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Delfin-Lagune wird 10 Jahre alt


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Meeresakrobaten, 30. Juli 2021

Erste und einzige Freianlage für Delfine in Deutschland

Die Lagune besteht aus mehreren Becken.
(Foto: Susanne Gugeler)

Die Lagune wurde am 30. Juli 2011 eröffnet.
(Foto: Rüdiger Hengl)

Sie ist die erste und einzige Freianlage für Delfine in Deutschland. Am 30. Juli jährt sich die Eröffnung der Delfin-Lagune zum zehnten Mal. Die Anlage ergänzt seit ihrer Fertigstellung das seit 50 Jahren bestehende Delfinarium des Nürnberger Tiergartens.

Große Tümmler und Seelöwen teilen sich die Becken

Heute schwimmen sechs weibliche Große Tümmler (zwei Wildfänge und vier zoogeborene Tiere) und mehrere Seelöwen in den sechs miteinander verbundenen Becken der Außenanlage. Aber auch das ehemalige Delfinarium ist immer noch für die Tiere zugänglich. Zwei Schleusen führen von den Außen- zu den Ruhebecken im Innern.

Das jüngste Mitglied der „Frauengruppe“ ist die am 31. Oktober 2014 geborene Nami. Sie planscht zusammen mit ihrer Mutter Sunny sowie den Delfinen Nynke, Jenny, Dolly und Donna durch die Außenanlage. Die Geschwister Dolly und Donna kamen 2014 aus dem Duisburger Delfinarium nach Nürnberg.

Der Blaue Salon

Die Lagune fasst 5,4 Millionen Liter Meerwasser und hat eine Wassertiefe zwischen 50 Zentimetern und 7 Metern. Die Meeressäuger sind fast das ganze Jahr über im Freien und erleben Wind, Regen und Sonne. Wird ein bestimmter Minusgrad erreicht, bauen die Mitarbeiter des Tiergartens ein aufblasbares Hallendach über die Becken.

Seelöwen-Baby mit Mutter im Nürnberger Tiergarten
(Foto: Rüdiger Hengl)

Auch Spatzen schauen manchmal vorbei.
(Foto: Susanne Gugeler)

2014 wurde Nami geboren.
(Foto: Rüdiger Hengl)

Blick durchs Panoramafenster
(Foto: Rüdiger Hengl)

Die Zoobesucher können durch eine großzügige Unterwasser-Panoramascheibe (in der „Blauen Lagune“) oder im Freien von einer schön gestalteten Landschaftstribüne aus die Tiere beobachten.

Bauschäden

Leider war die Bauweise der Lagune von Anfang an nicht robust genug. Es trat über die Fuge am Kopf des Beckenrands zeitweise Salzwasser in die Landschaft. Der Wasseraustritt konnte durch das Absenken des Wasserspiegels in den Becken deutlich reduziert werden. Bereits seit mehreren Jahren wird die Beckenanlage saniert.

Forschung in der Lagune

In der Lagune wird auch Forschung betrieben. Tim Hüttner führte dort eine Studie zu den Elektrorezeptoren der Delfine durch.

Außerdem gab es anlässlich der ISFAS (Internationales Symposium Forschung & Artenschutz) schon mehrmals Live-Präsentationen an der Lagune. Immer wieder laufen Dissertationsprojekte zum Thema Delfine. Die Schwerpunkte liegen auf der Intelligenz und den Sinnesleistungen der Meeressäuger. Rund um die Freianlage werden die Besucher über das vom Tiergarten unterstützte Arten-Rettungsprogramm in Südamerika (YAQU PACHA) informiert.

Bereich der Manatis im Blauen Salon
(Foto: Susanne Gugeler)

Panoramascheibe im Blauen Salon
(Foto: Rüdiger Hengl)

Finanzielle und tatkräftige Unterstützung

Der Tiergarten Nürnberg – also auch die Delfin-Lagune – ist übrigens eine gemeinnützige Institution der Stadt Nürnberg und darf als Non-Profit-Gesellschaft nicht gewinnorientiert arbeiten.

