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Lärmstress für Nar- und Grindwale


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Meeresakrobaten, 27. Februar 2022

Narwal
(Foto: Rüdiger Hengl/LWL-Museum, Münster)

Wale und Delfine reagieren stark auf menschengemachten Lärm.

Das zeigten einmal mehr zwei Studien, bei denen das Verhalten von Narwalen in der Arktis und von Grindwalen vor Teneriffa beobachtet wurde.

Ortstreue Narwale in der Arktis

In der Arktis nahe Ostgrönland wurden sechs Narwale mit Satellitensendern ausgestattet, die sich nach einer gewissen Zeit von alleine lösten.

Es handelte sich bei den Tieren um Wale mit hoher Standorttreue.

Die Forscher versuchten zu ergründen, wie die Tiere bei kontrollierten Schallexplosionen reagieren.

Wale stellten Nahrungssuche ein

Befand sich das Geräusch zwölf Kilometer vom Wal entfernt, halbierte er das Ausstoßen von Klicklauten. Näherten sich die Narwale bis auf sieben Kilometer dem Geräusche aussendenden Boot, hörten die Wale auf, mit ihrem Sonar nach Nahrung zu suchen.

Narwal
(Illustration: Jörg Mazur)

Extreme Reaktion auf externe Geräusche

Obwohl die Lautstärke der Schallimpulse, die vom Schiff ausgingen, in wenigen Kilometern Entfernung unter dem normalen Hintergrundgeräusch (das von Eisbewegungen stammte) lag, erkannten die Wale die künstlichen Geräusche und veränderten ihr Verhalten bis zu 40 Kilometer von der Schallquelle entfernt.

Sie reagierten also extrem empfindlich gegenüber Störungen. Das veränderte Verhalten der Narwale führt wahrscheinlich zu einem verringerten Erfolg bei der Nahrungssuche.

Die Reaktionen des Narwals auf anhaltende Störungen können eine Fülle von Konsequenzen sowohl auf individueller als auch auf Populationsebene haben.

Wenn gesunde, ungestörte Narwal-Populationen erhalten werden sollen, muss die extreme Empfindlichkeit der Wale gegenüber künstlichen Geräuschen bei der Bewertung und Regulierung anthropogener Aktivitäten in der Arktis berücksichtigt werden.

Grindwale vor Teneriffa

Vor Teneriffa ist Schiffslärm ein Hauptgrund für Verhaltensänderungen bei Walen.

Grindwal-Mutter mit Kalb
(Foto: Rüdiger Hengl)

Trotz der wachsenden weltweiten Bemühungen um die Umsetzung von Best-Practice-Prinzipien gibt es bis heute keine Vorschriften zum Lärmpegel von Walbeobachtungsschiffen.

Verhaltensreaktionen

In einer Studie wurde die Hypothese getestet, dass ein Walbeobachtungsschiff mit geringer Lärmemission im Vergleich zu einem Schiff mit einem lauteren Motor keine kurzfristigen Verhaltensreaktionen bei Zahnwalen hervorruft.

Dazu wurden Verhaltensreaktionen von Kurzflossen-Grindwalen (Globicephala macrorhynchus) auf die Annäherung von Walbeobachtungsschiffen gemessen (Reichweite 60 m, Geschwindigkeit ca. 3 km/h).

Näherten sich Schiffe mit Benzinmotoren, verringerte sich die mittlere Ruhezeit der Mutter um 29 Prozent im Vergleich zur Kontrolle.

Der durchschnittliche Stillzeitanteil für das Kalb wurde signifikant durch Benzinmotor-Schifffahrten beeinflusst, mit einer Abnahme von 81 Prozent im Vergleich zur Kontrolle.

Grindwal, Gibraltar
(Foto: Rüdiger Hengl)

Leise Schiffe stören viel weniger

Schiffe mit leiseren Elektromotoren beeinflussten das Verhalten der Wale kaum.

Um die Grindwale möglichst wenig zu stören, sollten Walbeobachtungsschiffe daher idealerweise so niedrige Lärmpegel wie möglich haben und vor dem Hintergrund von natürlichen Umgebungsgeräuschen wahrgenommen werden.

Höherer Energieverbrauch

Die Ergebnisse dieser Studie stimmen mit beobachteten Verhaltensänderungen als Reaktion auf Schiffsgeräusche überein, die zu einem Anstieg des Energieverbrauchs der Mütter und zu einer Verringerung des Energiegewinns der Kälber führen.

Die Studie zeigt, dass unterschiedliche Schiffslärmpegel unterschiedliche Verhaltensreaktionen bei Walen hervorrufen können, selbst wenn die Betreiber die aktuellen, nationalen Whale-Watching-Richtlinien einhalten.

Es wird empfohlen, Geräusch-Kriterien für Whale-Watching-Schiffe festzulegen, um sie in die Best-Practice-Richtlinien für Whale-Watching zu integrieren.

Besseres Gefühl für Touristen

Weniger Motorgeräusche von Walbeobachtungsschiffen werden auch Touristen zugute kommen, die eine Möglichkeit zur Öko-Beobachtung suchen, während gleichzeitig die Störungen für Wale verringert werden.

Das trägt letztendlich zur Nachhaltigkeit der mehrere Millionen Dollar einnehmenden Walbeobachtungs-Tourismusbranche bei.
(Quellen: Biology Letters und Scientific Reports)

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