Färöer Inseln

Alternativen

Statt das Blutbad zu feiern, das Jahr für Jahr in verschiedenen Buchten der Färöer-Inseln das Meer rot färbt, sollten die Inselbewohner dazu übergehen, sich an den lebenden Tieren zu erfreuen.

Abtauchender Grindwal (Foto: Rüdiger Hengl)

Abtauchender Grindwal
(Foto: Rüdiger Hengl)

Zum Glück denken auch immer mehr Insulaner, dass die Grindwale nicht gejagt werden dürfen. So haben Färinger eine Website eingerichtet, die über die Grindwale informieren. Dazu gibt es wunderschöne Bilder von diesen Tieren.

Da das Interesse an Whale-Watching-Touren weltweit immer größer wird, könnten auch die Färinger von der Wal-Beobachtung profitieren. Es gibt bereits einige Whale-Watching-Touren seit Sommer 1996. Neben den Grindwalen können von Juni bis August auch andere Walarten beobachtet werden – darunter der Weißseiten– und der Weißschnauzendelfin.

In den Gewässern um die Färöer-Inseln werden auch regelmäßig Pottwale, Zwergwale, Orcas und von Zeit zu Zeit sogar Finnwale und Blauwale gesichtet.

(Quellen bis hierhin: „Das Grindwal-Massaker auf den Färöer-Inseln“, Ein Bericht der ASMS (heute OceanCare), geschrieben und recherchiert von Sigrid E. Lüber; Project Blue Sea; Sea Shepherd Conservation Society; „Jagd auf Giftfleisch“, Frankfurter Rundschau)

Horror und Hoffnung

Der Journalist Hans Peter Roth war im Sommer 2011 auf den Färöer Inseln. Er hat dort zwar keine Grindwal-Tötung miterlebt, aber er hat mit mehreren Einwohnern gesprochen und war über deren Meinung zum Teil erfreut, zum Teil schockiert. Mehr dazu unter Horror und Hoffnung – die Färöer Inseln.

Auftauchender Pottwal (Foto: Sonja Portenier)

Auftauchender Pottwal (Foto: Sonja Portenier)

Shitstorm bewirkt das Gegenteil

2013 besuchten Hans Peter Roth und Sasha Abdolmajid die Färöer Inseln. Sie brachten die gute Nachricht mit, dass immer mehr Insulaner gegen den Grindwalfang sind (siehe hierzu auch MEERESAKROBATEN-Beitrag Walfang und Walbeobachtung auf den Färöer Inseln).

Die uralte Tradition kann nur von den Bewohnern der Färöer Inseln selbst beendet werden, auf gar keinen Fall durch Shitstorm im Internet, mit dem ein ganzes Volk auf übelste Weise diskreditiert wird.

Beschimpfungen im Internet haben unter Umständen zur Folge, dass sich Walfangbefürworter und Walfanggegner zusammentun, um eine Mauer gegen die Hasstiraden aus dem Ausland zu bilden. Dadurch werden nicht weniger, sondern mehr Grindwale getötet.

Vor allem Teenager, die sich noch in der Selbstfindungs- und Auflehnungsphase befinden, reagieren auf Hasstiraden aus dem Ausland aggressiv. So berichtet ein Färöer, wie er als Teenager zum Walfang kam: „Ich stamme eigentlich aus einer Familie, die keinen Walfang betrieben hat. Aber die Aktivisten aus dem Ausland machten mich zum Walfänger. Als ich das erste Mal dabei war, merkte ich, wie aufregend die Jagd war. Ich konnte meine ganze Wut gegen die Hasstiraden aus dem Ausland beim Walfang abreagieren.“

Grindwal-Gruppe im Mittelmeer (Foto: Rivieraline)

Grindwal-Gruppe im Mittelmeer (Foto: Rivieraline)

Auch blinder Aktionismus bringt nichts

Auch unüberlegte Aktionen – wie das Aussetzen von akustischen Stör-Geräten, welche die Grindwale von der Küste fernhalten sollen – bringen nichts, da deren Wirkung in keinster Weise getestet oder bewiesen wurde. Siehe dazu den MEERESAKROBATEN-Beitrag Warum die Pinger-Aktion von Pro Wal nichts bringt.

