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Wale und Delfine mitten im Atlantischen Ozean


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Die MEERESAKROBATEN bedanken sich ganz, ganz herzlich bei FRANK BLACHE für diesen tollen Erlebnisbericht und die wunderschönen Fotos! (Oktober 2012)

Pico, so heißt nicht nur Portugals höchster Berg (2.351 m), sondern auch die gleichnamige Insel der Azoren – und das Ziel meiner diesjährigen Wal-Reise (26. August – 09. September 2012).

Frank Blache auf den Azoren (Foto: Frank Blache)

Corvo, Flores, Graciosa, Terceira, São Jorge, Faial, Pico, São Miguel und Santa Maria sind die neun Inseln der Azoren, die mitten im Atlantischen Ozean liegen. Die Inselgruppe wurde von National Geographic zur zweitschönsten der Welt gewählt.

Habicht-Inseln

Davon wusste Diogo de Silves allerdings noch nichts, als er 1427 die Inseln entdeckte. Als er und seine Seefahrer die Inseln zum ersten Mal sahen, erblickten sie große Greifvögel, die sie für Acors (Habichte) hielten. Vermutlich waren es wohl Bussarde, denn es hat nie Habichte auf den Azoren gegeben – den Namen hat die Inselgruppe jedoch behalten und auch auf der Fahne ist ein Habicht abgebildet.

25 verschiedene Walarten

Auf den Azoren kann man viel unternehmen. So locken sie zum Beispiel Wanderer und Taucher an oder Menschen, die die Abgeschiedenheit der Inseln fernab von jeglichem Touristenrummel genießen möchten. Und dann gibt es dort noch etwas, was mich auf die Azoren gelockt hat: Wale! Bis zu 25 verschiedene Walarten tummeln sich vor den Azoren. Natürlich nicht alle zur gleichen Zeit, denn einige sind nur Saisongäste während der Sommermonate – wie zum Beispiel die Atlantischen Fleckendelfine (auch Zügeldelfine genannt) oder die Streifendelfine (auch Blau-Weiße-Delfine genannt).

Kleiner Schwertwal/Azoren (Foto: Frank Blache)

Abtauchender Pottwal/Azoren (Foto: Frank Blache)

Rundkopfdelfin/Azoren (Foto: Frank Blache)

Gemeiner Delfin/Azoren (Foto: Frank Blache)

Wer die großen Bartenwale (u.a. Blauwal, Finnwal, Brydewal und Buckelwal) beobachten möchte, muss sich bereits im Frühjahr auf die Reise machen. Arten wie z.B. den Pottwal, den Rundkopfdelfin, den Gemeinen Delfin und den Großen Tümmler trifft man das ganze Jahr über an. Glücklich kann man sich schätzen, wenn man den eher seltenen Arten – wie dem Kleinen Schwertwal, dem Orca oder dem Cuvier-Schnabelwal – begegnet. Die beste Zeit für Walbeobachtungen sind die Monate Mai bis Oktober.

Magische Momente

Während meines Aufenthalts auf Pico, habe ich an acht Walbeobachtungstouren teilgenommen und insgesamt sieben verschiedene Arten sehen können: Pottwale, Kleine Schwertwale, Rundkopfdelfine, Gemeine Delfine, Fleckendelfine, Streifendelfine und die Großen Tümmler (siehe auch Meeresakrobaten-Foto-Galerie). Die Begegnungen mit Walen/Delfinen in freier Wildbahn sind für mich jedes Mal einzigartige – magische – Momente, die mit Worten eigentlich nicht zu beschreiben sind.

Speed-Boot oder Motoryacht?

Auf Pico werden für die Whale Watching-Touren hauptsächlich Offshore-Speed-Schlauchboote eingesetzt. Je nach Anbieter, hat man aber auch die Wahl mit einem größeren Boot (Motoryacht) zu fahren.

