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Wale häuten sich in der Wärme


Bisher nahm man an, dass Wale ausschließlich deshalb lange Wanderwege auf sich nehmen, um ihre Jungen in wärmeren Gewässern zur Welt zu bringen.

Orca
(Foto: Roland Edler)

Dafür verlassen sie einmal im Jahr das reichhaltige Nahrungsangebot in den Polarmeeren.

Hauterneuerung

Nun gibt es neue Erkenntnisse. Die Wale schwimmen wahrscheinlich zweimal im Jahr um die halbe Welt, um ihre Haut zu erneuern. Das schreiben die Forscher um Robert Pitman vom National Marine Fisheries Service im kalifornischen La Jolla im Fachmagazin Marine Mammal Science.

In kalten Gewässern reduzieren die Wale ihre Durchblutung in den obersten Hautschichten. Damit sparen sie Energie. Da es keinen Regenerationsprozess gibt, können sich Bakterien, Seepocken und andere Parasiten auf der Haut niederlassen. Diese Besiedelung ist nur dadurch möglich, dass sich die Haut nicht abschält.

„Schwefelböden“

Schon den Walfängern des 19. Jahrhunderts war ein Belag auf der Haut ihrer Beutetiere aufgefallen. Sie nannten diesen „Schwefelböden“, der sich vor allem am Bauch der Wale zeigte.

Die Jäger gingen davon aus, dass Wale, bei denen kein Belag zu sehen war, „Neuankömmlinge“ aus den Tropen waren, die sich bereits gehäutet hatten.

Blutzirkulation regt die Häutung an

In warmen Gewässern wird die oberste Hautschicht genügend mit Blut versorgt. Die Walhülle wird erneuert und die Wale können danach wieder die Reise in die Arktis oder in die Antarktis antreten. So lautet die Theorie der Wissenschaftler.

Daten über Orcas

Ihre Hypothese versuchten die Forscher im Laufe von acht Jahren mit 62 Orcas zu untermauern, die sie mit Sendern bestückt hatten.

Die Tiere schwammen vom Südpolarmeer nordwärts. Ihre Körper waren mit einer gelblichen Schicht überzogen. Diese stammte von Kieselalgen.

Da sich die Tiere sehr schnell bewegten und am nördlichsten Punkt ihrer Wanderung nicht lange verweilten, wollten sie dort wahrscheinlich nicht ihren Nachwuchs zur Welt bringen, sondern ihre äußerste Hautschicht abstoßen.

Einige von ihnen wurden außerdem bereits von Jungtieren begleitet, die in kalten Gewässern geboren worden sein mussten. Das festigte die Annahme, dass sich die Wale vor allem zur Hauterneuerung in wärmere Gefilde begeben.

Die Orcas legten auf ihren Wanderungen insgesamt bis zu 11.000 Kilometer zurück.

Auch Belugas häuten sich

Aus Erzählungen der Inuits weiß man, dass sich die Belugas (Weißwale) im Sommer in wärmere Flussmündungen zurückziehen, um dort ihre Haut zu regenerieren.

Sollte es weitere Belege für die Hauterneuerungs-Hypothese geben, müsste man umdenken, was die ursprüngliche „Heimat“ der Wale angeht. Die wäre nämlich dann in den gemäßigten Gebieten. Zur Nahrungssuche wanderten die Meeressäuger dann im Laufe der Evolution in die Polarmeere ab. Bislang wurden die Polargebiete als Heimat der Wale angesehen.

Besserer Aufzuchterfolg in den Tropen

Dass die großen Wale ihre Kälber in den Tropen oder Subtropen auf die Welt bringen, könnte damit zusammenhängen, dass sie hier weniger durch Orcas gefährdet werden.
(Quellen: Why Do Whales Migrate? They Return to the Tropics to Shed their Skin, Scientists Say, Spektrum.de und Epoch Times)

Fotos, auf denen man sehr gut den Belag auf der Haut der Wale sieht, findet ihr unter Marine Mammal Science.

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