Die letzten Delfine in der Nordsee in Gefahr


Pressemitteilung der Whale and Dolphin Conservation Society (WDCS/München):

Während die USA damit beginnen, die massiven Kosten der Umweltbelastung der derzeitigen ölkatastrophe vor der Küste Louisianas zu errechnen, hat die Regierung Großbritanniens beschlossen, zwei Firmen zu erlauben, seismische Untersuchungen in Vorbereitung auf eine öl- und Gasgewinnung im Moray Firth, einem Meeresschutzgebiet in Schottland, durchzuführen.

Die internationale Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS und andere Organisationen verurteilen diese Entscheidung aufs Schärfste. Das Schutzgebiet wurde eigens für die letzte Population von Großen Tümmlern (auch bekannt als „Flipper“) in der Nordsee ausgerufen. Die vorgelegten Gutachten sind inhaltlich lückenhaft und einseitig gefärbt und werden in vielen Aspekten dem europäischen Umweltrecht nicht gerecht.

Die derzeitige Genehmigung erlaubt den Firmen, umfangreiche Bodenuntersuchungen (seismische Explorationen) duchzuführen. Dabei werden vier Wochen lang alle 6 bis 8 Sekunden koordinierte Explosionen mit so genannten Airguns durchgeführt. Die dabei verwendeten Schallimpulse sind so laut, dass sie in unmittelbarer Nähe zu schweren permanenten Gehörschädigungen führen und noch in vielen Kilometern Entfernung Tiere vertreiben.

Nach einem erfolgreichen Aufschub der Exploration in 2009 ist die WDCS nun ausgesprochen verärgert über diese Entscheidung. „Es ist ein schlechtes Zeichen für den Naturschutz in einem Schutzgebiet und ein schwarzer Tag für unsere streng geschützten Delfine dort draußen“, sagt Sarah Dolman, die Leiterin der WDCS-Kampagne vor Ort in Schottland.

Das WDCS-Büro in England bereitet derzeit gemeinsam mit einer Reihe anerkannter Experten eine detaillierte Stellungnahme vor. Nach Meinung des WDCS-Meeresbiologen Dr. Karsten Bsinreng steht die Glaubwürdigkeit der Umweltpolitik allgemein auf dem Spiel: „Wie kann es sein, dass eine Firma wie BP im Golf vom Mexiko für die vermutlich größte ölkatastrophe verantwortlich ist und zeitgleich mit der gleichen Technologie im Mittelmeer vor Libyen in noch tieferem Wasser bohren darf? Wir werden unseren Umweltminister Herrn Dr. Röttgen, der sich vor wenigen Tagen im Polittalk mit Maybrit Illner für ein Moratorium für ölbohrungen eingesetzt hat, fragen, was er gegen die Aktivitäten von BP und anderen Unternehmen tun will.“

Für weitere Informationen:
Dr. Karsten Brensing, WDCS Meeresbiologe
Mobil: +49 (0)176 2267 5679
E-Mail : Karsten.brensing@wdcs.org

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