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Vierte Station: Zu Gast bei Dr. Paul Spong

Am Nachmittag kommen wir nach Hanson Island – dem Domizil und der Forschungsstätte von Dr. Paul Spong und seiner Frau Dr. Helena Symonds.

Im Hintergrund eine 1.000 Jahre alte Zeder

„Dr. Spong zählt zu den weltweit renommiertesten Experten, die ihr Leben dem Schutz von Walen und Delfinen verschrieben haben.

Die Tiere werden an verschiedenen Stellen vom Land aus beobachtet, sodass sie sich durch die Arbeit der Forscher nicht gestört fühlen. Durch Kommunikationsaustausch mit anderen Beobachtern (sowohl Wissenschaftlern als auch Walbeobachtern) können zusätzliche Informationen (z.B. die Aufenthaltsorte der Tiere) zur Interpretation der Daten herangezogen werden.

Ein Netzwerk von Hydrophonen ist um das wichtigste Verbreitungsareal der Orcas positioniert. So können das ganze Jahr über akustische Analysen der Orca-Kommunikation durchgeführt werden.“ (Zitat WDCS)

OrcaLab

Nachdem wir von den Bewohnern samt Hund herzlich begrüßt worden sind, zeigt uns Dr. Spong sein „OrcaLab“. Das Arbeitszimmer ist so klein, dass wir es nur aufgeteilt in zwei Gruppen besichtigen können. Im „OrcaLab“ werden alle Schwertwal-Laute, die von mehreren Unterwassermikrofonen (Hydrophones) aufgenommen werden, ausgewertet und den betreffenden Orca-Familien bzw. Individuen zugeordnet. Tag und Nacht beschäftigt sich die kleine Forschergruppe – die neben Dr. Spong und dessen Frau noch aus zwei Praktikantinnen besteht – mit den akustischen Signalen der Wale.

Brigitte Weiß, eine Praktikantin aus Österreich, erzählt mir, dass sie schon zum siebten Mal auf Hanson Island arbeitet. Von Brigitte erfahre ich, dass Hanson Island in einem Schutzgebiet liegt, das streng nach dem sogenannten „Warden and Monitoring Program“ überwacht wird.

Brigitte und Dr. Spong

Auch sie teilt meine Sorgen über die vielen kleinen Schnellboote, die vor allem im Süden und an der Westküste von Vancouver Island „hinter den Orcas her sind“. Sie befürwortet, ebenso wie Dr. Spong, dass sich statt der vielen kleinen Boote nur wenige große Schiffe mit bis zu 100 Passagieren an Bord den Walen nähern sollten, damit die Tiere nicht übermäßig gestört würden.

Als ich nach der Bedrohung der Orcas durch die in Vancouver Island ansässigen Fischer frage, erklärt mir Brigitte, dass von diesen heute keine Gefahr mehr für die Schwertwale ausginge. Früher wurden die Wale allerdings noch abgeschossen, da man in ihnen Nahrungskonkurrenten sah. Seit der Wal-Forscher Dr. Michael Bigg (1939-1990) in den 70er-Jahren jedoch den Fischern plausibel machen konnte, dass sich um Vancouver Island während der Lachs-Wanderung statt der befürchteten mehreren Tausend Schwertwale nur ein paar Hundert Tiere aufhielten, begann die Schonzeit für die Orcas.

Johnstone Strait

Nach Dr. Michael Bigg ist auch das Robson Bight – Michael Bigg Ecological Reserve, das sich in der Johnstone Strait befindet, benannt. Es beinhaltet rund 1.300 Hektar Wasserfläche und 500 Hektar Land. In diese Gegend kommen die Orcas, wenn sie auf Futtersuche sind oder wenn sie ihre Körper an den Steinen in den Rubbing Beaches scheuern wollen. Touristen ist es nicht gestattet, ohne Erlaubnis in diese Gegend einzufahren bzw. das Land zu betreten.

Dr. Michael Bigg

Johnstone Strait

Simon und Dr. Spong

Im OrcaLab

Bevor wir mit dem Beiboot zu Dr. Spongs zweiten Station übersetzen, führt der Hausherr uns noch in einen Wald direkt hinter dem „OrcaLab“. Dort zeigt er uns eine über 1000 Jahre alte Zeder, die er bis jetzt erfolgreich gegen Baumfäller verteidigen konnte.

Nachdem wir allerlei über die akustische überwachung der Orcas erfahren haben, sind wir schon gespannt, wie Dr. Spong den Tieren visuell auf der Spur bleibt … Mach dich also bereit zum Übersetzen!

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