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Inzucht bei Delfinen


Bill Sherwin (Genetiker an der University of New South Wales) hat zusammen mit internationalen Delfin-Forschern (darunter Professor Richard Connor, Dr. Rachel Smolker, Professor Janet Mann und viele andere mehr) über Freiland-Beobachtungen sowie genetische Untersuchungen herausgefunden, welche Komponenten bei der Aufzucht von Delfin-Kälbern eine wichtige Rolle spielen. Beobachtungsobjekte waren die Delfine der Shark Bay in Westaustralien.

Mutter mit Jungtier (Foto: Rüdiger Hengl)

Mutter mit Jungtier
(Foto: Rüdiger Hengl)

Die Forscher fanden heraus, dass sowohl die genetische Ausstattung eines Delfins als auch sein Eingebundensein in eine Gruppe von ausschlaggebender Bedeutung für die erfolgreiche Aufzucht einer Art sind.

Als „erfolgreiche Aufzucht“ wurde der Zeitraum definiert, in dem ein Kalb normalerweise entwöhnt und die Mutter erneut trächtig wird – also innerhalb von drei Jahren.

Das Gen-Material bestimmt, ob das Tier gesund ist und viele Nachkommen haben wird. Eine funktionierende Gruppenstruktur ist wichtig, damit die Kälber in einer Gegend, in der es viele Haie gibt (Shark Bay), von den erwachsenen Tieren vor Angriffen geschützt werden können. Außerdem können sich Delfin-Mütter, die in einer Gruppe schwimmen, gut gegen allzu aufdringliche männliche Delfine zur Wehr setzen.

Die Wissenschaftler registrierten, dass Delfine, die Verwandte mit vielen Geburten haben und in einer Gruppe leben, mehr Erfolg mit der Aufzucht ihrer eigenen Jungtiere haben als Tiere, bei denen diese Faktoren nicht zutreffen.

Inzucht bei frei lebenden Delfinen

Zusammen mit Genetikern wie Dr. Michael Krützen und Dr. Céline Frère wurden von den Delfinen sogenannte genetische Fingerabdrücke hergestellt, um ihre Verwandtschaft untereinander festzustellen.

Schließlich paart sich ein Delfin-Weibchen mit mehreren Männchen, sodass der Vater eines bestimmten Delfin-Babys nicht von vornherein identifiziert werden kann. Mit der Molekularmethode konnte jedoch der Verwandtschaftgrad der Tiere untereinander bestimmt werden. Während des fast 25-jährigen Beobachtungszeitraumes wurden auch immer wieder Inzucht-Fälle entdeckt, zum Beispiel Kälber, die aus einer Verbindung zwischen Vater und Tochter hervorgingen.

Für Inzucht-Paarungen sind offenbar vor allem jüngere Delfin-Weibchen anfällig. Festgestellt wurde außerdem, dass Kälber aus Inzucht-Verbindungen länger brauchen, bis sie entwöhnt sind, als Kälber, die aus einer Verbindung von nicht miteinander verwandten Delfine stammen. Das bedeutet wiederum, dass ihre Mütter weniger Jungtiere in die Welt setzen als andere Delfine. Inzucht-Paarungen sind daher aus Sicht der Evolution unerwünscht.

Verwandte Männchen schließen sich zusammen

Verwandte männliche Delfine machen Jagd auf Weibchen. Sie scheinen sich gegenseitig zu helfen, dass es zur Paarung mit dem auserwählten Weibchen kommt.

Das scheint auf den ersten Blick keinen Sinn zu machen, da zwei Männchen normalerweise um die Gunst eines Weibchens konkurrieren und sich deshalb bekämpfen. Doch da die Männchen miteinander verwandt sind, können sie sicher sein, dass zumindest das „verwandte“ Erbmaterial weitergegeben wird, auch wenn ein einzelnes Tier keinen Paarungserfolg hatte.

Es handelt sich meist um „Cousins“, die gemeinsam Jagd auf Delfin-Weibchen machen. Der Verwandtschaftsgrad ist also nicht sehr eng.

Who is who?

Weibliche Delfine wehren allzu aufdringliche „Cousins“ ab. Doch woher wissen die Delfine, wer ihre Verwandten sind? Lernen sie diese bereits als Kälber in der „Kinderstube“ kennen? Schließlich erleben sie in der Gruppe, wie das nächste Kalb ihrer Mutter heranwächst und wie andere Mütter Kälber aufziehen.

Dagegen spricht, dass männliche Kälber nur wenig Zeit in der „Mütter-Gruppe“ verbringen, wenn sie erst einmal entwöhnt sind und ihre Mutter bereits von einem neuen Jungtier begleitet wird. Daher ist es eher wahrscheinlich, dass die Tiere ihren Verwandtschaftsgrad an ähnlichen Pfiffen und an chemischen Komponenten erkennen.

Mehr zu den Forschungen in der Shark Bay unter Dolphins value good friends and relatives.

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