Berichte

Jungforscher auf den Azoren


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Gastbeitrag von Alenya Hintzen, 3. August 2014

Um ehrlich zu sein, habe ich vor dieser Forschungsreise noch nie von der IJM-Organisation oder dem Master-MINT-Programm gehört. Jetzt weiß ich, dass es sich dabei um eine Organisation handelt, welche schulergänzende Bildungsprogramme anbietet.

Finnwal mit Whale-Watcher (Foto: Roland Edler)

Finnwal mit Whale-Watcher
(Foto: Roland Edler)

Vorgestellt wurde mir das Angebot zunächst im Unterricht meines Biologie-Leistungskurses, da die IJM-Stiftung jedes Jahr aus ihrem Spendenfond einigen Schülern eine Förderung zukommen lässt.

Nun war meine Schule, das St.-Antonius-Gymnasium in Lüdinghausen, an der Reihe und mich hat die Beschreibung dieser Forschungsexpedition sowohl direkt angesprochen, als auch stark genug interessiert, um mich tatsächlich anzumelden.

Nach der Aufnahmebestätigung seitens der IJM-Stiftung ging es am 22. Juni 2014 los.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch immer keine genaue Vorstellung von dem, was ich mir unter einer Forschungsreise vorstellen könnte. Dies sollte sich jedoch schnell ändern, als am Flughafen von Lissabon während eines Zwischenaufenthalts von 9 Stunden gemeinsam die einzelnen Gruppen und deren Zielsetzungen erarbeitet wurden.

Dass sich jene Aktion bis spät in die Nacht hinzog, zeigte mir bereits, dass sich die Lehrer an meiner Schule keine Sorgen machen müssten, ich würde hier nur auf der faulen Haut liegen.

Viele Themenbereiche

Bei den soeben angesprochenen Gruppen handelt es sich jedenfalls um die Themenbereiche Delfine / Wale, Geologie / Klima / Vulkane, Mensch / Kultur / Sprache, Wirtschaft / Infrastruktur und Fauna / Flora. Bei alldem haben wir uns untereinander bereits gut kennengelernt, was für eine Nacht auf einem auswärtigen Flughafen keine schlechte Grundvoraussetzung ist.

Unterricht an Bord (Foto: Roland Edler)

Unterricht an Bord
(Foto: Roland Edler)

Delfine und Wale

Auf Pico angekommen, wurde den Zielen jeden Tag in anderen Konstellationen von Mitgliedern nachgegangen, damit am Ende jeder Teilnehmer mindestens einmal in allen Themenbereichen gearbeitet hat.

Mich persönlich hat die Arbeit in dem Team „Delfine und Wale“ am meisten begeistert, denn es ist erstaunlich, wie viele Daten allein durch Beobachtung gesammelt werden können.

Dafür hatte sich das gesamte Forschungsteam bei der Zielsetzung auf folgende Aspekte festgelegt:
1. Walart, 2. Größe, 3. Farbe, 4. Anzahl der Tiere (Alt- und Jungtiere), 5. Atemfrequenzen (Alt- und Jungtiere), 6. Geschwindigkeiten (Alt- und Jungtiere), 7. Verhaltensauffälligkeiten.

Delfin-Experte aus Duisburg begleitete die Forschung

Für diese Art von Forschung standen uns folgende Hilfsmittel zur Verfügung: ein GPS-Gerät, Über- und Unterwasser(video)kameras, sowie Hydrophone.

Für die meisten Aspekte war eine gute Beobachtungsgabe sowie meist unerschütterliche Geduld gefragt. Jedoch hatten wir zudem mit Roland Edler sowohl einen Experten auf diesem Gebiet, als auch in Folge dessen eine enorme Unterstützung mit an Bord, denn er arbeitet als Tierpfleger im Delfinarium des Duisburger Zoos und ist somit ein Fachmann, wenn es um Delfine und Wale geht. Er war es, der uns weitestgehend für den Umgang mit den Tieren sensibilisierte und unsere Forschungen auf dem Wasser begleitet hat.

Rundkopfdelfin (Foto: Roland Edler)

Rundkopfdelfin
(Foto: Roland Edler)

Gemeine Delfine (Foto: Roland Edler)

Gemeine Delfine
(Foto: Roland Edler)

Sowerby-Zweizahnwale (Foto: Roland Edler)

Sowerby-Zweizahnwale
(Foto: Roland Edler)

Großer Pottwalbulle (Foto: Roland Edler)

Großer Pottwalbulle
(Foto: Roland Edler)

Rundkopfdelfin

Ein Beispiel für die Auswertung unserer gesammelten Daten werde ich nun anhand der Art Rundkopfdelfin darlegen: Nach mehreren Beobachtungen haben wir die Messwerte zusammengelegt, um einen Durchschnittswert zu ermitteln. Dabei wurde herausgefunden, dass es sich bei dieser Delfinart um etwa zwei bis fünf Meter große Tiere handelt, die eine grau-weiße Färbung aufweisen. Außerdem sind auf Rücken und Finne zwar grundsätzlich verheilte, aber deutlich sichtbare Kratzspuren und Narben zu erkennen.

