Meeresakrobaten, 22. Dezember 2025
Schon oft habe ich die Wale und Delfine im Ligurischen Meer (Italien) besucht. Wenn man Glück hat, kann man acht verschiedene Arten vor die Fotolinse bekommen.
Zu den häufigsten Meeressäugern, die man bei einer Whale-Watching-Tour sehen kann, gehören die Streifendelfine (auch Blau-Weiße Delfine genannt). Aber auch Finnwale, Pottwale und Cuvier-Schnabelwale habe ich schon beobachten können.
2023 wurde sogar ein Buckelwal in der Nähe von Genua gesichtet.
Die Mittelmeer-Populationen unterscheiden sich genetisch von Artgenossen im Nordatlantik.
Welt der Wale: Pelagos
Auch von zu Hause aus könnt ihr euch die Meeressäuger anschauen. In der Mediathek gibt es eine schöne Dokumentation über die Wale und Delfine im Ligurischen Meer.
Die Filmemacher nehmen euch mit in das 90.000 Quadratkilometer große Schutzgebiet Pelagos. Es liegt zwischen Ligurien, Elba und Korsika.
Tethys begann Ende der 1980er-Jahre mit der Forschung
Die Organisation Tethys hat einen großen Teil dazu beigetragen, dass die Meeressäuger unter Schutz gestellt wurden.
1987 sind die Mitarbeiter zum ersten Mal ausgefahren, um das Ligurische Meer zu erforschen.
Bereits seit fast 40 Jahren wird von Land, auf See und aus der Luft im Schutzgebiet Forschung betrieben. Mithilfe von Drohnen werden die Bestände gezählt, aber auch Schwefelemissionen erfasst.
Mit Ferngläsern auf der Suche nach Walen
Doch am häufigsten wird auf traditionelle Weise geforscht. Mit Ferngläsern und Hydrophonen (Unterwassermikrofonen) sind Mitarbeiter und Freiwillige von der Organisation Tethys unterwegs und sammeln Daten.
An Bord des Forschungsschiffes befindet sich auch ein Labor. Dort werden vor allem die Fäkalien von Finnwalen und Pottwalen untersucht. Außerdem werden menschengemachte Giftstoffe analysiert.
Im Herbst schwimmen die Meeressäuger in wärmere Gebiete
Mithilfe von Satelliten wurde herausgefunden, dass die Meeressäuger sich im Winter im südlichen Mittelmeer aufhalten (unter anderem vor Lampedusa, Tunesien und Malta).
Im Juni folgen sie der Meeresströmung nach Norden durch einen Korridor entlang der Tyrrhenischen Küste bis zum Ligurischen Becken. Dort bleiben sie den ganzen Sommer über in den tiefen, nährstoffreichen Gewässern. Im Herbst wandern sie zurück in die wärmeren Gebiete, wo sie sich fortpflanzen.
Manchmal sieht man sie im Levantischen Meer zwischen Israel, Libanon und Zypern.
Viel Verkehr im Tyrrhenischen Korridor
Der Korridor des Tyrrhenischen Meeres ist von Cargo- und Fährverkehrsrouten durchzogen. Hier besteht eine besonders große Gefahr, dass Wale mit Schiffen zusammenstoßen. In der Doku erfährt man, dass es pro Woche zwei Kollisionen mit dem Fährverkehr kommt.
Im Sommer soll es im Ligurischen Meer sogar pro Tag einen Zusammenstoß geben.
Verhaltenskodex nützt den Walen und Delfinen
Um die Meeressäuger zu schützen, wurde mithilfe von Tethys ein Verhaltenskodex erlassen. Fahren die Schiffe unter zehn Knoten (ca. 18 km/h), kommt es kaum noch zu Kollisionen.
Die Wale und Delfine dürfen nicht gestört oder auseinander getrieben werden. Deshalb sollen sich Ausflugsboote nur parallel zu den Tieren bewegen und nicht gerade auf sie zufahren.
Illegale Schleppnetzfischerei
Die Schleppnetzfischerei machte lange Zeit vielen Meerestieren den Garaus.
Schleppnetzfischen ist seit 2002 in Europa verboten. Doch die illegale Fischerei findet immer noch statt.
Als aktuelle Bedrohung der Meeresfauna wird der Plastikmüll angesehen. Nicht nur Wale, sondern auch Fische filtern das Mikroplastik aus dem Wasser. Es gelangt so in die Nahrungskette und landet schließlich auf unseren Tellern.
Auch die Lärmverschmutzung macht den Tieren im Ligurischen Meer zu schaffen. 30 Prozent des globalen Schiffsverkehrs finden im Mittelmeer statt.
Eckpunkte des Schutzgebiets
Das 1999 etablierte Pelagos-Schutzgebiet erstreckt sich zwischen Toulon (Südfrankreich) über Sanremo (Ligurien), umschließt Capo Falcone und Capo Ferro (beides bei der Insel Sardinien) und erstreckt sich bis Fosso Chiarone (Toskana).
Es wird von Frankreich, Italien und Monaco verwaltet. Das Abkommen wird in Monaco gemanagt.
Whale Watching genießen
Auch die Whale-Watching-Industrie kann zur Bedrohung der Wale und Delfine werden. Wir müssen deshalb berücksichtigen, dass wir nur Gäste im Zuhause der Meeressäuger sind.
Nicht immer gibt es Sichtungen. Vielleicht können wir unseren Ausflug aber trotzdem so genießen wie ein Mitarbeiter von Tethys, der im Film sagt: „Die Gischt im Wind ist die Melodie des Meeres.“
(Quelle: Welt der Wale: Pelagos)





