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Es war einmal ein Vaquita …


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Meeresakrobaten, 17. Juli 2019

Zwei Vaquitas
(Foto: Wikipedia/NOAA)

Es war einmal – so beginnen fast alle Märchen. Im Anschluss erfährt man dann viel über Helden, Prinzessinnen und Prinzen, Tiere, eine Übermacht, die es zu besiegen gilt, usw. Meist enden Märchen dann mit dem Satz: „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“

Das bedeutet, dass die zunächst verloren Geglaubten dank der sie rettenden Helden eine rosige Zukunft vor sich haben.

Keine Zukunft für die Vaquitas?

Doch bei der Geschichte von den Vaquitas ist das anders. Hier muss davon ausgegangen werden, dass sie bald (aus)gestorben sind und – im Gegensatz zu Hänsel, Gretel und den Stadtmusikanten – keine Zukunft haben.

Ähnlich wie in Märchen wurde schon viel Abenteuerliches unternommen, um die kleinen Schweinswale zu retten, die ausschließlich im Golf von Kalifornien/Mexiko leben. Doch gab es vor Jahrzehnten noch mehrere Hundert Tiere, so sind heute nur noch ca. 20 Vaquitas übrig geblieben – Tendenz sinkend.

Helden auf See und an Land

Im Kampf ums Überleben dieser akut vom Aussterben bedrohten Art wurden bereits viele Maßnahmen ergriffen.

Verbreitungsgebiet des Vaquitas
(Grafik: SOS Vaquita)

*** Wissenschaftler versuchten mithilfe von dressierten Großen Tümmlern Vaquitas aufzuspüren und ein paar von ihnen in einem großen Meeresgehege unterzubringen. Dort wären sie zum einen vor Wilderern geschützt gewesen, die illegal Jagd auf einen großen Fisch (Totoaba) machen und damit die Schweinswale gefährden. Zum anderen wollte man versuchen, durch Zucht einen einigermaßen stabilen Stamm aufzubauen. Leider musste dieser Plan wieder aufgegeben werden, nachdem ein Vaquita-Weibchen verstorben ist.

*** Das San Diego Zoo Institute for Conservation Research erhielt von Wissenschaftlern Gewebeproben für seinen „Frozen Zoo“. Die von zwei weiblichen Vaquitas stammenden Biopsien wurden Ende 2017 gesammelt. Nachdem die Proben im Institut eingefroren wurden, werden sie nun in der Sammlung genetischen Materials von gefährdeten Spezies aufbewahrt. Hier soll die Vielfalt des Genpools geschützt werden.

*** Eine andere Rettungsinitiative kümmert sich um die im Meer treibenden Netze. Umweltschützer sammeln diese ein, damit die Vaquitas sich nicht darin verheddern.

*** Außerdem patrouilliert die mexikanische Küstenwache im Golf von Kalifornien, um Wilderer auf frischer Tat zu erwischen. Doch die sind sehr gewieft. Schließlich ist die begehrte Totoaba-Schwimmblase jede Menge Geld wert. Man kann sagen, sie ist das Kokain der Meere, das vor allem in China heiß begehrt ist.

Infotafel im Nürnberger Tiergarten
(Foto: Rüdiger Hengl)

*** Auch Mitarbeiter der Umweltschutzorganisation Sea Shepherd versuchen, die illegale Fischerei aufzudecken. In einem Film von abc news sieht man, wie Fischer Tierschützer mit Gegenständen bombardieren, um sie vom Filmen abzuhalten.

Es ist ein Kampf gegen Drachen, Riesen und Ungeheuer gleichzeitig.

Rote Liste

Nachdem die Inseln von Mexiko und der Golf von Kalifornien bereits 2005 in die Welterbeliste aufgenommen worden waren, stehen sie seit diesem Jahr auf der Roten Liste des gefährdeten Welterbes.

Das UNESCO-Komitee rät Mexiko, die Überwachung der Meeressäuger zu verstärken und sicherzustellen, dass die tödlichen Netze vollständig entfernt werden.

Die Aufnahme in die Liste ermöglicht es offenbar, dass Mexiko die Unterstützung von Regierungen anderer Nationen bekommt, um ein komplettes Artenschutz-Programm aufzubauen.

Hafenschweinswal (Vaquita) (Illustration: Jörg Mazur)

Wikipedia schreibt zur Roten Liste Folgendes: Die Rote Liste des gefährdeten Welterbes wird von der UNESCO geführt. Ihre Grundlage ist die von 193 Staaten unterzeichnete Welterbekonvention. Von denjenigen Kultur- und Naturdenkmälern, die auf der Liste des Welterbes geführt werden, hebt die UNESCO mit dieser Roten Liste solche hervor, deren Bestand und Geltung durch ernste und spezifische Gefahren, wie Beschädigung, Zerstörung oder Verschwinden, bedroht sind. Die UNESCO mahnt für diese Stätten außerordentliche Schutzanstrengungen an.

Nach dem Eintrag formuliert das Welterbekomitee ein Programm für Abhilfemaßnahmen und erstellt den Zeitplan, bevorzugt mit dem betroffenen Staat abgestimmt, notfalls auch gegen dessen Willen.

Die Maßnahmen zum Schutz der Stätte werden kontrolliert, die Abläufe festgelegt und es wird geprüft, wann der Zustand, der Grund zur Eintragung gab, beseitigt ist.

Erst wenn der Anlass der Gefährdung zum Eintrag beseitigt ist, kann eine Stätte wieder von der Roten Liste gestrichen werden. Wird die Gefährdung nicht beseitigt und ist die herausragende Bedeutung der Stätte unwiederbringlich zerstört, kann die Stätte oder ein Teil davon auch von der Welterbeliste gestrichen werden, wozu es jedoch nur selten kommt.

Preisgekrönter Film

Der preisgekrönte Dokumentarfilm Sea of Shadows wurde den Vaquitas und den Rettungsversuchen gewidmet. Doch es handelt sich bei diesem Streifen nicht um ein Märchen, sondern eher um einen Thriller.

Es werden Aktionen verdeckter Ermittler, Umweltschützer, Journalisten und der mexikanischen Marine gezeigt, die in letzter Minute verzweifelt versuchen, einen der kleinsten Wale der Erde vor dem Aussterben zu bewahren. Doch so wie es aussieht, ist kein gutes Ende in Sicht …

Lesetipps zum Vaquita

* Dokumentarfilm zum Vaquita
* Gibt es nur noch zwölf Vaquitas?
* Vaquita bald nur noch im Museum?
* Nürnberger Tiergarten unterstützt Vaquita-Schutz
* Rettungspläne für bedrohte Wale
* Maßnahmen zum Vaquita-Schutz
* Zum Vaquita-Tag am 8. Juli 2017
* Illegal Wildlife Trade Puts Vaquita in Peril
* Vaquita habitat now listed as ‘World Heritage in Danger’
* Review: Eco-crisis documentary ‘Sea of Shadows’ lives up to its sinister title

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