Speed-Boot vor dem Pico (Foto: Frank Blache)

Im Hafen von Horta (Foto: Frank Blache)

Für beide Varianten gibt es ein Für und Wider. Nachfolgend mal ein paar Argumente (meine persönliche Meinung), die für die eine – bzw. die andere Art – sprechen: Für mich ist der größte Vorteil der Schlauchboote die Nähe zum Wasser. Besonders beim Beobachten der Delfine, die häufig in unmittelbarer Bootsnähe auftauchen, hat man eine außergewöhnliche Betrachtungsweise und man fühlt sich dem Element Wasser und den Tieren sehr nah verbunden. Außerdem hat man von den Schlaubooten aus die Möglichkeit, Unterwasseraufnahmen – wenn man eine entsprechende Kamera dabei hat – zu machen. So konnte ich zum Beispiel Atlantische Fleckendelfine unter der Wasseroberfläche, kurz vor dem Auftauchen fotografieren (siehe Foto rechts, zum Vergrößern bitte anklicken).

Da die Schlauchboote sehr schnell sind, können sie außerdem die Stellen an denen sich die Wale/Delfine gerade aufhalten, in kurzer Zeit erreichen. Nicht immer halten sich die Meeressäuger in unmittelbarer Küstennähe auf, dann muss der Skipper erst mal ein Stück aufs Meer hinausfahren.

Fleckendelfine beim Auftauchen (Foto: Frank Blache)

Bei gesundheitlichen Problemen eher abzuraten

Da ist natürlich ein schnelles Boot von Vorteil. Aber es gibt auch Nachteile der Speed-Boote. Besonders dann, wenn der Wellengang relativ hoch ist. Auch wenn sich die Skipper bemühen die Wellen entsprechend „anzuschneiden“, um so ein Aufklatschen auf die Wasseroberfläche zu verhindern, gelingt dies nicht immer. Bei einer Tour – die in der Regel zwischen 3 bis 4 Stunden dauert – kann das schon sehr anstrengend sein. Da sollte man schon in einer allgemeinen guten körperlichen Verfassung sein.

Ein weiterer Nachteil – aus meiner Sicht – ist der gewagte Einsatz einer (teuren) Spiegelreflexkamera, da man nie vor Spritzwasser gefeit ist und das Handling – zum Beispiel beim Objektivwechsel – in der Enge des Schlauchbootes nicht ganz einfach ist. So habe ich bei den Schlauchboottouren immer nur eine wasserdichte Kamera dabei gehabt.

Die Nachteile der Schlauchboote sind gleichzeitig die Vorteile der Yachten, die einfach mehr Komfort und persönliche Bewegungsfreiheit bieten. In Bezug auf das Verhalten gegenüber den Walen/Delfinen kann ich über beide Varianten nichts Negatives berichten. Sowohl die Skipper der Schlauchboote als auch die Skipper der Yachten haben sich an die Richtlinien gehalten und so zum Beispiel einen Mindestabstand von 50 Metern berücksichtigt. Auch hielten sie sich immer nur eine gewisse Zeit in der Nähe der gleichen Tiere auf.

Großer Tümmler ganz groß/Azoren (Foto: Frank Blache)

Beobachtung von Land aus

Etwas Besonderes bei den Walbeobachtungstouren auf Pico ist, dass die Boote (egal ob Schlauchboot oder Yacht) nicht auf gut Glück aufs Meer hinausfahren, um die Wale zu finden, sondern von sachkundigen und erfahrenen Beobachtern an Land geleitet werden. Diese befinden sich in Ausgucken – den sogenannten Vigias – und halten nach Walen Ausschau. Von den Vigias aus kann der Beobachter in einem Radius von 200 Grad auch noch Wale ausmachen, die weit entfernt sind. Über Funk werden dann die Boote in die richtige Richtung geleitet. Einige Boote haben auch Unterwassermikrofone an Bord, die die Geräusche – z.B. das Klicken der Pottwale – direkt in die Kopfhörer des Steuermannes übertragen und so zur besseren Ortung beitragen.

Auch vor den Azoren kann es vorkommen, dass mal keine Wale gesichtet werden oder sie einfach zu weit für die Boote entfernt sind. An solchen Tagen findet dann keine Ausfahrt statt und die Boote bleiben im Hafen.

In der Vigia wird nach Walen Ausschau gehalten. (Foto: Frank Blache)

Dieses intelligente Beobachtungssystem (mittels der Vigias) entlang der Küste wurde bereits zur Zeiten des aktiven Walfangs auf den Azoren eingesetzt.

Anstatt der Whale Watcher wurden damals die Walfangboote zu den Tieren gelotst. Bereits ab 1830 erschienen die ersten Walfänger aus Amerika und England vor den Inseln. Aber erst 30 Jahre später – 1860 auf Flores und 1876 auf Pico – begann auf den Azoren selbst der Walfang. 1987 endete der aktive
Walfang und in Lajes do Pico wurde der letzte Pottwal an Land gezogen.

