Quecksilber auf dem Teller


OceanCare Presseinformation:
WHO und FAO diskutieren erstmals Gesundheitsrisiken für Konsumenten von Delfin- und Walfleisch

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Delfin- und Walfleisch wird in Japan als Delikatesse angeboten.
(Bild: Save Japan Dolphins.org)

Vom 25. bis 29. Januar beraten Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Welternährungsorganisation (FAO) in Rom über die Giftstoffbelastung von Fischprodukten – und auf Anregung von OceanCare und Pro Wildlife auch erstmals von Delfin- und Walfleisch. Die beiden Organisationen hatten im vergangenen Jahr den gemeinsamen Bericht „Toxic Menu“ veröffentlicht, in dem sie die teils enormen Konzentrationen von Quecksilber, polychlorierten Biphenylen (PCBs) und anderen Giftstoffen in Delfinen und Walen aufzeigen. „Vor allem Konsumenten in Japan und Grönland setzen sich erheblichen Gesundheitsrisiken aus, wenn sie Delfin- und Walfleisch verzehren“, sagt Dr. Sandra Altherr von der Münchner Artenschutzorganisation Pro Wildlife. Sie fordert ein Ende der Jagd auf Meeressäuger.

Expertenanhörung zu Risiken des Fischverzehrs
Vom 25. bis 29. Januar 2010 findet in Genf eine Expertenanhörung zu Risiken des Fischverzehrs statt. OceanCare und Pro Wildlife haben umfassende Studien zu den enormen Giftstoffkonzentrationen in Fleisch von Meeressäugern eingereicht, WHO und FAO nahmen daraufhin das Thema auf ihre Agenda. „Menschen, die regelmäßig Wal- und Delfinfleisch essen, haben ein hohes Risiko, an Immunschwächen, Parkinson, Gedächtnis- und Sprachstörungen zu erkranken“, berichtet Sigrid Lüber von OceanCare. Eine aktuelle Studie japanischer Forscher zeigt, dass die Bewohner des Walfangstädtchens Taiji eine bis zu 25-mal höhere Quecksilberbelastung haben als die Durchschnittswerte in der japanischen Bevölkerung.

Walfangländer leugnen Gefahren
„Die wissenschaftlichen Befunde sind eindeutig. Dennoch ziehen die Regierungen in Ländern, in denen Delfine und Wale gejagt und verzehrt werden, nicht die Konsequenzen“, kritisiert Pro Wildlife Sprecherin Altherr. „Auf den dänischen Färöer-Inseln warnt die oberste Gesundheitsbehörde inzwischen vor dem Verzehr von Grindwalen, doch Fang und Verzehr bleiben laut Gesetz weiterhin erlaubt.“ Auch in Grönland lässt die Regierung weiterhin zu, dass ihre Bevölkerung das stark kontaminierte Fleisch von Zwerg,- Weiß- und Narwalen verzehrt. „Und Japans Regierung bezeichnet Wal- und Delfinfleisch als unbedenklich und duldet, dass Produkte verkauft werden, die das bis zu 5.000-Fache der eigenen Grenzwerte für Quecksilber betragen“, so Altherr weiter.

Gesundheitswarnungen von WHO und FAO erwartet
OceanCare und Pro Wilflief erhoffen sich von der Experten-Anhörung, dass WHO und FAO die hohe Belastung von Wal- und Delfinfleisch zum Anlass nehmen, vor dem Verzehr solcher Produkte zu warnen und die Walfangländer auffordern, endlich Konsequenzen zu ziehen. „Die Ureinwohner Grönlands mit ihren begrenzten Alternativen sollten ihren Konsum von Wal- und Delfinfleisch zumindest reduzieren. In Japan und auf den Färöer-Inseln mit ihrem hohem Lebensstandard gibt es dagegen keine Rechtfertigung, die Jagd auf Meeressäuger weiter fortzusetzen“, so Lüber abschließend.

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über OceanCare
Die Schweizer Organisation OceanCare setzt sich seit 1989 für den Schutz der Meeressäuger und der Ozeane ein. Jagd, Lärm, überfischung und Zerstörung der ökosysteme bedrohen die Zukunft der Tiere „“ und auch unsere. Mit konstruktiven Maßnahmen wie Forschungsprojekten und Umweltbildungskampagnen sowie dem Engagement im Bereich der Gesetzgebung und in internationalen Foren verschafft sich OceanCare Gehör und setzt Verbesserungen durch. Bei all ihren Aktivitäten strebt OceanCare eine lösungsorientierte Zusammenarbeit an. Denn: Was uns alle angeht, können wir nur gemeinsam lösen.

OceanCare ist Partner des UNEP/CMS Abkommens für den Schutz der Wale und Delfine im Mittelmeer, im Schwarzen Meer und im angrenzenden Atlantik (ACCOBAMS) sowie Mitglied von Ocean2012, dem Species Survival Network, der International Ocean Noise Coalition, der Save Japan Dolphins Coalition, der Shark Alliance, sowie der Cetacean Alliance, einem Netzwerk von neun Non-Profit Organisationen und Forschungsinstituten, das sich dem Schutz der Marinen Biodiversität und der Reduktion des menschlichen Einflusses auf Wale und Delfine verschrieben hat.

Ein Kommentar

  1. Die Belastung des Wal- und Delfinfleisches wird letztendlich wahrscheinlich und hoffentlich bald den Wandel bringen und zur Beendigung des Walfanges führen.

    Die Leute auf den Färöer-Inseln werden zwar aus Spaß weiter im Blut der sich windenden Wale tanzen wollen, aber zumindest der kommerzielle Walfang wird dann ein Ende haben, wenn keiner das Fleisch mehr will und es sogar als Dünger für die Felder noch untauglich ist.

    Das ist der richtige Weg!

    Eigentlich paradox, dass ausgerechnet der schlimme gesundheitliche Zustand der Wale vielleicht am Ende ihre Ausrottung verhindert.

    geschrieben von Doris

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