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Die Dänen stellen sich quer


Wie die Schweizer Wal- und Delfinschutz-Organisation OceanCare berichtet, präsentiert sich Dänemark auf der internationalen Walfangkonferenz IWC als eines der problematischsten Länder. „Die Delegierten Dänemarks setzen alles daran, Transparenz zu verhindern und Nichtregierungs-Organisationen aus den Verhandlungen auszuschließen“, sagt Sigrid Lüber, die für OceanCare an der Konferenz teilnimmt.

An der Walfangkonferenz vertritt Dänemark ausschließlich die Interessen der semi-autonomen Regionen Färöer-Inseln und Grönland und missachtet den Willen einer Mehrheit der dänischen Bevölkerung. 97 Prozent der 5,5 Millionen Dänen lehnen den Walfang ab. In den Positionen der dänischen IWC-Delegation reflektiert sich dies in keiner Weise. Deren Verhalten sorgt auch im dänischen Parlament für rote Köpfe, wo die Regierung wegen der Blockade des Walschutzes heftig kritisiert wird. „Es ist zu hoffen, dass Dänemark im Herbst die Chance der Neuwahlen nutzt und wieder auf den walfreundlichen Kurs der EU zurück findet“, sagt Lüber.

Artenschutz als Wunschkonzert
Weil das Fleisch der Buckelwale besser schmeckt als jenes der Finnwale, tauschte Dänemark 2010 in einem stark kritisierten Verhandlungsprozess einen Teil seiner Finnwal-Quote gegen Buckelwale ein. An der aktuellen Konferenz organisiert die dänische Delegation nun ein Treffen mit ausgewählten Ländern, um für den Ausbau des Fangs von Buckelwalen zu werben. Länder und Umweltverbände, die diesem Vorhaben kritisch gegenüber stehen, wurden nicht eingeladen. Dazu Sigrid Lüber: „Ziel der Dänen ist es, bei der 2012 anstehenden Neuvergabe der Fangquoten als Lebensgrundlage zwanzig statt neun Buckelwale zugesprochen zu erhalten. Dafür suchen sie bereits jetzt Unterstützung.“

EU und Umweltverbände ausgebremst
Bereits im März 2011 verhinderte Dänemark die Kritik der EU an Islands eigenmächtigem Walfang und blockierte die Absicht der europäischen Staaten, an der IWC eine Demarche gegen den kommerziellen isländischen Walfang zu unterstützen. Hinter die Demarche stellten sich mehrere lateinamerikanische Länder sowie Australien, Neuseeland, Monaco und die USA. Auch eine Initiative der EU-Staaten mit dem Ziel, den Stimmenkauf innerhalb der IWC zu unterbinden und die Zivilbevölkerung analog anderer internationaler Gremien partizipieren zu lassen, wurde von Dänemark torpediert. „Die dänische Delegation erreichte, dass die Forderung nach einer aktiven Teilnahme der Nichtregierungs-Organisationen auf der Strecke blieb. In der offiziellen Begründung heißt es, Umweltverbände könnten keine wertvollen Diskussionsbeiträge leisten. In Wirklichkeit dürfte der Widerstand wohl eher darin begründet sein, dass damit kritische Stimmen gegen den Walfang ausgeschlossen werden können“, kritisiert Sigrid Lüber.

Stimmenkauf wird erschwert
Nach stundenlangem Ringen haben die IWC Staaten gestern Abend mit Konsens die Reform des Abkommens verabschiedet. Damit wurden die Gepflogenheiten modernisiert und auf den üblichen Stand des einundzwanzigsten Jahrhunderts gebracht. Die Reform bringt vor allen Dingen mehr Transparenz.

Unter anderem müssen die Mitgliedstaaten künftig die Gebühren mittels Banküberweisung von einem Konto ihrer Regierung oder einem angegliederten Institut bezahlen so wie das die Umweltverbände seit Jahren tun. Dies erschwert den Stimmenkauf, der in der letzten Dekade in diesem Forum häufig vorkam.
(Quelle: Pressemitteilung von OceanCare)

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