Themen: ,

Ein Oscar für den Orca-Trainer?


Wie alle Welt spätestens nach dem Kinostart von „The Cove“ weiß, hat der Protagonist des Films – Ric O’Barry – in den 1960er-Jahren mehrere Delfine für die Fernsehserie „Flipper“ gefangen und trainiert.

Als jedoch das Tümmlerweibchen Kathy am 22. April 1970 in seinen Armen starb (O’Barry spricht von Selbstmord), begann ein radikales Umdenken. Der Delfinschänder wurde zum Delfinschützer. Ab diesem Zeitpunkt versuchte der Geläuterte den Kampf mit der milliardenschweren Delfinarienindustrie aufzunehmen.

„Es war Earthday 1970, der Tag, an dem Flipper starb. Es gab zwar noch vier andere Delfine, aber für mich war Kathy immer der wahre Flipper. Da wandte ich dem Geschäft den Rücken zu und schaute nie mehr zurück“, so O’Barrys Worte in einem Interview anlässlich des Kinostarts von „The Cove“. (Quelle: filmstarts.de)

„Kein Tier ist weniger für die Haltung in Gefangenschaft geeignet als ein Orca. Es funktioniert nicht. Das habe ich bereits 1976 begriffen, als ich im Osten der USA den ersten Killerwal trainierte. Sein Name war Hugo.“ Auch das hat Ric O’Barry gesagt. (Quelle: unterwasser.de) In den Interviewtext eingebaut ist eine alte Aufnahme, auf der man den Delfinschützer zusammen mit Orca Hugo sehen kann. (Bildunterschrift: Ric O’Barry und Orca Hugo, 1976).

Diese beiden Jahreszahlen und die Worte des Delfinschützers haben mich natürlich stutzig gemacht … Einerseits gibt O’Barry vor, ab April 1970 dem Delfingeschäft den Rücken gekehrt zu haben, andererseits erzählt er in einem Interview anlässlich des tödlichen Unfalls mit einem Schwertwal in Florida (siehe dazu auch MA-News vom 26. Februar 2010), dass er sechs Jahre später selbst einen Orca trainiert hätte und sich mit der Haltung auskenne.

Vielleicht wurde O’Barry nur falsch zitiert, vielleicht musste er aber auch einfach nur Geld verdienen (er spielte übrigens 1976 eine kleine Rolle in dem Thriller „Mako, die Bestie“, in dem trainierte Haie (!) zum Einsatz kamen), vielleicht wusste man damals noch nicht, dass Orcas auch zu den Delfinen gehören … Vielleicht wird diese Ungereimtheit bald aufgeklärt …

Von den Orcas nun aber zu den Oscars … Wir schauen gespannt auf die Oscar-Verleihung, die in der Nacht von Sonntag auf Montag im Fernsehen übertragen wird. „The Cove“ steht ganz vorne auf der Nominierungsliste für die Auszeichnungen …

3 Kommentare

  1. Vom Saulus zum Paulus. Er weiß wenigstens, von was er redet.

    geschrieben von Doris
  2. Richard O'Barry on facebook: I trained "Hugo" the very first killer whale in captivity east of the Mississippi. That was back in 1968. I knew then it was a very bad and dangerous idea. I went public with that opinion before walking away from Hugo's tiny tank at the Miami Seaquarium – but the bastards would not listen. They were (and still are) blinded by the money.

    geschrieben von WDSF
    1. Vielen Dank Jürgen für die Info ;o) "Blinded by the money" war Ric ja auch jahrelang, wie er selbst in seiner Biografie zugegeben hat. Porsche und Rolex-Uhren waren u.a. der Lohn für seine Delfin-Dressur. Nachdem die Dreharbeiten zu "Flipper" eingestellt worden waren, hat er sich zum Glück eines Besseren besonnen. Was dabei herausgekommen ist, ist u.a. der populäre Film "The Cove", der die japanischen Delfinfänger hoffentlich auch eines Besseren belehren wird.

      geschrieben von Susanne

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.