Charakteristisch und namensgebend ist bei den Rundkopfdelfinen darüber hinaus der abgerundete Schädel. Aufgetaucht sind diese Delfine meist in Gruppen von mehreren Tieren mit einer durchschnittlichen Atemfrequenz von 24 Sekunden, wobei außerdem das gemeinsame Luftholen von Mutter und Kalb mit einer Atemfrequenz von 13 Sekunden ins Auge gestochen ist.

Weitere Verhaltensauffälligkeiten waren das Wellenreiten, sowie gelegentliche Sprünge aus dem Wasser, bei denen die Fluken gezeigt wurden. Die Durchschnittsgeschwindigkeit dabei beträgt ungefähr sieben bis neun Kilometer pro Stunde.

Elf Arten wurden gesichtet

Nach diesem Schema wurden alle elf gesichteten Arten in einem Katalog dokumentiert, darunter die Rundkopfdelfine, Fleckendelfine, Gemeine Delfine, Streifendelfine, Große Tümmler, Pottwale, Buckelwale, Seiwale, Finnwale, und Grindwale.

Sowerby-Zweizahnwal (Foto: Roland Edler)

Sowerby-Zweizahnwal
(Foto: Roland Edler)

Zu den außergewöhnlichen Sichtungen wie die einiger Schnabelwale, hatten wir außerdem das Glück, Lederschildkröten und Mondfische in ihrem natürlichen Lebensraum zu erleben.

Zwei Unterarten bei den Buckelwalen

Bei den Ausfahrten ist vor allem bei den Buckelwalen eine durchaus zu erwähnende Besonderheit aufgetreten, denn es wurden zwei verschiedene Unterarten ausfindig gemacht. Genauer gesagt wurde bei unterschiedlichen Ausfahrten zum einen ein Tier aus der nördlichen und zum anderen eines aus der südlichen Hemisphäre angetroffen.

Letzteres ist in den Gewässern rund um die Azoreninseln eine Seltenheit. Erkennbar sind Buckelwale aus südlichen Regionen an ihrer pechschwarzen Fluke, während im Unterschied dazu die wesentlich häufiger vorkommenden Verwandten aus dem Norden hellere bis weiße Flecken auf der Unterseite dieser aufweisen.

Dies ist natürlich nur eine von vielen Beobachtungen, welche innerhalb dieser zwölf Tage gemacht wurden, jedoch ist es schier unmöglich, jede einzelne ausführlich zu beschreiben.

Trotz großer Anstrengungen glücklich

Dabei hört sich die „Stellenbeschreibung“ als Wal- und Delfinforscher auf der Azoreninsel Pico tatsächlich nicht nach der Arbeit an, die wirklich dahinter steckt.

Bartenwal (Foot: Roland Edler)

Bartenwal
(Foot: Roland Edler)

Jedoch bereue ich keinen einzigen Tag der bis an die Grenzen gehenden Anstrengungen, keine einzige der verlorenen Stunden Schlaf und keine einzige der Minuten voll mit Hektik und Stress. Denn es sind die Sekunden, die hier wirklich zählen und die ich einfach nur genossen habe.

Solche Momente, in denen Delfine nur etwa fünf Meter neben einem schwimmen, in denen man nach einem fünf-stündigen Aufstieg auf den Pico einfach nur durchatmen und die Aussicht genießen kann, in denen man für sich selbst das Gefühl hat, etwas Wichtiges zu der Forschung beigetragen zu haben – diese Liste könnte ich unendlich weit fortführen – sind atemberaubend.

All diese Eindrücke sind für sich ganz besonders und ich werde die Erlebnisse, sowie auch die Menschen, die ich hier kennenlernen durfte, niemals vergessen. Diese zwölf Tage würde ich unter allen Umständen als eine Lebenserfahrung bezeichnen, die sich gelohnt hat, und ich danke der IJM-Stiftung und dem Duisburger Zoo dafür.

Lesetipps zum Thema

* Mit Tierpfleger Edler auf Delfintour
* Wale und Delfine mitten im Atlantischen Ozean
* Nachwuchs für die Wissenschaften

2 Kommentare

  1. Ich hab das große Plakat, dass für das Projekt warb, bei uns im Aquarium gesehen und hab mir gedacht: Tolle Sache. Da sag nocheinmal jemand, Zoos würden nur ihre eigenen Süppchen kochen und für Umweltbildung oder Artenschutz außerhalb ihrer Mauern (oder Maschendrahtzäune) nichts tun.
    Schade, dass das hier so zögerlich kommuniziert wird.

    geschrieben von Dani
  2. Schöner und interessanter Bericht, Alenya!
    Ich kann deine Erlebnisse gut nachempfinden, da ich vor zwei Jahren ebenfalls auf den
    Azoren (Pico) war. Eine tolle Sache von der IJM-Stiftung und des Duisburger Zoos.

    geschrieben von Frank Blache

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