Die Haut der Delfine

Hunde und Delfine sind bei Groß und Klein gleichermaßen beliebt, doch auf den ersten Blick scheinen sie rein gar nichts Gemeinsames zu haben. Aber nur auf den ersten Blick! Denn wenn die Tiere durchsichtig wären, würde man sehen, dass sich das Skelett des Land- und des Wassertieres sehr ähneln. Dazu mehr im Kapitel Das Skelett der Delfine.

Chicco

Großer Tümmler

Im Anatomie-Teil der MEERESAKROBATEN werden die anatomischen Eigenheiten der Delfine beleuchtet. Dabei wird der Delfin-Körper von außen nach innen betrachtet. Begonnen wird mit der „Hülle“ der Meeressäuger, die zum einen ganz im Dienste der schnellen Fortbewegung steht, zum anderen eine wichtige Schutzfunktion übernimmt.

Bevor es aber richtig „losgeht“, möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Günther Behrmann (Walexperte aus Bremerhaven) bedanken, der mir beim Erstellen dieser Anatomie-Seiten sehr geholfen hat. Viele der hier übernommenen Zitate stammen aus seinen Lehrbroschüren, die er zwischen 1995 und 2004 verfasst hat, bzw. aus einem regen Mail-Kontakt im Oktober/November 2004.

Günther Behrmann

Robuste Sensibelchen und taktile Genießer

Den „Sensibelchen“ unter uns wird oft geraten, sie sollten sich eine dicke Haut zulegen, damit sie den unangenehmen Dingen im Leben besser entgegentreten könnten und nicht auf Kränkungen usw. allzu empfindlich reagieren müssten.

Kein Lebewesen hat eine dickere Haut als die Großwale. Bei manchen Exemplaren misst die äußere Hülle mehr als 40 cm! Aber auch die Delfine sind mit einer dicken gummiartigen äußeren Schicht gut gegen die rauen Umwelteinflüsse geschützt. Doch sensibel im eigentlichen Sinn des Wortes sind die „Dickhäuter“ trotzdem. Ihre Haut ist nämlich durchzogen von vielen Nervenendigungen, die auf kleinste Druck- bzw. Temperaturunterschiede reagieren. Besonders viele Nervenendkörperchen liegen in der Stirn- und der Zungenhaut.

Der US-amerikanische Forscher Michael Zasloff hat 2011 in einem Wissenschaftsblatt veröffentlicht, dass die Delfin-Haut sich sehr schnell regeneriert, wenn der Meeressäuger z.B. von einem Hai verletzt wurde. Selbst tiefe klaffende Wunden heilten von selbst.

Zasloff erklärt dieses Phänomen u.a. mit dem Tauchreflex. Sobald ein Delfin unter Wasser ist, wird das Blut aus den äußeren Organen ins Innere des Tieres geleitet. So ist der Blutverlust nicht allzu groß, wenn der Delfin verletzt wird. Eine andere Erklärung liefert die dicke Fettschicht der Waltiere. Zasloff und andere Wissenschaftler gehen davon aus, dass hier körpereigene Substanzen gegen eingeschleuste Mikroben vorgehen und den Heilungsprozess unterstützen. Außerdem wäre die Haut der Delfine in der Lage, schnell neues Gewebe zu bilden, lautet eine weitere Theorie von Zasloff.

Delfine sind wahre „Taktil-Genießer“: Sie lieben es, sich mit ihren Flippern zu berühren.

Chinesischer Weißer Delfin (Foto: Oliver Schmid)

Chinesischer Weißer Delfin
(Foto: Oliver Schmid)

Delfine berühren sich gerne. (Foto: Rüdiger Hengl)

Delfine berühren sich gerne.
(Foto: Rüdiger Hengl)

Bunte Delfinwelt

Die Haut der Delfine ist nicht nur mit vielen Hautrezeptoren durchzogen, sondern Günther Behrmann konnte außerdem 22 unterschiedliche Farbkörperchen (Chromatozyten) in der Haut der Waltiere nachweisen: „Durch Melaninkörnchen entsteht die dunkle Hautfarbe der Wale. Davon haben aber die Schweinswale oft sehr wenig, deshalb sind sie in Verbindung mit roten Chromatophoren (das sind die Farberzeuger) braun. Der Weißwal (Beluga) hat nur als Jungtier noch einige Melanozyten.“ Andere junge Wale (wie zum Beispiel der Grindwal) erhalten ihre dunkle Farbe erst später.

Dass die Wale und Delfine nicht nur eine eintönig graue Farbe haben, drückt sich auch in der Namensgebung der Meeressäuger aus: Blauwal, Weißwal, Braunfisch (= Schweinswal). Der Weißseitendelfin und der Gemeine Delfin haben gelbe Streifen an den Flanken.

Der Chinesische Weiße Delfin weist einen kräftigen, grau bis rosa gefärbten Körper auf. Da tote Delfine ganz weiß sind, geht man davon aus, dass bei dieser Delfinart die pinke Farbe von der Blutzirkulation herrührt.

Mit Haut und Haaren

Was man kaum für möglich hält, ist, dass Wale auch Haare haben. „Schnurrhaare sind häufig zu finden, brechen aber, weil sie viel Silizium enthalten und sehr hart sind, nach der Geburt bald ab. So richtig sind sie nur bei Embryonen oder jungen Walen zu sehen. Länger bleiben nur einzelne borstenartige Haare oberhalb der Nasenspitze erhalten, und so finden wir sie auch noch bei älteren Walen.