Tourismus muss angekurbelt werden

Meiner Meinung ist den Grindwalen und anderen Zahnwale am meisten gedient, wenn der Tourismus auf den wunderschönen Inseln angekurbelt wird.

Manche Kreuzfahrtschiffe – wie z.B. die AIDA oder die MS DELPHIN – fahren heute schon die Inseln an, um ihren Gästen die herrliche Natur dieser Inseln erleben zu lassen. Auch gibt es Bestrebungen, das Whale-Watching-Angebot auszubauen. Die ortstreue Orca-Population ist heute schon ein lohnendes Reiseziel.

Außerdem finde ich es wichtig, den Färingern (sei es der Regierung, sei es dem Konsulat) mitzuteilen, dass man gegen den Grindwalfang eingestellt ist, aber gerne Fauna und Flora des Archipels sowie die sprichwörtliche Gastfreundschaft der Insulaner genießen möchte. Wenn dies alles in einem höflich abgefassten Brief geschieht, kann man wirklich darauf hoffen, dass der Grindwalfang auf den Färöern bald der Vergangenheit angehören wird.

Adressen

Königlich Dänische Botschaft
Botschafter Per Poulsen-Hansen
Rauchstraße 1
10787 Berlin
Deutschland
Tel.: +49 (30) 5050 2000
Fax: +49 (30) 5050 2050

Sowerby-Zweizahnwal auf Briefmarke der Färöer Inseln (Quelle: Wikipedia)

Sowerby-Zweizahnwal auf Briefmarke der Färöer Inseln (Quelle: Wikipedia)

Løgmansskrivstovan, Prime Minister’s Office
Kaj Leo Johannesen
Tinganes, Postrúm 64
110 Tórshavn
Faroe Islands
Tel.: +298 306000
Fax: +298 306015

Statsministeriet, The Prime Minister’s Office
Prime Minister Helle Thorning-Schmidt
Christiansborg, Prins Jørgens Gård 11
1218 Copenhagen K
Denmark
Tel.: +45 33 92 33 00
Fax: +45 33 11 16 65

Seit 1. Mai 2015 müssen Walfänger Lizenz erwerben

Seit 1. Mai 2015 gibt es eine Änderung im Grindwalfang. In Kursen müssen die Walfänger ab sofort u.a. lernen, mit welchen Werkzeugen sie die Tiere töten dürfen und wie man den Tod der Meeressäuger feststellt. Nur wer einen Kurs belegt hat, darf sich in Zukunft an der Grindwaljagd beteiligen. Siehe dazu auch den MEERESAKROBATEN-Artikel vom 1. August 2013.

Neue Website zum Grindwalfang

Auf einer neuen Homepage namens Whaling.fo (Whales and Whaling in the Faroe Island) erklären die Färinger, warum sie Grindwale töten und seit wann sie das tun, aber auch dass die Tiere mit Umweltgiften belastet sind.

Den letzten Punkt nehmen sie zum Anlass, an die Weltgemeinschaft zu appellieren, die Meere – die unser gemeinsames Erbe sind – zu schützen, damit sie nicht durch Müll, Giftstoffe und nicht nachhaltige Fischerei eines Tages ausgeplündert und verseucht sind.

Aktuelle Meeresakrobaten-Beiträge zur Grindwal-Schlachtung bekommst du unter Färöer Inseln.

Auf der Färöer Website Heimabeiti kannst du sehen, wie viele Grindwale und andere Delfine seit 1584 gefangen wurden.

Dozent macht sich Gedanken über die Grindwal-Jagd

Den äußerst lesenswerten Kommentar eines Hochschul-Dozenten findest du hier.

