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Delfin-Leid weltweit


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MEERESAKROBATEN / 17. April 2013

Während quasi jeder „Huster“ eines Delfins, der in einem deutschen Delfinarium gehalten wird, für Schlagzeilen sorgt, bleibt das tatsächliche Leiden der Delfine in den Ozeanen von den Medien gänzlich unbeachtet.

Toter Delfin in Netz, LWL Münster  (Foto: Rüdiger Hengl)

Toter Delfin in Netz, LWL Münster
(Foto: Rüdiger Hengl)

Einmal abgesehen von den mehreren Hundertausend (!) Meeressäugern, die Jahr für Jahr der Fischerei zum Opfer fallen und als unerwünschter Beifang (unbemerkt von der Öffentlichkeit) auf den Meeresboden sinken, gibt es Delfin-Leid auch in weiteren Formen:

In manchen Küstenorten werden Delfine immer noch direkt bejagt. Hier dient das Fleisch der Meeressäuger als Nahrung für Menschen, selbst dann, wenn es hochgradig mit Schwermetallen belastet ist.

Delfine werden auch getötet, weil Fischer das Fleisch der Meeressäuger als Hai-Köder einsetzen.

Oder die Delfine werden „aus Tradition“ getötet, wobei es für die Jäger offenbar keine Rolle spielt, dass die Hightech-Jagdmethoden alles andere als traditionell sind …

Es werden immer wieder Fälle bekannt, in denen Delfine sterben, weil die Fischer mithilfe von Dynamit Jagd auf Fische machen.

Eine weitere Variante: Genervte Fischer erschießen Delfine, weil diese aus ihrer Sicht „Beute-Konkurrenten“ sind.

Unterschiedliche Lebensstandards

Bevor jemand den moralischen Finger erhebt, muss angemerkt werden, dass manche Völker lange nicht den Lebensstandard haben wie wir und auf Delfinfleisch als Nahrung angewiesen sind. Doch es gibt auch andere Fälle, in denen Delfine – trotz hohen Lebensstandards – aus heute nicht mehr zu rechtfertigenden Gründen gejagt werden.

Hier wird (noch) Jagd auf Delfine gemacht

* Taiji: Das japanische Fischerstädtchen (etwa 700 km südlich von Tokio) dürfte seit dem preisgekrönten Dokumentarfilm The Cove der wohl bekannteste Delfin-Schlachtort der Welt sein. Von hier liegen auch die verlässlichsten Tötungszahlen vor. Mehr dazu unter SOS – Japan und in der Datenbank von Ceta Base.

Grindwalfang auf den Färöer Inseln, LWL Münster (Foto: Rüdiger Hengl)

Grindwalfang auf den Färöer Inseln, LWL Münster (Foto: Rüdiger Hengl)

* Färöer Inseln: Die zu Dänemark gehörenden Inseln im Nordatlantik liegen zwischen Island, Norwegen und den Britischen Inseln. Auf den insgesamt 18 bewohnten Inseln werden bis heute pro Jahr „aus Tradition“ etwa 670 Grindwale (die auch zu den Delfinen gezählt werden) mit Lanzen und Eisenhaken getötet. Mehr dazu unter SOS – Färöer Inseln.

* Salomonen: Diese Inselgruppe liegt im Pazifischen Ozean. Die Jagd auf Delfine wird von den Insulanern seit mehreren Jahrhunderten betrieben. Vor allem Spinnerdelfine fallen den Jägern zum Opfer. Spinnerdelfine haben besonders viele Zähne, die für die Einwohner der Salomonen als wertvolles Tauschmittel dienen. Das Fleisch der Delfine wird von den Inselbewohnern gegessen. Pro Jahr werden 600 bis 1.500 Delfine geschlachtet. Zentrum der Massaker ist die Dorfgemeinde Fanalei im Süden der Insel Malaita. Rekordfang: Im Januar 2013 wurden 900 Delfine auf einmal getötet. Einige wenige Lebendfänge werden an Delfinarien verkauft.

* Peru: In Peru ist der Delfinfang offiziell verboten, aber etliche Fischerfamilien ernähren sich vom Fleisch der Meeressäuger. Der Delfin-Filmer Hardy Jones hat auf seinen Reisen an den Stränden Perus immer wieder die Schlachtabfälle von Delfinen gefunden. Das Fleisch von Delfinen wird außerdem als Köder für Haie verwendet. Aus diesem Grund sollen Jahr für Jahr mehrere Tausend Delfine (die Medien sprechen von bis zu 15.000 Delfinen jährlich) von Peruanischen Fischern getötet werden.

Spinnerdelfin/Midway/Hawaii (Foto: Brigitte Fugger)

Spinnerdelfin/Midway/Hawaii (Foto: Brigitte Fugger)

* Kroatien: Die ca. 200 Großen Tümmler, die in den Gewässern vor Kroatien leben, stehen unter Schutz. Doch immer wieder werden tote Tiere mit Schusswunden gefunden.