Sehr selten werden aber behaarte Wale gefunden. Die meisten embryonal noch angelegten Körperhaare werden resorbiert, bevor sie die Oberfläche durchbrochen haben. Wenn die weichen Körperhaare aber herauswachsen, brechen sie bald ab. Durch den Haarkanal dringen dann mit dem Wasser Bakterien ein, was zu einer akneartigen Hautentzündung führt. Weil schon mehrere Schweinswale mit Aknenarben gefunden wurden, weiß man, dass sie diese Krankheit also überstanden haben.“ (G. Behrmann)

Nachtrag Juni 2017: Über die kleinen Haargruben an der Schnauze nehmen die Delfine elektrische Reize wahr.Im Nürnberger Tiergarten gibt es ein Studienprojekt, in welchem diese Sensoren erforscht werden. Mehr dazu unter Forschung im Nürnberger Tiergarten.

Grindwale

Freudensprung oder Pflegemaßnahme?

Wenn ein Stück Holz lange im Wasser liegt, wird es früher oder später verfaulen. Ebenso verändert sich Eisen, wenn es lange Zeit dem Wasser ausgesetzt ist, da es zu rosten beginnt. Es gibt kaum ein Material, das dem Wasser standhält. Auch wir Menschen merken, dass es uns nicht allzu gut tut, wenn wir uns zum Beispiel eine Stunde lang im Wasser tummeln. Die Haut quillt auf und wird ganz weich. Die Bewohner des nassen Elementes kennen derartige Reaktionen aber offenbar nicht. Das Wasser kann weder Fisch noch Delfin etwas anhaben.

Delfine haben eine gelartige Substanz auf der Haut, die sich immer wieder erneuert und es dem Delfin ermöglicht, sein ganzes Leben im Wasser zu verbringen. Verschiedene Wissenschaftler gehen davon aus, dass bei jedem Sprung aus dem Wasser etwas von dem Gel, das sich direkt auf der Haut der Delfine befindet, abgewaschen wird. Kleinste Mikroorganismen werden dabei sofort entfernt. Übertragen auf die „Menschen-Welt“ und deren Bedürfnisse wäre solch ein selbstregenerierendes Gel der perfekte Schutz gegen Zerfalls- und Korrosionsprozesse unter Wasser.

Bei der Gleithülle der Delfine handelt es sich übrigens um eine etwa 20 µm dicke Schleimschicht, die das Wasser abperlen lässt und auch mit dazu beiträgt, dass der Delfin sehr schnell durchs Wasser gleiten kann (er erreicht eine Geschwindigkeit zwischen 37 und 48 km/h).

Nachtrag Juni 2017: Die Haut der Delfine dient Schiffsbauern als Modell für eine widerstandsvermindernde Rumpfbeschichtung. Mehr dazu findet ihr unter Delfinhaut als Vorbild für Schiffe.

Wellness-Reise für die Haut

Offenbar regelrechte Wellness-Touren für die Haut unternehmen Orcas (siehe dazu auch wissenschaft.de vom 28.10.2011). Sie wandern von der Antarktis bis nach Südamerika und wieder zurück. Wissenschaftler vermuten, dass sie in den tropischen Gewässern lästige Kieselalgen entfernen, die sich in der eiskalten Antarktis auf ihre Haut gesetzt haben. Im warmen Wasser müssen die Wale keinen Wärmeverlust befürchten, daher nehmen sie diesen weiten Weg in Kauf. Wissenschaftler kamen der Reiselust der Orcas auf die Spur, weil sie mehrere Tiere mit Sendern versehen hatten. 9.400 Kilometer legte das reiselustigste dieser Tiere in 42 Tagen zurück. Das bedeutet, es schwamm am Tag knapp 224 Kilometer …

Wie ein Torpedo schnellt der Delfin durchs Wasser

Mit Tempo durchs nasse Element

Nicht nur durch die gummiartige Hautbeschaffenheit und durch die dünne Schleimschicht auf der Haut ist es den Meeressäugern möglich, wie ein Torpedo durchs Wasser zu schnellen. Die horizontale Schwanzflosse (bzw. Fluke) verändert die Strömungsrichtung des Wassers beim Rudern nur um 30 Grad und vermindert so die Turbulenz und den Wasserwiderstand. (Eine Schiffsschraube verursacht eine Richtungsänderung der Strömung um 90 Grad!) Außerdem sorgt die Speicherung einer großen Menge an Muskelfarbstoff (Myoglobin) für eine stets genügende Sauerstoffanreicherung des Blutes in den Muskeln, selbst wenn der Delfin Höchstleistungen vollbringt.

Wale haben „eingebauten“ Sonnenschutz

Wale sind das ganze Jahr über der Sonne ausgesetzt. Manche Arten – wie der Pottwal – verweilen recht lange an der Wasseroberfläche. Das können schon mal sechs Stunden am Stück sein. Trotzdem gibt es keine krebsroten, verbrannten Pottwale. Die Wale haben von vornherein eine dunklere Haut als andere Meeressäuger. Außerdem wird eine Art Gen-Reparaturtrupp in Gang gesetzt, wenn die Tiere zu lange der Sonne ausgesetzt sind. Zellschäden in der Haut werden von diesen Reparatur-Genen sofort behoben.

Andere Wale – wie der Blauwal – haben einen Sonnenschutz „eingebaut“, der ihre Haut bei intensiver Sonneneinstrahlung zwar dunkler werden, sie aber nicht verbrennen lässt. Sie bildet dann einfach mehr Melanin-Pigment, das einen Teil der Sonnenstrahlung abfängt.
(Quelle: scinexx.de)