Berichte

Marianna und die Delfine


Themen: , , ,

MEERESAKROBATEN-Bericht, 2. Juni 2013

„Ich habe großes Glück“, freut sich Marianna Boorman. Die junge Fotografin gehört zu den wenigen Privilegierten, die häufig Delfine zu Gesicht bekommen.

Captain Hook (Photos courtesy of Marianna Boorman)

Captain Hook (Photos courtesy of Marianna Boorman)

Dafür muss Marianna in kein Delfinarium gehen. Sie muss auch kein lautes und Wasser verschmutzendes Highspeed-Boot besteigen. Marianna beobachtet die Delfine vom Ufer aus. Es geht um die küstennah lebende Delfin-Population in der Port-River-Mündung bei Adelaide/Süd-Australien.

Von Marianna stammen alle hier gezeigten Fotos. Für ihre Erlaubnis, sie bei den MEERESAKROBATEN veröffentlichen zu dürfen, bedanke ich mich ganz herzlich!

40 Delfine tummeln sich im Port River

Etwa 40 Tiere tummeln sich gerade mal 14 Kilometer von der Großstadt Adelaide entfernt im Port River. Sie sind ortstreu und werden seit 1995 von Freiwilligen der Adelaide Dolphin Sanctuary Action Group (ADS) – zu denen auch Marianna gehört – und dem WDC/Australien beobachtet.

Bei den Großen Tümmlern von Port River handelt es sich um die Art Tursiops aduncus (pazifischer Großer Tümmler). Er kommt u.a. auch noch im Roten Meer vor (siehe hierzu den MEERESAKROBATEN-Beitrag Im Land der Pharaonen und Delfine).

Delfine sind ortstreu

Die Delfine von Adelaide beweisen einmal mehr, dass es keinesfalls nur große Tagesstrecken zurücklegende und tief tauchende Hochsee-Populationen gibt.

Die kleine Mimo wurde nur 2 Monate alt.  (Photos courtesy of Marianna Boorman)

Die kleine Mimo wurde nur 2 Monate alt.
(Photos courtesy of Marianna Boorman)

Die Adelaide-Delfine sind das ganze Jahr über in der Nähe der Großstadt zu beobachten. Offenbar reicht ihnen das Fischangebot dieses Gebietes zum Überleben aus. Delfine schwimmen nämlich nicht aus „sportlichen“ Gründen oder aus „Jux und Dollerei“ große Strecken, sondern weil sie auf Nahrungssuche sind.

(In anderen Beiträgen habe ich bereits weitere küstennah lebende Delfin-Populationen vorgestellt: die Delfine von der Sarasota-Bucht/Florida und die Delfine im Golfo Aranci/Sardinien.)

Die Delfine sind verschiedenen Gefahren ausgesetzt

Dr. Mike Bossley von der WDC/Australien kennt jedes einzelne Individuum im Port River. Er kennt aber auch die Gefahren, denen die Tiere ausgesetzt sind. Immer wieder gibt es Delfine, die von Bootspropellern verursachte Wunden aufweisen, oder ein Tier verheddert sich in einem Netz.

Marianna hilft tatkräftig mit, wenn es darum geht, einen verletzten oder anderweitig in Not geratenen Delfin zu bergen und zu versorgen.

Hohe Gefährdung in den ersten 6 Monaten

Auch Todesfälle gilt es zu verarbeiten. So ist im Mai 2013 das Delfin-Baby Mimo verstorben. Dessen Mutter trug ihr Junges drei Tage lang an der Oberfläche und trauerte sehr um den Verlust.

Das Weibchen Mimo wurde am 3. März 2013 geboren und lebte leider nur zwei Monate. Sein Schicksal macht einmal mehr deutlich, dass neugeborene Große Tümmler mitunter schlechte Überlebenschancen haben. (Siehe dazu auch den Meeresakrobaten-Beitrag Die Delfine von der Sarasota-Bucht/Abschnitt „Hohe Säuglingssterblichkeit“.)

Luftblasen-Spiel (Photos courtesy of Marianna Boorman)

Luftblasen-Spiel (Photos courtesy of Marianna Boorman)

Mimo war das zweite Kalb des Delfin-Weibchens Mouse. Auch Mouse‘ erstes Kalb hat leider nicht überlebt.

Mimo fiel von Anfang an dadurch auf, dass sie unkoordinierte Schwimmbewegungen machte und ihre Augen kaum öffnete. Außerdem wies sie eine eigenartige Hautverfärbung auf.