* Arktis und Subarktis: Die Ureinwohner haben Belugas (auch Weißwale genannt) und Narwale (beide gehören zu den Delfinartigen) auf dem Speisezettel. Während die Inuit bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts alles vom Wal verwerteten – Knochen, Sehnen und Fasern für Haus-, Schlitten-, Boots- und Werkzeugbau, Haut und Eingeweide als Abdeckungs- und Verpackungsmaterial, Fleisch und Speck (Tran) als Nahrungsmittel für Mensch und Schlittenhund und als Energielieferant (Brennmaterial) –, hat sich dies inzwischen grundlegend geändert. Heute ist der Weißwal für sie vor allem als Lieferant des als besondere Delikatesse geltenden Maktaaq, der Walhaut mit der unter der Oberhaut gelegenen Speckschicht (Blubber, Schwarte), von Bedeutung. Außerdem verwenden sie die geeigneten Teile des Wals als Futter für Schlittenhunde. (Quelle: Wikipedia)

* Golf von Mexiko: Auch hier werden immer wieder tote Delfine mit Schuss-Spuren gefunden.
(Quelle: U.a. Wikipedia.org)

Beluga (Foto: Ulrike Germeshausen (&#10013)

Beluga (Foto: Ulrike Germeshausen (&#10013)

Zoos verurteilen Delfin-Fang

Können bzw. sollen wir uns einmischen? In manchen Fällen ja. So verurteilen zum Beispiel die der WAZA (World Association of Zoos and Aquariums) angeschlossenen Zoos den sogenannten Dolphin Drive in Taiji aufs Schärfste. Auch auf den Websites der beiden Tiergärten Duisburg und Nürnberg findet man Stellungnahmen, in denen sich die Zoo-Direktoren gegen den Delfinfang in Taiji aussprechen.

Die WAZA fordert alle Zoos auf, keine Delfine aus Taiji zu beziehen. Dazu muss man wissen, dass auch immer wieder Lebendfänge an diverse Vergnügungsstätten vor allem in Asien verkauft werden.

Da der Delfinschutz in Deutschland einen hohen Stellenwert einnimmt, wird hier kein Tier aus Delfinfang-Ländern eingeführt (außerdem wurden in den letzten 20 Jahren sowieso keine Wildfänge mehr importiert). Das ist auch gar nicht nötig, da mittlerweile zwei Drittel der Tiere Nachzuchten sind.

Seriöse Delfinschutzgesellschaften

Helfen kann jeder, wenn er seriöse (!) Delfinschutzgesellschaften unterstützt. Seriös bezeichne ich diejenigen Organisationen, die sich mit Delfinen auskennen und über die tatsächlichen Bedrohungen dieser Tiere informieren. Organisationen, die in populistische Meldungen über die beiden deutschen Delfinarien verfallen und mit ihrer Forderung, die 14 in Deutschland gehaltenen Großen Tümmler (Stand: Juni 2017) einem unbekannten Schicksal zu überlassen, nur Schaden anrichten, kann ich nicht empfehlen.

La-Plata-Delfin (Foto: Dr. Lorenzo von Fersen)

La-Plata-Delfin (Foto: Dr. Lorenzo von Fersen)

Yaqu Pacha ist zum Beispiel eine empfehlenswerte Organisation, die Delfinschutz vor Ort – das heißt in diesem Fall Südamerika – betreibt.

Der Vorsitzende der Organisation – Dr. Lorenzo von Fersen – ist gebürtiger Argentinier. Er lebt seit vielen Jahren in Deutschland, wo er im Tiergarten Nürnberg als Artenschutzbeauftragter arbeitet. Der Delfin-Experte weiß, wo Not am Mann ist und leitet die Spendengelder an die richtige Stelle. Sie fließen in die Bildungsarbeit in Südamerika, in Fischer-Projekte, in Populationsstudien über den stark bedrohten La-Plata-Delfin, in Schutzprojekte für lokale Delfin-Populationen und, und, und …

Was jeder Einzelne tun kann

Last but not least kann man als Tourist in den entsprechenden Ländern seine Meinung in Gesprächen mit Einheimischen einbringen. Ein freundschaftliches, aber offenes Gespräch kann Wunder bewirken.

Tourismuszentren beispielsweise auf den Salomonen sind Malaita, Makira, Isabel und viele andere. Du kannst auch dem Botschafter der Salomonen Herrn Joseph Ma’ahanua (Botschaft Salomonen in Brüssel) ein Schreiben senden, in dem du dein Bedauern/Entsetzen über das Schlachten von Delfinen ausdrückst.

Die Konsulate bieten auch Foren an, in denen du deine Meinung kundtun oder Fragen stellen kannst. Beispiel Färöer Inseln.

Was du sonst noch für die Delfine tun kannst, erfährst du unter der Rubrik SOS.

Getötete Grindwale auf den Färöer Inseln (Foto: Project Blue Sea)

Getötete Grindwale auf den Färöer Inseln (Foto: Project Blue Sea)

Auf aggressive Handlungen folgen aggressive Gegenreaktionen

Überhaupt ist der individuelle Einsatz für die Delfine oft mehr wert als anonyme Massenmails, die zu Trotzreaktionen der Walfang-Länder führen können.

Hierzu ein Zitat des Schweizer Journalisten und Delfin-Schützers Hans Peter Roth, der sich mit Einwohnern der Färöer Inseln unterhalten hat: „Wenig Erfolg bringen unserer Meinung nach aggressiv-konfrontative Strategien von extremeren Tier- und Artenschutzorganisationen, auch wenn diese gut gemeint sind und andernorts teilweise Wirkung zeigen mögen. Hier könnten sie sogar das Gegenteil erreichen: eine sture Gegenreaktion der Einheimischen, die sich dann solidarisieren und sagen mögen: „Jetzt hören wir erst recht nicht auf“.“

Nach meinen Beobachtungen wurden in letzter Zeit umso mehr Delfine getötet, umso mehr Massenproteste losgetreten oder Versprechungen von Delfinschutz-Organisationen nicht eingehalten wurden (Beispiele Taiji, Färöer Inseln, Salomonen).

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