Walfleisch schmeckt nicht gut


… und trotzdem halten die Japaner am Walfang fest. Zu dieser eher schizophren anmutenden Einstellung gibt es einen interessanten Artikel in der TIME.

Der Verfasser des Berichts „Why Japan Keeps Fighting the Whale Wars“ – Bryan Walsh – „outet“ sich, dass er Walfleisch gegessen hätte. Er bittet darum, aufgrund dieser Tatsache seine Mail-Box nun nicht mit Drohschreiben zu fluten, denn der Verzehr von Walfleisch hätte im Rahmen seiner Reportage stattgefunden, in Japan, wo der Konsum von Walfleisch legal ist.

Seine erste (und letzte) Begegnung mit Walfleisch fand im Juni 2005 statt, als er an einem Wal-Essen teilnahm, das von der japanischen Walfang-Vereinigung ausgerichtet wurde. Restaurants aus ganz Japan schickten ihre Wal-Spezialitäten nach Tokio, wo das Event stattfand. Es wurden Wal-Sushi, Wal-Sashimi, Wal auf Crackers, Wal in Dosen, Wal mit Nudeln und andere Gerichte serviert.

„Wenn man zu einem Wal-Essen geht, so muss man das Fleisch auch probieren“, rechtfertigt sich Walsh. „Aber glaubt mir, auch wenn man die moralische Seite nicht berücksichtigt: Walfleisch schmeckt nicht gut“, versichert er weiter. Den Geschmack vergleicht er mit Lachs, der schon langsam am Verderben ist. Er fand ihn ranzig und fettig.

Walsh erklärt, dass auch Japaner kaum Walfleisch essen. In den Nachkriegsjahren kam Walfleisch allerdings noch regelmäßig auf den Tisch. Die japanische Essgewohnheit beeinflusst hatte damals der amerikanische Berufsoffizier Douglas MacArthur, der nach Kriegsende den Oberbefehl über die Besatzungstruppen in Japan inne hatte. Er glaubte, Walfleisch sei eine billige Eiweißquelle für ein entkräftetes Land, und förderte deshalb den Walfang. Den japanischen Kindern wurden diese „billigen Eiweißstücke“ damals als Vesper in die Schulranzen gepackt.

Doch das liegt viele Jahrzehnte zurück. Eine Umfrage von 2008 kam zu dem Ergebnis, dass 95 Prozent der Japaner nur noch ganz selten oder gar nicht Walfleisch essen. Wenn der Walfang, der in Japan immer noch betrieben wird, morgen enden würde, so würde das niemanden in Japan aufregen oder interessieren.

Und trotzdem geht der Walfang und damit der Walkrieg weiter … Erst vor kurzem gab es erbitterte Auseinandersetzungen zwischen der Walschutzgesellschaft Sea Shepherd und den japanischen Walfängern im Südpolarmeer (die Meeresakrobaten berichteten mehrfach darüber).

Japan wird weiter auf sein „Recht“ bestehen, Wale zu fangen, genauso wie es nicht nachgeben wird, den Roten Tunfisch (auch Blauflossentunfisch genannt) für Sushi-Gerichte zu verarbeiten und damit an den Rand der Ausrottung zu bringen. 80 Prozent des Tunfischfangs gehen auf Kosten der Japaner (siehe dazu auch den ersten Lesetipp unten).

Bryan Walsh begründet dieses trotzig anmutende Verhalten damit, dass sich Japan, das nach dem zweiten Weltkrieg immer noch nicht seine vollständige Souveränität zurückerlangt hat, sich nicht vom „Rest der Welt“ vorschreiben lassen will, was es zu tun hat und was nicht … So erklärte ein Japaner dem Journalisten Walsh während des Walessen-Events in Tokio: „If other people don’t want to eat whale, that’s fine. But we should be allowed to do what we want.“ (übersetzt: „Wenn andere Menschen kein Walfleisch essen wollen, so ist das schön und gut. Aber lasst uns bitte das tun, was wir tun wollen.“) Mit dieser Einstellung lässt sich sogar ein ranzig schmeckendes Stück Walfleisch leichter schlucken …
(Quelle: Time)

Lesetipp:
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„Das große Feilschen beginnt“ (Vom 13. bis 25. März kommen mehr als 2.000 Delegierte aus 175 Ländern auf der 15. CITES-Konferenz (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) im Emirat Katar am Persischen Golf zusammen, um über das Schicksal unzähliger Tier- und Pflanzenarten zu entscheiden. Ziel der CITES-Konferenz ist es, Arten vor den Gefährdungen durch den internationalen Handel zu schützen. Eigentlich ein Handelsabkommen, ist CITES zugleich eines der wirkungsvollsten Instrumente des Artenschutzes. Es regelt mittlerweile die Ein- und Ausfuhr von rund 6.000 bedrohten Tier- und 30.000 Pflanzenarten. U.a. wird auch über das Schicksal den Blauflossentunfisches verhandelt.)

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