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Zwischen Meer und Ozean …


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Meeresakrobaten, 27. August 2018

Rechts der Atlantik, links das Mittelmeer
(Foto; Rüdiger Hengl)

HOLA! Rüdiger und ich sind wieder zurück aus Andalusien und Gibraltar.

Die Woche im heißen Südspanien sowie im englischen Überseegebiet an der Südspitze der Iberischen Halbinsel war sehr ereignisreich und voller schöner Tier-Erlebnisse. Von ein paar davon möchte ich euch berichten.

In Tarifa

Unser Quartier hatten wir in der Nähe von Tarifa. In diesem Ort blickt man auf die Straße von Gibraltar, wo Mittelmeer (Osten) und Atlantischer Ozean (Westen) aufeinandertreffen.

Der Meeresspiegel des Mittelmeers liegt etwa 1½ m tiefer als der des Atlantiks, dadurch strömt das Oberflächenwasser ständig in Richtung Mittelmeer. Dazu kommt ein meist vorherrschender Westwind, der sich in der Meerenge (Düsenwirkung) noch verstärkt.

Starker Wind verhindert Ausfahrten

Nachdem wegen der schlechten Wetterlage Delfin-Touren in der Straße von Gibraltar für knapp eine Woche abgesagt wurden, konzentrierten wir uns auf die windstille Bucht von Gibraltar.

Dort leben sehr viele Gemeine Delfine und manchmal auch Große Tümmler. Wie uns ein Tour-Guide sagte, ist die Bucht von Gibraltar weltweit der einzige Ort, wo Große Tümmler und Gemeine Delfine zusammen anzutreffen sind.

In der Bucht von Gibraltar
(Foto: Susanne Gugeler)

Keine Angst vor großen Schiffen

Bei unseren drei Ausfahrten haben wir allerdings nur Gemeine Delfine gesehen. Davon aber reichlich viele.

Die Boote, die mehrmals am Tag für ein bis eineinhalb Stunden in die Bucht fahren, steuern ein bestimmtes Gebiet knapp zwei Kilometer vor der Küste an und brauchen dort nur noch zu warten.

Die Delfine kommen von alleine und breiten sich in allen Himmelsrichtungen rund um das Boot aus.

Das ist vielleicht ein Getümmel! Sie springen, surfen, klatschen mit der Fluke aufs Wasser, drehen sich um die eigene Achse … Es ist unglaublich, was sich dort abspielt.

Es gibt Szenen mit Gemeinen Delfinen, die auf der Bugwelle eines riesigen Containerschiffes surfen. Die Kolosse scheinen die Tiere nicht zu stören. Die Delfine winden sich durch die Fahrstraßen der Frachter und machen dabei einen putzmunteren Eindruck.

Man kann keine Fluchtbewegungen feststellen. Die Gemeinen Delfine haben sich offenbar an den von Menschen dominierten Lebensraum angepasst. Allerdings wird die Mittelmeer-Population auf der Roten Liste als gefährdet eingestuft.

Springender Gemeiner Delfin
(Foto: Rüdiger Hengl)

Gemeine Delfine in der Bucht von Gibraltar
(Foto: Susanne Gugeler)

Surfender Delfin
(Foto: Rüdiger Hengl)

Gemeiner Delfin
(Foto: Rüdiger Hengl)

Weiße Zeichnung auf Finne
(Foto: Rüdiger Hengl)

Ca. zwei Kilometer von Gibraltar entfernt
(Foto: Rüdiger Hengl)

Unterteilung in mehrere Arten

Hinsichtlich der Taxonomie sind die Wissenschaftler recht unterschiedlicher Meinung. Es soll wohl schon Vorschläge für eine Unterteilung in mehr als 20 Arten gegeben haben.

Bei den Tieren in der Bucht von Gibraltar handelt es sich um Kurzschnäuzige Gemeine Delfine. Sie haben im Gegensatz zu den Langschnäuzigen Gemeinen Delfinen meist eine helle Färbung auf der Rückenflosse (Finne) und einen schwarzen Fleck um das Auge (dieser ist ganz gut auf dem letzten Foto dieses Artikels zu sehen). Markant ist die sanduhrförmige Zeichnung an den Seiten des Delfins, die vom hellen Gelb ins Grau verläuft.

Gemeine oder Gewöhnliche Delfine zählen zu den schnellsten Delfinarten. Sie können bis zu 65 km/h erreichen. Dementsprechend schwierig ist es, sie zu fotografieren. ;o)

Mit bis zu 65 Zähnen pro Kieferhälfte gehört die Art zu den zahnreichsten Säugetieren. Damit können sie hervorragend glitschige Beute festhalten.

