Sind Fledermäuse und Delfine miteinander verwandt?


Obwohl beide Säugetierarten in völlig verschiedenen Welten zu Hause sind, haben sie im Innenohr identische Härchen. Diese dienen zur Schallaufnahme und -verstärkung. Für den Bau dieser „Hör-Härchen“ ist das Gen Prestin verantwortlich. Bei Fledermäusen und Delfinen hat es exakt die gleiche Evolution (Entwicklungsgeschichte) durchlaufen. Das hat zumindest der Wissenschaftler Jianzhi Zhang (University of Michigan) zusammen mit seinem Team herausgefunden.

Prestin steuert ein Eiweißmolekül, das in den Haarzellen des Innenohrs vorkommt und diesen hilft, als Reaktion auf eine Schallwelle zu vibrieren. Es funktioniert wie eine Art Verstärker.

Wie man bei spiegel-online nachlesen kann, ähnelt sich der Prestin-Aufbau bei Delfinen und Fledermäusen so stark, dass sie in einem auf den Prestin-Daten basierenden Stammbaum als eine einzige Gruppe erscheinen. Im Lauf der Zeit müssen also bei den Fledertieren und den Zahnwalen die gleichen Veränderungen im Prestin-Protein stattgefunden haben.

Mit dem Schallortungssinn können Tiere hochfrequente Töne hören, die das menschliche Ohr nicht wahrnehmen kann. Doch Zhang sieht mit dem identischen Molekularaufbau der Härchen nicht automatisch eine Verwandtschaft zwischen Fledermaus und Zahnwal. Er nennt es vielmer eine „konvergente Entwicklung“. Bei beiden Tierarten haben sich unabhängig voneinander die gleichen Anpassungserscheinungen entwickelt. So haben sowohl Vögel als auch Fledermäuse Flügel, weil sie diese zum Fliegen brauchen. Aber beide Flügel sind nach unterschiedlichen Plänen gebaut. Ähnliche Konvergenzen findet man bei den Stoßzähnen von Elefant und Walross oder bei den Grabschaufeln von Maulwurf und Maulwurfsgrille.

„Die Natur ist voller Beispiele für Arten, die ähnliche Merkmale unabhängig voneinander entwickelt haben“, so Stephen Rossiter von der University of London, einer der beteiligten Forscher. Allerdings habe man bisher angenommen, dass viele dieser konvergenten Eigenschaften durch unterschiedliche Gene oder Mutationen entstanden seien. „Unsere Studie zeigt, dass ein komplexes Merkmal wie die Echo-Ortung bei Fledermäusen und Delfinen tatsächlich durch identische genetische Veränderungen entstanden ist.“

Weitere Informationen unter
* Deutschlandfunk – Echoortung
* „Delfin- und Fledermausgehör sind überraschend ähnlich“
* „Andere Welt, gleiches Ohr“.

Mehr zur Evolution der Wale findest du hier.

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