6 Kommentare

  1. Eine Schande für die Europäische Union und für Dänemark! – Aber offenbar sind Glühlampenverbote immer noch leichter durchzusetzen, als die Beendigung barbarischer Traditionen.
    Dabei hat es selbst Spanien inzwischen geschafft, auf die Stierkämpfe (hier kamen Zuchttiere ums Leben!) zu verzichten.
    Wieso kann man dann nicht endlich auch die Grindwal-Abschlachtungen im Mülleimer der Geschichte versenken ??

    Wäre doch mal ein lohnendes Betätigungsfeld für die ganzen "Tierrechts-Aktivisten"!

    geschrieben von Norbert
  2. Soviel Grausamkeit raubt mir den Atem, beendet dieses nutzlose Treiben verrohter Menschen.

    geschrieben von Duplosconradi
  3. Hallo,
    Ich wollte fragen ob es einen Beruf gibt bei dem man Delfine nicht einspert wie in delfinarien sodern so etwas wie eine Reha (Reha Zentern für delfine) nur für meeressäuger. Da geht es ja darum diese Tiere gesund zu pflegen und dann auszuwildern. GIbt es soetwas, oder eine Internetseite wo infos über solch ein beruf stehen?
    Danke

    geschrieben von KerenKoch
    1. In Harderwijk/Niederlande werden Schweinswale gesund gepflegt und anschließend ausgewildert (hier der Link zum Delfinarium und Reha-Center :http://www.dolfinarium.nl/). Siehe dazu auch meinen Artikel http://www.meeresakrobaten.de/2011/10/sos-station
      Auch in Vancouver/Kanada gibt es eine Reha- und Auswilderungsstation. Hiervon habe ich auch den Link: http://www.vanaqua.org/act/direct-action/marine-m
      Es gibt natürlich noch viel mehr. Musst einfach mal googeln, dann findest du bestimmt, was du willst.
      Was den Beruf angeht, so denke ich, dass in den Reha-Stationen viele Praktikanten und Freiwillige arbeiten, außerdem Tierpfleger und Tierärzte.

      geschrieben von Susanne
    2. leider weden nicht alle, nachdem sie gesundgepflegt werden, wieder in die freiheit entlassen, sondern zu show-zwecken an delfinarien weitergegeben (z.b. orca "morgen" von harderwijk). da wildfänge für diese zwecke eigentlich tabu sind, werden die vorschriften so umgangen. wahrscheinlich spielen interne abmachungen, wie hohen spenden an pflegestationen etc. eine rolle.

      geschrieben von Pipa
      1. Das ist richtig, Pipa. Aber dabei handelt es sich um Tiere, die ohne Gruppe gefunden wurden oder die stark verletzt oder so beeinträchtigt waren, dass sie im Meer nicht überleben können (Stichwort: der Große Tümmler "Winter"). Morgan – das Orca-Weibchen – wurde in der Nordsee bei den Niederlanden gefunden und in Harderwijk aufgepäppelt. Sie war untergewichtig. Aus irgendeinem Grund, den keiner weiß, war sie allein, ohne Gruppe. Was du da schreibst, ist unbewiesen und reine Spekulation. Kennst du dich so genau aus, dass du so sicher behaupten kannst, dass Vorschriften umgangen wurden? Ich finde es nicht gut, seine eigene Meinung als bewiesene Tatsache in die Welt zu setzen … Harderwijk hat sich ganz bestimmt nicht darum gerissen, statt eines Wildfangs ein gestrandetes Tier aufzunehmen, wie du vermutest. H. hat für Orcas gar keine Becken, die groß genug sind. Schon x Mal wurden in H. Schweinswale gesund gepflegt und wieder ausgewildert. Das von dir in die Welt gesetzte "Für Show-Zwecke an Delfinarien weitergegeben"-Gerürcht greift einfach nicht.

        geschrieben von Susanne

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