Viele Menschen engagieren sich ehrenamtlich z. B. in der Artenschutzgesellschaft YAQU PACHA, um die Botschaft der Zoos weiterzugeben und dadurch für den Schutz und Erhalt der Lebensräume zu werben.

Dann gibt es da auch noch den Verein der Tiergartenfreunde. Seine Mitglieder unterstützen den Tiergarten bei Bauprojekten. Außerdem vermittelt der Verein Informationen über den Tiergarten sowie tierkundliche und naturkundliche Inhalte an jedermann. Dies geschieht durch vielfältigste Formen der Wissensvermittlung und Aufklärung wie Vorträge und Filme, Exkursionen, ein- und mehrtägige Studienreisen sowie Ausstellungen.

Konzert an der Delfin-Lagune
(Foto: Rüdiger Hengl)

Nami aus dem Nürnberger Tiergarten spielt Ball.
(Foto: Oliver Schmid)

Der Tiergarten hat auf seiner Website ein paar interessante Fragen beantwortet. Einige davon möchte ich hier wiedergeben.

Wie werden die Becken desinfiziert?

In der Delfinlagune im Tiergarten Nürnberg wird das Wasser überwiegend durch Ozon desinfiziert. Als zusätzliche Sicherheit wurde parallel zur Ozonierung eine optionale Chlorierung installiert. Chlor wird in diesem System als Ergänzung zum Ozon zugegeben, wenn das für die Desinfektion maßgebliche Redox-Potenzial nicht allein durch das Ozon stabil gehalten werden kann. Die dafür notwendigen Chlormengen liegen meist unter der Nachweisgrenze und immer unter der in Schwimmbädern üblichen Konzentration. Für die Tiere hat die zeitweise Chlordosierung keinerlei Bedeutung, geschweige denn negative Auswirkungen.

Generell gilt: Die Chlorierung in der Nürnberger Delfinanlage wird nur zeitweise eingesetzt, bleibt sehr gering und erreicht maximal ein Drittel der Menge, die in einem Schwimmbad – auch für Säuglinge – verwendet werden muss. Durch das Chlor steht der Technik stets ein Mittel für den möglichen Ausfall der Ozonanlage zur Verfügung. Auch das ist eine Sicherheitsmaßnahme.

Wer hat dem Bau der neuen Delfinlagune zugestimmt?

Im Jahr 2007 sprachen sich bei einer repräsentativen Umfrage 82 Prozent der Nürnberger Bevölkerung für den Bau einer Delfinlagune und damit für eine Weiterführung der Delfinhaltung aus. Der zuständige Kulturausschuss des Nürnberger Stadtrats hatte in seiner Sitzung am 21. Oktober 2005 dem Planungskonzept für das damals noch „Lagune 2000“ genannte Projekt zugestimmt.

Ist die Haltung von Großen Tümmlern schwieriger als bei anderen Tierarten?

Nein. Nur der Druck durch das öffentliche, meist stark emotional gesteuerte Interesse ist ungleich höher und alle Vorkommnisse werden entsprechend medienmarkant dargestellt. Aus zoologischer Sicht ist die Tierart Großer Tümmler ein sehr anpassungsfähiger Meeressäuger, dessen objektiv tiergerechte Haltung sogar einfacher ist als die Haltung vieler anderer Zootierarten.

Es soll nur noch weniger als zehn Vaquitas geben.
(Foto: Rüdiger Hengl)

Der Kalifornische Schweinswal steht kurz vor dem Aussterben.
(Foto: Susanne Gugeler)

Ausblick

Die Sanierung der Lagune wird noch ein paar Jahre in Anspruch nehmen. Bevor die Schäden nicht repariert sind, ist nicht an Nachzucht zu denken. Doch diese ist laut Zoodirektor Dag Encke sehr wichtig. Denn immer mehr Kleinwal- und Delfinarten stehen kurz vor dem Aussterben. Dabei handelt es sich zum einen um lokale Populationen wie zum Beispiel die Großen Tümmler im Süden Brasiliens oder um eine komplette Art wie zum Beispiel den Vaquita in Mexiko.

Delfinarien werden nach wie vor benötigt, um Studien zur Rettung der Artgenossen in freier Wildbahn zu betreiben.

Lesetipps

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