Themen: ,

Schon bald keine Lebendfänge mehr aus Taiji?


Der Weltzooverband WAZA (World Association of Zoos and Aquariums) kann einen wichtigen Erfolg verzeichnen. Es geht um die Treibjagd auf Delfine, die jedes Jahr zwischen September und März in dem japanischen Fischerort Taiji stattfindet.

Aquarium in China (Foto: Frank Blache)

Aquarium in Luoyang/China
(Foto: Frank Blache)

Nachdem die WAZA dem japanischen Landesverband (JAZA) angedroht hatte, diesen aus dem Weltzooverband auszuschließen, wenn dessen Mitglieder weiterhin Delfine aus der Treibjagd bezögen, teilte die JAZA nun mit, alle diejenigen Mitglieder auszuschließen, die weiterhin den Lebendfang unterstützen würden. (Siehe dazu auch Der Weltzooverband WAZA setzt deutliches Zeichen gegen die Delfin-Treibjagd.)

Entscheidung fiel einen Tag vor Fristablauf

Die Entscheidung der JAZA fiel einen Tag vor Ablauf der von der WAZA gestellten Frist. Danach wäre es zu einem Ausschluss der JAZA aus dem Weltzooverband gekommen.

Seit zehn Jahren bemühen sich Delegierte der WAZA den japanischen Landesverband der Zoos und Aquarien davon zu überzeugen, dass die Delfin-Treibjagd gegen den von der WAZA aufgestellten Ethik-Kodex verstößt. Endlich haben die Mitglieder der JAZA (auch nach starkem öffentlichem Druck durch Delfinschützer) eingelenkt.

Der Großteil der gefangenen Delfine wird getötet

Zwar wird deshalb die Treibjagd auf bis zu acht Delfinarten nicht beendet werden, doch zumindest der Lebendfang wird sich drastisch reduzieren, wenn nicht gar ganz aufhören.

Man darf jedoch nicht außer Acht lassen, dass der Großteil der gefangenen Tiere getötet und deren Fleisch gegessen wird – trotz hoher Umweltgift-Belastung.

Um das Delfin-Schlachten zu beenden, bedarf es weiterer Überzeugungsarbeit unter den Japanern. Doch auch hier ist zu beobachten, dass immer weniger Japaner Delfin-Fleisch essen.

THE COVE auf Chinesisch (Quelle: Ceta Journal)

THE COVE auf Chinesisch
(Quelle: Ceta Journal)

Aufklärungskampagne in China

In China, einem der Hauptabnehmer von Lebendfängen aus Taiji läuft gerade eine Kampagne, die ebenfalls dazu beitragen kann, dass weniger Wildfänge angefragt werden.

Die Übersetzung von „The Cove“ („Die Bucht“) kommt in China nämlich offenbar sehr gut an, wie Hans-Peter Roth (neben Ric O’Barry der Co-Autor), Sasha Abdolmajid und andere auf Facebook mitteilen.

Das Buch hat es sogar auf die Bestseller-Liste geschafft.

Die Delfinschützer hoffen, dass durch das öffentliche Anprangern der Delfin-Treibjagd der Import nach China verringert und zumindest der Lebendfang für die etwa 50 Jäger aus Taiji nicht mehr lukrativ sein wird.
(Quellen: Brief von Kazutoshi Arai (Vorsitzender der JAZA), WAZA, Aquarien verzichten auf Taiji-Delfine und Ceta Journal)

Inzwischen kann auf Wildfänge ganz verzichtet werden

Heutzutage müssen keine Delfine mehr gefangen werden. In Deutschland kommt man bereits seit 20 Jahren ohne neue Wildfänge aus. Jahr für Jahr steigt die Erfolgsquote bei der Aufzucht von in Delfinarien geborenen Großen Tümmlern.

Auch der Nürnberger Tiergarten und der Duisburger Zoo verurteilen die Treibjagd aufs Schärfste.

Bei den dort gehaltenen Großen Tümmlern handelt es sich übrigens um die atlantische Art Tursiops truncatus und nicht um pazifische Tümmler. Letztere (auch Tursiops truncatus gilli genannt) werden (zusammen mit sieben anderen Delfinarten) in den Gewässern vor Taiji gefangen.

Lesetipps zum Thema

* S.O.S. Japan – Land der blutenden Buchten
* Zu den Delfin-Fangzahlen in Taiji
* Taiji-freie Zone in Deutschland

3 Kommentare

  1. Vielleicht sollte man noch im letzten Absatz erwähnen, dass die karibischen Großen Tümmler (EU-Delfinarien) rund doppelt so groß werden, wie die pazifischen Großen Tümmler (die in Taiji und auf den Salomonen gefangen werden) und letztere auch mit zunehmendem Alter einen fleckigen Bauch bekommen.

    Entgegen immer wieder gerne verbreiteten Unterstellungen ist es daher schlicht unmöglich, Taiji-Delfine in EU-Delfinarien einzuschmuggeln – ein solcher Betrug würde selbst einem Laien sofort auffallen.

    Dass es in der Türkei immer noch Delfinarien gibt, die Delfine aus Taiji zukaufen, steht auf einem anderen Blatt und bleibt hoffentlich auch Gegenstand entsprechender Protestkampagnen..

    geschrieben von Norbert
    1. Allerdings, so wie sich die türkische Regierung im Moment allgemein gibt, wird das dort wohl niemanden interssieren. Mehr Einflussmöglichkeiten haben da wohl die Touristen, sich die Anlagen genau anzuschauen, sich zu informieren, woher die Tiere stammen (sofern man diese Informationen bekommt, auch Transparenz ist ein Kriterium) und dann zu entscheiden, ob sie die Anlage besuchen, oder nicht.
      Was man sowieso für alle tierhaltenden Einrichtungen in solchen Touristenregionen beherzigen sollte.

      geschrieben von Dani
  2. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen… – aber ein richtiger – und wichtiger – Schritt in die richtige Richtung.

    geschrieben von Frank Blache

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.