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Wenn Delfin-Beobachtung zum Trauerspiel wird


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Meeresakrobaten, 22. September 2013

Immer mehr Touristen fahren hinaus zu den Walen und Delfinen, um die Tiere in deren Lebensraum zu beobachten und sie zu fotografieren.

Gemeine Delfine begleiten ein Segelboot (Foto: Rüdiger Hengl)

Gemeine Delfine begleiten ein Segelboot (Foto: Rüdiger Hengl)

Es entstehen meist spektakuläre Aufnahmen von springenden und surfenden Delfinen oder von Walen, die ihren gigantischen Körper aus dem Wasser wälzen und mächtige Fontänen in die Luft blasen.

Doch es gibt auch immer mehr Bilder von Walen und Delfinen, deren Körper leblos am Strand liegen – zum Teil schon in verwestem Zustand.

Weltweit vermehrtes Delfin-Sterben

In Irland wurde in diesem Jahr – wie in anderen Teilen der Erde auch – ein vermehrtes Delfin-Sterben beobachtet.

Die weiter unten eingestellten Bilder von einem toten Delfin stammen von einer Touristin, die erst vor kurzem aus Irland zurückkam und den MEERESAKROBATEN ihre Fotos zur Verfügung gestellt hat.

Den Delfin entdeckte sie am 1. September 2013 in Waterville/Ring of Kerry/Westirland.

Eine Anfrage bei der IWDG (Irish Whale and Dolphin Group) ergab, dass es sich bei dem Tier um einen Gemeinen Delfin handelt. Da sein Körper schon sehr verwest war, kann man die typische Sanduhrzeichnung, die ein sicheres Identifizierungsmerkmal für diese Art ist, nicht mehr erkennen.

Sterbender Finnwal

Im letzten Jahr befand ich mich an derselben Stelle wie die Fotografin. Unweit vom Fundort entfernt, breitet sich der wunderschöne Glenbeigh-Strand aus, der einen an Fernweh, Meeresrauschen und Erholung denken lässt.

Düstere Wolken hängen über dem Meer (Foto: S. Gugeler)

Düstere Wolken hängen über dem Meer (Foto: S. Gugeler)

Dass sich draußen im Ozean für viele Tiere Entsetzliches abspielt, daran denkt man im Urlaub nicht. Doch auch ich wurde 2012 mit der manchmal brutalen Realität konfrontiert, als ich unter mir am Kai einen sterbenden Finnwal betrauerte. Mehr dazu in meinem Beitrag Quicklebendige Delfine und ein sterbender Wal.

Die Spitze eines Eisbergs

Bereits Anfang des Jahres meldete die IWDG ungewöhnlich viele gestrandete Delfine an den Küsten Irlands. Alle Tiere waren bereits tot, als man sie fand.

Zwischen dem 30. Januar und dem 8. Februar 2013 strandeten mindestens 21 Gemeine Delfine an verschiedenen Küstenabschnitten. Im Vergleich dazu strandeten 2012 im selben Zeitraum zwei Gemeine Delfine, 2011 waren es vier und 2010 wurde kein gestrandeter Gemeiner Delfin zwischen Ende Januar und Anfang Februar gefunden.

Man muss davon ausgehen, dass es sich bei den entdeckten Tieren nur um die Spitze eines Eisbergs handelt. Die meisten kranken oder verletzten Meeressäuger sterben auf hoher See und sinken – für den Touristen unsichtbar – auf den Meeresboden.

Die Irish Whale and Dolphin Group hat eine Aufstellung über die Strandungen zwischen 2010 und 2013 gemacht.

2012 war ein Rekordjahr

2012 war offenbar ein Rekordjahr, was Wal- und Delfin-Strandungen angeht. Insgesamt wurden 175 tote Meeressäuger gemeldet. Anfang September 2013 (das sind also noch fast vier Monate hin bis zum Ende des Jahres) wurden bereits 157 tote Wale und Delfine registriert. Bis Anfang September 2012 waren es 128 Tiere, die tot an den Küsten Irlands gefunden wurden. 2011 waren es im gleichen Zeitraum 98 und 2010 53 Tiere. Das heißt die Anzahl der angeschwemmten Wale und Delfine stieg 2013 im Vergleich zum Rekordstrandungsjahr 2012 um 25 Prozent, im Vergleich zu 2011 sogar um 60 Prozent.

Gestrandeter Delfin in Waterville/Irland (Foto: H.W.)

Gestrandeter Delfin in Waterville/Irland
(Foto: H.W.)

Todfund in Waterville/Westirland (Foto: H.W.)

Todfund in Waterville/Westirland
(Foto: H.W.)

Auch einige Lebendstrandungen wurden gemeldet. Bis zum September 2013: 19, 2012: 15, 2011: 8 und 2010: 12.