„Fliegende“ Delfine

Doch zurück in die Gegenwart, in der die Meeressäuger vor den Azoren keine Walfänger mehr fürchten müssen. Wie schon am Anfang erwähnt, habe ich an acht Ausfahrten teilgenommen und sieben Arten beobachten können. Highlights waren für mich: Pottwalmütter mit ihren Kälbern, die sich an der Wasseroberfläche ausruhten, Atlantische Fleckendelfine (über und unter Wasser), Rundkopfdelfine, die ich zum ersten Mal beobachten konnte, Große Tümmler und Gemeine Delfine, die direkt neben dem Boot aufgetaucht sind und besonders auch eine große Schule von Streifendelfinen, die mit hohem Tempo immer wieder vollständig aus dem Wasser schossen und dabei regelrecht zu „fliegen“ schienen.

Kleiner Schwertwal beim Fressen (Foto: Frank Blache)

Fressende Kleine Schwertwale

Die letzte Ausfahrt bot dann noch ein ganz besonderes Erlebnis: Kleine Schwertwale – die hatte ich vorher auch noch nie beobachten können – bei der Jagd und beim Fressen! „Klein“, sind die Kleinen Schwertwale eigentlich nicht. Weibchen erreichen eine Länge von 5 m und die Männchen werden sogar bis 6 m lang. Dabei bringen sie ein Gewicht von 1 – 2 t auf die Waage. Die Tiere besitzen einen torpedoförmigen Körper und sind überwiegend schwarz. Ihr rundlicher Kopf hat keine Schnabelbildung, wobei der Oberkiefer den Unterkiefer etwas überragt.

Bei den Waltouren vor den Azoren trifft man die False Orcas – wie sie auch genannt werden – nicht sehr häufig an. Umso mehr habe ich mich über die Begegnung gefreut. Die Tiere waren gerade auf der Jagd und hatten unser Boot regelrecht umzingelt. Besonders toll war es – unser Bootsführer hatte den Motor abgestellt – ihre Pfeiftöne deutlich unter Wasser zu hören! Ein Tier tauchte mit einem riesigen Stück Beute im Maul auf. Es gelang mir zwar noch – mit der kleinen Unterwasserkamera – ein Foto davon zu machen, aber leider lässt die Aufnahme keine Identifizierung dieser Beute zu. Kleine Schwertwale ernähren sich hauptsächlich von Fischen und Kalmaren, aber man sagt ihnen auch nach, dass sie kleinere Wale angreifen.

Natürlich waren die Whalewatching-Touren meine Hauptbeschäftigung auf Pico, aber in kurzen Stichpunkten möchte ich noch ein paar weitere Höhepunkte meiner Reise nennen.

Highlights an Land

Gruta das Torres (Foto: Frank Blache)

Segler-Kneipe (Foto: Frank Blache)

Im Wal-Museum von Lajes do Pico (Foto: Frank Blache)

Altes Walfangboot in Lajes do Pico (Foto: Frank Blache)

So habe ich zum Beispiel die Gruta das Torres besichtigt – die größte Lavahöhle Portugals (erst 1990 entdeckt), eine Fahrt in die bizarre Vulkanlandschaft (bis auf 1.200 m) mit wunderschönen Kraterseen unternommen, das Wal-Museum (Museu dos Baleeiros) in Lajes do Pico besucht, mir auf der Nachbarinsel Faial den weltberühmten Yachthafen von Horta angesehen (Segler aus aller Welt haben sich hier an den Kaimauern – und tun dies heute noch – verewigt) und einen Cappuccino in der weltbekannten – jedenfalls unter Seglern – Kneipe „Peter Café Sport“ getrunken. Im Umkreis von 1000 Seemeilen die einzige Kneipe, die sich um Segler und deren Post kümmert.

Azorenhoch

In Deutschland wohl bekannter ist das sogenannte Azorenhoch. Es entsteht allerdings in der Regel ein paar hundert Kilometer südlich der Azoren (etwa 30 Grad nördlicher Breite) und es erhielt seinen Namen nur, weil weit und breit kein anderer Festlandsbezugspunkt zu finden war.

