Der Buckelwal liegt nach wie vor fast regungslos vor der Insel Poel. Er ist leider nicht zu retten. Sein Zustand ist zu schlecht.
Die Feuerwehr versucht derzeit, ihn mit einem von Land aus gelegten Schlauch zu benetzen, um ihm etwas Leid zu ersparen.
Der Buckelwal hat viel mit unserer Psyche zu tun
Eva-Maria Guhl hat im NDR die Neurowissenschaftlerin Maren Urner zum Phänomen befragt, warum ganz Deutschland Anteil nimmt am Schicksal eines einzigen Tieres, den Artenschutz, der für viele Tiere wichtig ist, jedoch aus dem Fokus nimmt.
Maren Urner erklärt, dass es
*** erstens für uns viel einfacher ist, unsere Aufmerksamkeit auf ein Individuum zu lenken als auf eine große Masse.
*** Zweitens passiert die Strandung vor unserer eigenen Haustür und nicht irgendwo im Ausland.
*** Drittens ist das Geschehen zeitlich klar umrissen. Wir können der Berichterstattung stündlich folgen.
Müdigkeit setzt nach ein paar Wochen ein
Frau Guhl fragt im Interview, ob irgendwann eine Art Müdigkeit einsetzen würde, wie wir sie von anderen Themen kennen.
Laut Frau Urner passiert das ab einem gewissen Zeitpunkt auf jeden Fall. Wenn sich der Leidensprozess über zwei, drei weitere Wochen erstrecken würde, dann würde das Interesse der Bevölkerung merklich abnehmen. So ist das auch bei Katastrophenmeldungen, von denen wir stündliche Updates bekommen.
Die „Müdigkeit“ tritt sowohl aktuell beim Buckelwal als auch bei globalen Themen wie Kriegen, Umweltkatastrophen usw. ein.
Emotionale Nähe lässt uns Geschichten spinnen
Beim Buckelwal spielt die emotionale Nähe eine wichtige Rolle. Wir können eine Geschichte drum herum spinnen. Unser Gehirn versucht immer, Geschichten zu erzählen. Deshalb schauen wir auch Serien und deshalb gibt es auch Märchen.
Man muss außerdem keine Interessen abwägen. Alle wollen, dass der Wal überlebt. Wir haben ein Ziel und das ist eine klassische Heldengeschichte, wie sie derzeit erzählt wird.
Strahlkraft auf das große Ganze
Ob das Einzelschicksal eine Strahlkraft auf das große Ganze hat, liegt an uns. Man kann nun Menschen für das Thema sensibilisieren und komplexere Fragen stellen. Beispielsweise: Warum sind wir in einer Biodiversitätskrise? Warum hat dieser Wal ein Fischernetz im Maul?
Die emotionale Tür wurde geöffnet und nun kann der Raum der übergeordneten Themen betreten werden. Das ist die Chance für die Umwelt.
(Quelle: NDR)