Bei den meisten gemeldeten Tieren handelte es sich um Gemeine Delfine. Auch hierzu eine Aufstellung der Irish Whale and Dolphin Group:
* Gemeine Delfine:
– 2010:10
– 2011: 35
– 2012: 35
– 2013 ( bis September): 55

* Schweinswale:
– 2010: 16
– 2011: 20
– 2012: 35
– 2013 (bis September): 32

Gemeiner Delfin auf La Gomera (Foto: Sunny McDrive)

Gemeiner Delfin (Foto: Sunny McDrive)

Glenbeigh-Strand am Ring of Kerry (Foto: Rüdiger Hengl)

Glenbeigh-Strand am Ring of Kerry (Foto: Rüdiger Hengl)

* Grindwale:
– 2010: 1
– 2011: 8
– 2012: 18
– 2013 (bis September): 18

* Große Tümmler:
– 2010: 0
– 2011: 4
– 2012: 10
– 2013 (bis September): 7

Alle Arten sind betroffen

Laut der IWDG ist es merkwürdig, dass sowohl die Zahl der Todfunde als auch der Lebendstrandungen zunimmt. Außerdem ist auffallend, dass von den steigenden Strandungszahlen alle Zahnwale betroffen sind. Warum die Tiere starben, ist im Einzelnen nicht bekannt.

Was tun, wenn man ein gestrandetes Tier findet?

Was ist zu tun, wenn man einen gestrandeten Wal oder Delfin findet? Die Irish Whale and Dolphin Group (IWDG) hat dafür folgende Richtlinien veröffentlicht.

1. Ein Wal oder Delfin hat ganz andere Atemintervalle als ein Mensch. Es kann also durchaus vorkommen, dass ein gestrandeter Pottwal erst nach 20 Minuten, nachdem er entdeckt und eventuell für tot erklärt wurde, einen Atemzug tut. Gemeine Delfine und Schweinswale atmen 2 bis 5 Mal pro Minute, Grindwale etwa 1 Mal pro Minute.

Blick aufs Meer (Foto: Susanne Gugeler)

Blick aufs Meer (Foto: Susanne Gugeler)

2. Bei großen Walen sollte man den Augenlidreflex testen. Dazu einen leichten Druck aufs Augenlid (nicht aufs Auge direkt!) ausüben. Wenn das Lid zuckt, dann lebt der Wal noch.

3. Ein totes oder noch lebendes Tier bitte sofort an die IWDG melden. Dazu gibt es spezielle Meldeformulare. Von dort aus wird eine Untersuchung des Kadavers veranlasst oder aber eine Rettung eingeleitet.

4. Bei Lebendstrandungen ist zu beachten, dass Delfine durchaus eine Weile außerhalb des Wassers überleben können. Es ist in vielen Fällen sogar besser, sie erst einmal gründlich außerhalb des Wassers zu untersuchen, bevor man sie ins Meer zurückbringt. Deshalb immer professionelle Hilfe holen und den Delfin nicht eigenmächtig ins Wasser ziehen. Schon gar nicht am Schwanz! Durch heftige Schwanzbewegungen kann ein Delfin seinen Retter verletzen.

5. Ganz wichtig bei Lebendstrandungen ist es, das Tier in eine stabile Lage zu bringen, sodass es ungehindert atmen kann. Außerdem muss unbedingt Stress vermieden werden. Hilfreich ist z.B., wenn man unter den Brustflossen (Flipper) Löcher gräbt, damit der Delfin nicht zur Seite wegkippt.

6. Der Delfin (oder Wal) muss immer feucht gehalten werden. Dazu eignen sich in Meerwasser getunkte Handtücher oder T-Shirts, mit denen der Körper des Tieres bedeckt wird. ACHTUNG! Nicht das Blasloch bedecken. Das Blasloch frei von Wasser oder Sand halten.

7. Bei starker Sonneneinstrahlung einen provisorischen Sonnenschutz (z.B. mit einer Plane) errichten. Bei kaltem oder windigem Wetter einen Windschutz aufstellen.

Irland (Foto: Susanne Gugeler)

Irland (Foto: Susanne Gugeler)

8. Stets von der Schwanzflosse (Fluke) fernhalten. Ein aufgeregter Delfin kann mit der Fluke gefährliche Schläge austeilen.

9. Das gestrandete Tier so wenig wie möglich berühren. Am besten Handschuhe anziehen. Nicht den Blas des Wales oder Delfins einatmen.

10. Jeglichen Lärm vermeiden und um das gestrandete Tier eine Barrikade errichten, damit Schaulustige dem Meeressäuger nicht zu nahe kommen können.

11. So schnell wie möglich die Polizei und/oder die Wasserwacht einschalten.

Die IWDG bittet, folgende Experten anzurufen, wenn ein gestrandetes Tier gefunden wurde

* Für die Nordküste Irlands: Jim Allen
Tel: 048 7034 7282

* Für die Ostküste Irlands: Dave Wall
Tel: 087 2977931

* Für die Südküste Irlands: Dr. Emer Rogan
Tel: 087 699 5314
und Padraig Whooley
Tel: 086 3850568

* Für die Westküste Irlands: Dr. Simon Berrow
Tel: 086 8545450

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