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Die Himmelsakrobaten


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Ein Leben lang treu

Die Tauben sind wiederum ein Beispiel für sehr zärtliches Miteinander, wie ihre Existenz als Symbol für Liebe und Treue seit Jahrhunderten auch beweist. Sie bleiben ein Leben lang treu, was immerhin zwischen 15 und 20 Jahren sein kann. In jedem Jahr werden gemeinsam mehrere Bruten großgezogen, normalerweise sind das immer zwei Jungtiere pro Brut.

Courtship and copulation sequence wood pigeons – Paarung der Ringeltauben from Ben's Birdwatching on Vimeo.

Interessant ist ihr Paarverhalten in mehrfacher Hinsicht. So sind beide bei uns häufig vorkommende Arten, die Ringel- und die Türkentauben, sehr territorial während der Brutzeit und dulden dort keine Artgenossen. Untereinander aber tolerieren sie sich, sodass die kleinen Türkentauben auch direkt neben den Ringeltauben sitzen dürfen, ohne dort verjagt zu werden.

Flexibel oder konservativ

Innerhalb des Territoriums sind dagegen die Türkentauben viel flexibler unterwegs und ruhen, putzen oder paaren sich immer an anderer Stelle. Die Ringeltauben sind dagegen streng konservativ. Vor allem die Begattung muss bei ihnen immer an derselben Stelle vollzogen werden. So konnte ich mehrfach beobachten, wie der Täuber seine Partnerin mal auf einen anderen Ast locken wollte, dies aber immer wieder nach einigen Minuten aufgeben musste und an die altbewährte Stelle zurückkehrte.

Die Paarung selbst findet bei ihnen sehr regelmäßig statt, auch im tiefsten Winter, wenn keine Bruten anstehen, oder zum Ende der Brutsaison, wenn alle Jungtiere ausgeflogen sind. Diese Paarungen haben nichts mit der Fortpflanzung zu tun, sondern finden zur Partnerbindung statt und bereiten den Tieren auch sicher Vergnügen.

Einen speziellen Ruf äußern beide Partner sowohl der Ringel- als auch der Türkentauben sofort nach der Begattung. Er wird von Ornithologen als Ausdruck der Erregung während der Paarung interpretiert und kommt nirgendwo sonst im Lautrepertoire der Tiere vor.

Schnäbeln

Das Paarungsritual selbst beginnt bei den Tauben immer mit dem allgemein als „Schnäbeln“ bekanntem Verhalten. Eigentlich ist dies die Partnerfütterung durch das Männchen. Das Weibchen bettelt und pickt vorsichtig im Gesichtsbereich des Männchens, dieses öffnet dann den Schnabel, das Weibchen steckt seinen wie ein Jungtier hinein und frisst dort das vom Männchen im Kropf aufbewahrte und wieder hochgewürgte Sekret.

Zugegeben, das hört sich nicht sehr romantisch an. Die Natur hat dieses Verhalten gefördert, da so die Weibchen sicherstellen können, dass ihr Partner in der Lage ist, auch sie und die Jungtiere während der Brutzeit zu versorgen.

Der Bruterfolg bei diesen Vögeln hängt von der Harmonie und Kooperation beider Elterntiere ab. Wenn beide Partner durch dieses Vorspiel in der richtigen Stimmung sind, duckt sich das Weibchen, das Männchen hüpft ihr auf den Rücken, beide müssen dann gut die Balance halten, während das Männchen kurz unter Flügelschlagen die Begattung vollzieht.

3 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen sehr ausführlichen Artikel über die gefiederten Freunde im Garten.
    Mein „Favorit“ sind neben den Spatzen (als Ulmer obligatorisch) in erster Linie Amseln. Ich mag es, wenn sie abends ihre wunderschönen Lieder singen. Das macht mich total entspannt und glücklich und ich kann mich dabei zugleich gut konzentrieren. Interessnt finde ich ja die Tatsache, dass Amseln noch vor rund 200 Jahren (fast) reine Waldbewohner waren und erst seidem immer mehr als „Kulturfolger“ in die Städte gekommen sind.
    Ich habe zu Hause auf dem Balkon einen kleinen „Teich“ (Plastkwanne mit Wasser), die von den Amseln sehr gerne als Badegelegenheit und auch zum Trinken angenommen wird. Eine Amsel habe ich immer wiedererkannt, denn sie hatte als Besonderheit am Flügel eine weiße Feder.

    geschrieben von Oliver
    1. Vielen Dank für deinen Kommentar, Oliver! Eine Amsel mit weißer Feder war auch mit bei der Zählung dabei, als ich bei „Wintervögel am Futterhaus“ mitgemacht hatte.

      geschrieben von Susanne
    2. Hallo Oliver und danke für deinen netten Kommentar!

      Interessant finde ich auch die Anpassung verschiedener Vogelarten als Kulturfolger.
      Bei Tauben und Spatzen ist das ja genauso.
      Die Spatzen sind bei uns nur selten zu sehen, aber gegenüber unserem Gelände gibt es eine lange Heckenreihe, wo die Spatzen immer brüten im Sommer. Da ist dann viel los, aber ich komme nie wirklich nah genug ran, um sie zu filmen.
      Die Ringeltauben kann ich mittlerweile an ihrer Stimme identifizieren, sie haben alle eine ganz eigene Tonlage. Wenn ich also morgens Rufe höre, weiß ich, ob das unser Paar ist oder das vom Nachbarn.

      geschrieben von Benjamin

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