmen, auch wenn die Aussagen im Bericht zutreffen. Denn das ist besonders perfide. Ein Beispiel: „In Taiji werden jährlich tausende Delfine grausam abgeschlachtet. Besonders schöne Tiere werden gefangen und in Delfinarien in aller Welt verkauft. In Nürnberg leben derzeit sieben Delfine.“ Obwohl beide Aussagen korrekt sind, führt die Nennung der beiden Fakten unmittelbar aufeinander dazu, dass die Leute, wenn man sie hinterher fragt, davon ausgehen, dass diese sieben Delfine aus Taiji stammen.

    Auch zum Thema Spendenorganisationen habe ich noch eine interessante Untersuchung der Stiftung Warentest gefunden. Demnach mangelt es den meisten Tierschutzorganisationen an Transparenz, was mit den Spendengeldern passiert. Viele Organisationen haben gar nicht geantwortet, andere geben viel zu viel Geld für die Selbstverwaltung und für (Eigen-)Werbung aus, anstatt mit den Spenden tatsächlich den Tieren bzw. der Umwelt zu helfen:
    https://www.test.de/Spenden-Diesen-Organisationen-koennen-Sie-trauen-4633447-0/

    geschrieben von Oliver
  3. Dass da was gewaltig neben der Spur läuft, weiss ich schon ziemlich lange. Dass sich sogenannte „Tierrechtler“ mit einer derartigen kriminellen Energie die eigenen Taschen vollstopfen, war mir allerdings neu.

    Es ist nur todtraurig, dass dabei die Interessen der Tiere offenbar überhaupt keine Rolle mehr spielen. So ist das offenbar im „postfaktischen Zeitalter“.

    Bleibt nur zu hoffen, dass echte Argumente und wissenschaftliche Fakten bald wieder eine größere Rolle spielen. Wohin Propaganda und Lügen führen können hatten wir im 20. Jahrhundert nur allzu drastisch erleben müssen. Gerade in Europa.

    geschrieben von Norbert
    1. Ich sehe die größte Schwierigkeit darin, dass ein Verschwörungstheoretiker in fünf Minuten mehr Unsinn behaupten kann als ein Wissenschaftler während seines ganzen Berufslebens widerlegen kann.
      Wissenschaftliches Arbeiten ist ein Knochenjob. Theorien müssen entwickelt und durch aufwendige Recherchen und langwierige Experimente überprüft werden. Ein „Fake-News-Verbreiter“ hat es da viel einfacher, denn er muss seine Behauptungen nicht beweisen, sondern nur lautstark genug auftreten.
      Beispiel Klimawandel. Ein unglaublich komplexes Thema mit unzähligen Parametern, deren Zusammenhänge seit Jahrzehnten von zehntausenden Wissenschaftlern der ganzen Welt untersucht werden. Die Publikationen darüber füllen halbe Bibliotheken. Und dennoch ist es einem gewissen Präsidenten, dessen Name nicht genannt zu werden braucht, „gelungen“, mit einem einzigen Satz die ganze Forschungsaergebnisse zu „widerlegen“: ES GIBT KEINEN KLIMAWANDEL, er ist nur eine Erfindung der Chinesen. Und wenn es doch einen KLimawandel geben sollte, hat der Mensch keine Schuld daran.
      Wenn jemand dieser Aussage widerspricht, ruft man ganz einfach ganz laut „Lügenpresse! Lügenpresse!“. Und wenn man dann auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse verweist, bekommt man als Antwort, dass diese Publikationen allesamt gefälscht sind und dass diese gezielt von [*hier eine Organisation eigener Wahl einsetzen*] initiiert und bezahlt worden sind. Studierte Wissenschaftler sind in deren Augen wahlweise „Fachidioten“ oder „naive, gekaufte Systemlinge“.

      Nun frag ich euch: wie soll man mit Leuten mit einer solchen Einstellung diskutieren?

      geschrieben von Oliver
    2. Mit diesen Leuten braucht man auch garnicht zu diskutieren. Viel wichtiger ist, dazu beizutragen, dass ihre Thesen als das entlarvt werden, was sie sind und ihnen kein Gehör mehr geschenkt wird.

      geschrieben von Dani
      1. Dani, ich stimme dir zu, man braucht mit den Extremisten nicht zu diskutieren, sondern man muss öffentlich über deren Forderungen und Vorstellungen diskutieren.

        geschrieben von Benjamin
    3. Hallo Norbert,

      Ich hoffe genau wie, dass die Vernunft schnell wieder die Kontrolle übernimmt in den meisten Bereichen. Nur leider befürchte ich das Gegenteil, denn die Menschheit ist insgesamt eine emotionale Spezies und denkt nicht logisch. Das können nur die wenigsten weil jemand es einem beibringen muss.

      geschrieben von Benjamin
  4. Vielen Dank für diesen ausführlichen Bericht mit den vielen Hintergrundinfos und Deinen unermüdlichen Einsatz für die Delfine. Ich würde mir wünschen, dass die maßgeblichen Stellen Deine Analyse auch zu lesen bekommen. Meinst Du, dass die ENtscheidung des Zuchtstopps in Frankreich angesichts dieser Argumente nochmal überdacht wird?

    geschrieben von Oliver
    1. Hallo Oliver,

      nein ich denke nicht das irgendwelche Argumente in Frankreich bei den jetzigen Politikern ein Umdenken bewirken können. Der Zuchtstopp widerspricht aber sowohl europäischem als auch bereits bestehendem französischem Recht. Dies wird auf viele Jahre die Justiz beschäftigen während die Delfine unter der Situation leiden.

      geschrieben von Benjamin

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