Marianna schreibt in ihrem Dolphin-Dock-Tagebuch: „Delfine sind in den ersten sechs Monaten ihres Lebens unglaublich anfällig für Krankheiten.“

Die Fotografin ist froh, dass sich mit ihr auch noch andere Freiwillige der Adelaide Dolphin Sanctuary Action Group (ADS) und die Mitarbeiter von der WDC/Australien um die Tiere kümmern und immer ein wachsames Auge auf die Delfine haben.

Während dieser äußerst schwierigen Zeit für Mimos Mutter Mouse sorgten Ranger und Mitarbeiter des WDC dafür, dass die Mutter in Ruhe gelassen wurde und niemand zu ihr ins Wasser stieg.

Verhaltensrepertoire

Marianna berichtet, dass die Delfine von Port River besonders durch folgendes Verhaltensrepertoire auffallen.

* LOGGING: Das Wort Log bedeutet Murmeltier. Murmeltiere schlafen lange. Von dieser Eigenheit leitet sich auch das Verhalten der Delfine ab, wenn sie an der Oberfläche dösen. Das machen sie acht Stunden am Tag.

* TRAVELLING: Das bedeutet Reisen. Die Delfine können zwar 35 km/h erreichen, doch im Hafengebiet bewegen sie sich meist nur sehr langsam vorwärts und interagieren miteinander.

* SPY HOPPING: Dieses Wort bedeutet, dass die Delfine ihre Köpfe aus dem Wasser recken und die Umgebung inspizieren.

* TAIL SLAPPING: Mit dem Schwanz schlagen. Dadurch drücken die Delfine ihren Unmut aus. Sie schlagen manchmal auch ihrem Nachwuchs mit der Fluke (Schwanzflosse) auf den Kopf, um das Jungtier zu rügen.

Wave (Photos courtesy of Marianna Boorman)

Wave (Photos courtesy of Marianna Boorman)

Zirkusreife Nummer

Für Schlagzeilen sorgten einige Delfine im Port River im Jahr 2010. Sie wurden dabei beobachtet, wie sie auf dem Schwanz liefen. Diese zirkusreife Nummer ist normalerweise nur bei Großen Tümmlern in Delfinarien zu beobachten, aber nicht bei wild lebenden Artgenossen.

Das sogenannte TAIL WALKING wurde erstmals beim Delfinweibchen Billie beobachtet. Sie wurde 1988 kurzzeitg im Marineland aufgenommen und dann wieder freigelassen. Trainiert wurde sie dort nicht. Nach einer kurzen Reha-Phase wurde sie zurück in den Port River gebracht. Groß war die Überraschung, als man Billie beim Tail Walking sah. Sie hatte sich diese „Gangart“ offenbar bei ihren in menschlicher Obhut lebenden „Kollegen“ abgeschaut.

Eine lange Zeit blieb Billie der einzige Delfin, der das “Auf-der-Fluke-Laufen” beherrschte – doch acht Jahre später begann ein weiteres Weibchen (Wave) ebenfalls, dieses spektakuläre Verhalten zu zeigen.

Billie war ein außergewöhnlicher Delfin

Billie wurde siebenmal Mutter. Leider haben nur zwei von ihren Babys (Rosso und Marianna) überlebt. Billie starb am 11. August 2009. Sie wurde 26 Jahre alt. Über Billie könnte man noch sehr viel berichten. Zum Beispiel, dass sie quasi von einem Polizisten aufgezogen wurde. Sie schwamm mit Pferden und war äußerst zutraulich. Mehr dazu unter Dolphin Dock.

Wer noch mehr über Marianna und „ihre“ Delfine erfahren möchte, dem empfehle ich einen Ausflug auf die Website von Dolphin Dock.

Lesetipps

* Delfine lassen sich einsperren
* Delfine laufen auf der Schwanzflosse
* Delfine tanzen vor Adelaide

2 Kommentare

  1. Bin gespannt, was die „Delfinarien-Hasser-Fraktion“, welche fortwährend per „copy und paste“ verbreitet, dass freilebende Delfine 50 km/h schnell schwimmen, 500 m tief tauchen und 10 Jahre älter werden als ihre Artgenossen in menschlicher Obhut, zu diesem Bericht sagen werden.

    geschrieben von Rüdiger
    1. Vermutlich gar nichts. Bekanntermaßen sind Tatsachen ja Auslegungssache und sowieso nicht so wichtig. Ich hatte erst vor einigen Tagen unter einem Post des Nürnberger Tierparks wie so eine Diskussion: Fakten, Quellen etc. stießen auf taube Ohren. Schade.

      geschrieben von ViciSl

Schreibe einen Kommentar zu Rüdiger Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.