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Das Leben von Delfin Ginger


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Meeresakrobaten/Sarasota Magazine, 13. Januar 2016

Neugeborenes Delfin-Baby  (Photo by Sarasota Dolphin Research Program, taken under National Marine Fisheries Service Scientific Research Permit)

Neugeborenes Delfin-Baby
(Photo by Sarasota Dolphin Research Program, taken under National Marine Fisheries Service Scientific Research Permit)

In diesem Beitrag geht es um die Delfine aus der Sarasota-Bucht (Florida), über die hier schon des Öfteren berichtet wurde. Die 165 dort lebenden Großen Tümmler sind die weltweit am längsten erforschte ortstreue Freiland-Gruppe.

Heute möchten die Meeresakrobaten ein ganz bestimmtes Tier aus dieser Gruppe vorstellen – nämlich GINGER. Ginger wird im Sarasota Magazine ein eigener Artikel gewidmet. Teile aus dem Artikel habe ich übersetzt.

Der Beitrag im Sarasota Magazine ist auch deshalb sehr interessant, weil in ihm aufzeigt wird, wie die Wissenschaftler des Sarasota Dolphin Research Program (SDRP) arbeiten.

Ihre Daten über die ortstreuen Delfine sind sehr wertvoll, da die Studien anderen Forschern auf der ganzen Welt dienen, um die Anatomie und das Verhalten von Großen Tümmlern besser zu verstehen.

Foto-Identifikation

1970 begann der Wissenschaftler Randy Wells zusammen mit anderen Kollegen die ortstreuen Delfine der Sarasota Bay zu studieren. Jedes einzelne Tier wurde anhand von markanten Narben oder Farbzeichnungen auf der Rückenflosse identifiziert und per Foto in einem Katalog dokumentiert.

Nicklo ganz links (Photo by Sarasota Dolphin Research Program, taken under National Marine Fisheries Service Scientific Research Permit)

Delfine der Sarasota Bay (Photo by Sarasota Dolphin Research Program, taken under National Marine Fisheries Service Scientific Research Permit)

Randy Wells ist der Direktor des Programms. Er hat im Sarasota-Magazin am Beispiel eines Delfins aufgezeigt, wie solche Studien verlaufen. Dazu hat er sich Ginger – ein Delfin-Weibchen – ausgesucht.

Gingers Großmutter und Mutter

Gingers Großmutter (FB 13) taucht zum ersten Mal 1975 in den Sarasota-Studien auf.

Im September 1995 wurde Gingers Mutter Edamommy geboren. Sie war das dritte Kalb, das seit 1975 an der Seite von FB 13 gesehen wurde.

Geringe Überlebenschance bei Erstgeborenen

Im Juni 2005 wurde Ginger geboren. Sie ist das erste Kalb von Edamommy, die bei der Geburt von Ginger zehn Jahre alt war.

In der Sarasota Bay bekommen die meisten weiblichen Delfine mit neun Jahren ihr erstes Kalb. Es gibt aber auch sechsjährige und 48-jährige Mütter. Die meisten Jungtiere werden zwischen Mai und Juli geboren.

Erstgeborene Delfine haben eine weitaus geringere Überlebenschance (61 Prozent) als Folgegeburten. Das kann daran liegen, dass ihre Mütter noch zu unerfahren sind.

Ginger wird flügge

Zwischen Mai und September 2008 beobachteten die Mitarbeiter des SDRP, dass Ginger immer weniger Zeit mit ihrer Mutter verbrachte. Normalerweise bleiben Mutter und Kalb drei bis sechs Jahre zusammen – eben so lange, bis die Geburt des nächsten Kalbes ansteht.

Ein Delfin wird mit einem Sender bestückt.  (Photo by Sarasota Dolphin Research Program, taken under National Marine Fisheries Service Scientific Research Permit)

Ein Delfin wird mit einem Sender bestückt.
(Photo by Sarasota Dolphin Research Program, taken under National Marine Fisheries Service Scientific Research Permit)

Im Juni 2008 wurde Gingers Bruder Wasabi geboren.

Ginger wurde daraufhin sehr oft alleine oder in einer kleinen Gruppe beobachtet, jedoch sehr selten mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder.

Ginger in Not

Im Dezember 2008 strandete Ginger in Siesta Key. Sie wurde in das Mote-Delfin-Hospital gebracht, wo sie wegen einer Lungenentzündung, Flüssigkeitsmangel und Verdauungsproblemen behandelt wurde.

Die Wissenschaftler des SDRP mutmaßten, dass Ginger gestrandet war, weil sie sich zu früh von ihrer Mutter getrennt hatte.

Anfüttern ist lebensgefährlich für die Delfine

Immer wieder sterben Delfine in der Sarasota Bay, weil sie sich den Anglerbooten nähern, um gefüttert zu werden. Dabei verheddern sie sich oft in Angelleinen, durch die sie lebensgefährlich verletzt werden können.

Damit sich die im Mote-Hospital behandelten Delfine nicht an Menschen gewöhnen (und nach ihrer Rückführung in ihren Lebensraum sich Anglern nähern) werden die Patienten ohne Sichtkontakt zu Menschen gefüttert.

Ginger hat sich erholt

Im Februar 2009 ging es Ginger wieder gut und sie konnte in die Freiheit entlassen werden. Die Mitarbeiter des SDRP befestigten einen Sender an ihrem Körper, um ihren Zustand bzw. ihre Entwicklung eine Weile beobachten zu können.

Ginger blieb in einem bestimmten Abschnitt der Sarasot Bay und interagierte mit anderen Delfinen. Zum Glück nahm sie keinen Kontakt zu Anglern auf.

Ein Delfin wird von den Angelschnüren befreit.  (Photo by Sarasota Dolphin Research Program, taken under National Marine Fisheries Service Scientific Research Permit)

Ein Delfin wird von den Angelschnüren befreit.
(Photo by Sarasota Dolphin Research Program, taken under National Marine Fisheries Service Scientific Research Permit)

Gingers Großmutter stirbt

Im Juli 2009 starb Gingers Großmutter FB 13 im Alter von 50 Jahren. Die Untersuchung ergab, dass FB 13 offenbar einen Zusammenstoß mit einem Boot oder einem anderen Delfin hatte.

Ginger ist ganz gesund

Im Mai 2010 wurde Ginger kurzzeitig aus dem Wasser genommen und untersucht. Ihr Gesundheitszustand war sehr gut. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass ihre Hauptnahrung aus Meeräschen und Meerbrassen bestand.

Ginger wird Mama

Im August 2015 wurde Ginger mit ihrem ersten Kalb gesehen. Sie und ihr Baby schwammen mit der sechsjährigen Nellie, die sich im Alter von neun Monaten in Fischerleinen verfangen hatte und von den Wissenschaftlern des SDRP befreit wurde.

Im September 2015 wurden Ginger und ihr Kalb in einer Gruppe mit anderen Müttern und Jungtieren gesehen.

Referenz-Population

Insgesamt wurde Ginger seit ihrer Geburt 366-mal von Mitarbeitern des SDRP gesichtet.

Sie und die anderen Delfine der Sarasota Bay gehören zu einer sogenannten Referenz-Population, die bei Untersuchungen von durch die Öl-Katastrophe Deep Horizon oder anderen Katastrophen beeinträchtigten Delfinen zum Vergleich herangezogen wird.
(Quelle: The True-Life Adventures of Ginger the Dolphin)

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