Bizarre Vulkanlandschaft (Foto: Frank Blache)

Kratersee (Foto: Frank Blache)

Adressen

Mit folgenden Whale-Watching-Anbietern habe ich die Touren gemacht:

* Aqua Acores (von Lajes do Pico aus; mit Motoryacht)
* Futurismo (von Lajes do Pico aus; Speed-Boot)
* Pico Sport (von Madalena aus; Speed-Boot)

Alle Kontinente bereist

Ja, nun bin ich am Ende meines Berichts angelangt und eine tolle Wal-Reise liegt hinter mir. Bereits seit 1995 begebe ich mich immer wieder in die faszinierende Welt der Wale und Delfine. In diesen 17 Jahren bin ich auf allen Kontinenten – einschließlich der Antarktis – gewesen und konnte bis heute 20 verschiedene Wal- und Delfinarten in freier Wildbahn beobachten. Vom kleinen Schweinswal bis zum größten Lebewesen unseres Planeten, dem
Blauwal. Meine Faszination für die Meeressäuger ist ungebrochen und wenn dich erstmal dieser „Virus“ befallen hat, gibt es kein Entkommen mehr!

10 Kommentare

  1. Wow! Toller Beitrag. Ja, die Azoren sind einfach unglaublich schön – sowohl über als auch unter Wasser. Wir hatten das seltene Glück, mit Pottwalen vor Faial ins Wasser gehen zu dürfen – unbeschreiblich. Unsere Lieblingsinsel – inzwischen waren wir schon dreimal da – ist und bleibt Pico

    geschrieben von Reisen und Tauchen
  2. Ein toller Beitrag zu den Azoren – aber was sonst soll man zu den Azoren anderes schreiben. Tolle Landschaften und eine fantastische Biodiversität zu Wasser und zu Lande – einfach traumhaft. Ich war mehrere Male mit Pottwalen im Wasser, wer Interesse hat, findet hier den entsprechenden Bericht: http://www.tauchmagazin.com/weitere-tauchberichte/123-pottwale-der-azoren-teil-iii
    Viele Grüße, Jan

    geschrieben von Jan
  3. Hallo Frank, der Bericht gefällt mir! Wir hatten uns ja auch mit Doris kurz in Lajes kennen gelernt. Ich freue mich über jede/n Azoren-Fan und Wal-/Delfin-Begeistere/n Gast und bin bei der Planung und der Begleitung einer Reise nach Pico gern behilflich (www.tourbalance.de).
    LG/Silke

    geschrieben von Silke Matz
    1. Hallo Silke, das ist ja eine Überraschung hier von dir zu lesen. Freut mich, dass dir mein Bericht gefällt.
      Liebe Grüße nach Pico!
      Frank

      geschrieben von Frank Blache
  4. Toller Bericht Frank. Ich wäre aber besser mitgekommen :-) Gruß Jens

    geschrieben von Jens Röser
  5. Vielen Dank an die MEERESAKROBATEN für die Veröffentlichung!

    geschrieben von Frank Blache
  6. Guter Bericht, schön zu lesen. Aber so richtig beeindruckt hat mich die Rundkopf-Delfin-Aufnahme!

    geschrieben von Rüdiger
    1. Danke, Rüdiger – die habe ich ja auch mit der "60D" gemacht :-)

      geschrieben von Frank Blache
  7. Sehr schöner Bericht, Frank. Ich kann mich da nur anschließen. Die Azoren sind ein Eldorado für Walfans. Hier kann man die Meeressäuger in ihrem natürlichen Lebensraum sehen und selbst jedem sachunkundigen Gast wird beim Anblick der durchs Wasser jagenden Delfine klar, dass sie in einem Becken nicht artgerecht gehalten werden können.
    Schön war auch, dass wir zufällig zur selben Zeit auf Pico waren und sogar drei Ausfahrten gemeinsam machen konnten. Wir hatten viel Spaß beim Knipsen um die Wette.
    Wer noch mehr Fotos sehen möchte, kann gerne meinen Blog anklicken. Ich habe ihn im September live auf Pico geschrieben und damit den Reisebericht von 2011 fortgesetzt. http://doris-t.blog.de/

    geschrieben von Doris Thomas
    1. Ja, fand ich auch schön, dass wir zufällig zur selben Zeit auf Wal-Tour waren und wir uns auf Pico mal persönlich kennengelernt haben.

      geschrieben von Frank Blache

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