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Kein Delfinarium mehr – und dann?


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Meeresakrobaten, 20. September 2021

Delfin-Lagune im Nürnberger Tiergarten
(Foto: Oliver Schmid)

Nachträglich zum zehnjährigen Bestehen der Delfin-Lagune im Nürnberger Tiergarten, möchte ich heute all denjenigen einen Artikel widmen, die die Delfinhaltung in Deutschland beenden wollen.

Kinderleichte, aber inkompetente Einmischung

Delfinarien- und Zoogegner gibt es viele. Man trifft sie vor allem in den sozialen Netzwerken. Manchmal begegnet man auch einer Handvoll von ihnen vor einem Zoo. Die Aktivisten schwingen dann Banner mit der Aufschrift „Artgerecht ist nur die Freiheit“ oder mit ähnlichen Parolen.

O.k. – gehen wir einmal davon aus, die Internetkampagnen zeigten „Erfolg“ – schließlich kann man heute per Mausklick sich kinderleicht in politische wie soziale oder tierbezogene Entscheidungen einmischen und Veränderungen bewirken. Oder man wendet sich pöbelnd und beleidigend an die „andere Seite“, die man kleinkriegen möchte. Selbst Politiker machen vor diesem medialen Instrument inzwischen nicht mehr halt …

Also angenommen, in Deutschland gäbe es keine Delfinarien mehr. Kein Großer Tümmler würde mehr durch die Nürnberger Lagune oder die Becken des Duisburger Zoos schwimmen. Die Delfinariengegner wären zufrieden, sie hätten ihr Ziel erreicht – und die Delfine ihr Zuhause verloren.

Info-Plakate im Nürnberger Tiergarten
(Foto: Susanne Gugeler)

Per Mausklick in eine ungewisse Zukunft

Es stellt sich die Frage: Was würde aus den 14 in Nürnberg und Duisburg gehaltenen Delfinen, wenn (aus meiner Sicht) unverantwortliche und fachunkundige Menschen unter dem Deckmantel des Tierwohls per Mausklick die Beendigung der Delfin-Haltung erreicht hätten?

Ganz groß in Mode sind sogenannte Meeresrefugien, für die einige Delfinschutzorganisationen werben.

Doch diese müssen erst noch erschlossen (oder sogar neu geschaffen) werden. Wie sollen sie finanziert werden, wenn zahlende Besucher wegbleiben?

Mit den Delfinarien würde auch das Know-how verschwinden

Gäbe es mittel- oder langfristig in Deutschland sowie weltweit kein Delfinarium mehr, dann gäbe es auch keine Diskussionen mehr über die Haltung dieser Tiere und wie man diese europaweit immer weiter optimieren kann.

Dann tauschte man sich vor den Becken nicht mehr darüber aus, wie es den Tieren in den Ozeanen geht und was man zu deren Schutz tun kann. Vielleicht hätten dann viele noch nie etwas über die „komischen Fische“ gehört, geschweige sie live gesehen.

Unterricht mit Delfinen
(Foto: Susanne Gugeler)

Tiermedizin hilft Delfinen im Freiland
(Foto: Susanne Gugeler)

Immer mehr gestrandete Delfine werden die Todesspritze erhalten, weil es weder Auffangmöglichkeiten noch Rehabilitationszentren noch das Know-how geben wird, wie mit ihnen umzugehen ist. Die Rettungsstationen sind nämlich sehr oft an Delfinarien gekoppelt, von denen sie auch finanziert werden.

Vielleicht wird man irgendwann einmal vergessen, welch bewundernswerte und fantastische Tiere Delfine sind. Vielleicht wird man sie irgendwann einmal als lästige Nahrungskonkurrenten wahrnehmen oder findet nichts dabei, ihr Fleisch einmal zu probieren und sich an den Geschmack zu gewöhnen.

Wie geht es den Artgenossen im Meer?

Zugegeben, es befinden sich viele schwarze Schafe unter den Delfinarienbetreibern (ich denke da vor allem an die asiatischen Einrichtungen, die immer noch Lebendfänge aus Taiji beziehen), doch seien wir ehrlich: Geht es einer hohen Anzahl der ca. 30 Delfinarten in den Ozeanen nicht viel schlechter als ihren Artgenossen, die in (wohlgemerkt) seriösen Einrichtungen die Menschen erfreuen und den Kindern ein Staunen auf die Gesichter zaubern?

Vergesellschaftung verschiedener Tierarten
(Foto: Susanne Gugeler)

Immer mehr Tiere „vor der Haustüre“ verschwinden

Viele Menschen gehen heute in den Zoo oder Wildpark, um dort noch eine Vielfalt an Tieren zu erleben, die in ihrer natürlichen Umgebung schon lange nicht mehr anzutreffen ist. Ich denke hier nicht nur an exotische Tiere, sondern ich denke an Rehe, Biber, Ottern, Hasen, Füchse, Wölfe usw., die aus unserem Lebensraum verdrängt werden.

Ja und bei den exotischen Tieren (dazu zählen auch die Großen Tümmler) sieht es nicht viel anders aus.

Die Anzahl der Menschen steigt weltweit immer mehr an, diejenige der Tiere wird immer geringer.

Vom Aussterben bedroht

Um bei den Waltieren zu bleiben: Der Vaquita im Golf von Kalifornien, der Irawadi-Delfin in Laos, die Orcas in der Salish Sea, die Gemeinen Delfine in Griechenland und die Großen Tümmler an der kalifornischen Küste sind vom Aussterben bedroht.

Panoramascheibe im Blauen Salon/Nürnberg
(Foto: Rüdiger Hengl)

Hierbei handelt es sich nur um Beispiele. Es gibt viele Delfin-Populationen, die ums Überleben kämpfen.

Immer mehr Delfinarten werden verschwinden

Ob mit oder ohne Delfinarien ist das Verschwinden bestimmter Tierarten nicht mehr zu bremsen. Doch mit Delfinarien besteht wenigstens die Hoffnung, dass noch helfend und aufklärend in den Vernichtungsprozess eingegriffen werden kann.

In seriös geführten Einrichtungen lernen die Besucher, dass es ich lohnt, sich für das Überleben der Tiere einzusetzen.

Es ist ein tolles Erlebnis, wenn Delfine einen zum Staunen bringen und zu einem ehrfürchtigen Umgang mit der Natur mahnen. Ich hoffe, dass ich solche Erfahrungen noch oft in Nürnberg oder Duisburg machen darf.

Bitte beachtet auch die Fotos von den Plakaten, die zur Information der Besucher im Nürnberger Tiergarten installiert wurden. Sie enthalten viel Wissenswertes über die Haltung von Delfinen.

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