Mehr zum Gemeinen Delfin erfahrt ihr in der Meeresakrobaten-Systematik, Bilder gibt es in der Foto-Galerie.

Auf dem Affenfelsen in Gibraltar
(Foto: Rüdiger Hengl)

Der Affenfelsen

Wenn man in Gibraltar ist, so sollte man sich auf keinen Fall den Affenfelsen entgehen lassen. Hoch oben über der Stadt leben etwa 300 Makaken – oft in Nebel eingehüllt – und warten auf die Touristen.

Die Tiere werden sehr pfleglich behandelt, denn eine Legende besagt, dass die britische Herrschaft in Gibraltar beendet sei, sobald der letzte Affe den Felsen verlassen hätte. Wahrscheinlich wurden die auch Berberaffen genannten Tiere von Marokko aus eingeführt.

In der Straße von Gibraltar

Doch nun noch einmal zurück nach Tarifa und in die Straße von Gibraltar. Sie ist etwa 14 Kilometer breit und trennt Spanien von Afrika. Man kann dort verschiedene Delfinarten beobachten: Streifendelfine, Große Tümmler, Grindwale und in den Monaten Juni bis August sogar Orcas. Letztgenannte machen dort Jagd auf den roten Thunfisch.

Orcas lassen sich schon seit Wochen nicht mehr blicken

Laut Informationen der Whale-Watching-Anbieter vor Ort sind die Orcas in diesem Jahr bereits früher aus der Meerenge verschwunden als sonst. Sie kamen zwar noch einmal kurz zurück, aber an dem einzigen Tag, am dem für uns eine Ausfahrt möglich war, ließen sie sich leider nicht blicken.

Da hatte Rüdiger vor zwei Jahren mehr Glück. Er konnte fantastische Fotos von den Orcas machen. Du findest sie in seinem Gastbeitrag unter Bei den Orcas von Gibraltar.

Streifendelfin in der Straße von Gibraltar
(Foto: Rüdiger Hengl)

Die Störche ziehen nach Afrika.
(Foto: Rüdiger Hengl)

Große Tümmler in der Straße von Gibraltar
(Foto: Rüdiger Hengl)

Große Tümmler in der Straße von Gibraltar
(Foto: Rüdiger Hengl)

Dafür konnten wir uns an vielen Streifendelfinen und Großen Tümmlern erfreuen, die unser Boot begleiteten oder auf der Bugwelle eines riesigen Tankers surften.

Spektakuläre Erlebnisse unter und über uns

Aber nicht nur auf dem Meer unter uns gab es spektakuläre Erlebnisse, sondern auch am Himmel über uns. Dort zogen große Schwärme von Störchen gen Afrika. Sie beziehen dort ihr Winterquartier.

Vier Wolfsarten im Lobo-Park

Ein weiteres Highlight auf unserer Reise waren Wölfe, die rund 9 km westlich des Stadtkerns von Antequera in einem großen eingezäunten Areal leben.

Der Lobo-Park wurde 2002 von den Deutschen Daniel Weigend und Alexandra Stieber als rein privater Wolfspark gegründet.

Iberischer Wolf
(Foto: Rüdiger Hengl)

Ein Geier kreist über uns.
(Foto: Rüdiger Hengl)

Vier Arten kann man dort besuchen: den Iberischen Wolf, den Europäischen Wolf, den Timberwolf sowie den Tundrawolf.

Die Tiere leben weitgehend sich selbst überlassen, nachdem die Welpen aus dem ersten Wurf noch von den Ranchern aufgezogen wurden. Sie sollten so an die Menschen gewöhnt werden. Alle Wölfe, die danach geboren wurden, geben die verlorene Scheu vor dem Menschen an ihren Nachwuchs weiter. So kann man mit etwas Glück die Tiere an verschiedenen „View Points“ beobachten, wenn sie mit Fleisch aus dem Dickicht gelockt werden.

Mehr zum Lobo-Park findet ihr auf Rüdigers Website unter Ein Sommer in Andalusien und Gibraltar.

Es gäbe noch so viel zu erzählen

Sehr beeindruckend sind des Weiteren die Greifvögel, die über den Felsen ihre Kreise ziehen. Es gibt offenbar mehrere verschiedene Geier- und Adlerarten in Andalusien.

Es gäbe noch so viel zu erzählen über unsere Abenteuer in Andalusien und Gibraltar. Doch für heute soll es genug sein. Vielleicht konntet ihr unsere Emotionen nachempfinden und plant eventuell demnächst auch einen Urlaub zwischen Meer und Ozean …

Gemeiner Delfin in Gibraltar
(Foto: Rüdiger Hengl)

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