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Färöer Inseln: Diplomatische Einflussnahme statt aktionistische Projekte


Aus verschiedenen Veröffentlichungen habe ich erfahren, dass auf den Färöer Inseln allein im August 354 Grindwale getötet wurden. Wenn man die Bilder sieht, die durchs Internet gehen, wird einem schlecht. Es ist ein wüstes Gemetzel (ähnlich dem in Taiji/Japan), das sich in Vagur, Hvannasund, Tjornuvik und anderen Buchten abspielt.

Getötete Grindwale auf den Färöer Inseln (Foto: Project Blue Sea)

Der Schweizer Journalist und Delfinschützer Hans Peter Roth (Co-Autor von „Die Bucht“) war im Juni/Juli auf den Färöern und hat nach seiner Rückkehr einen hochinteressanten Bericht über die Einwohner und deren langsames Umdenken in Sachen Grindwalfang geschrieben.

Nur die Färinger können den Grindwalfang beenden

Auch wenn ich Hans Peters Gedankengang nachvollziehen kann, dass die Beendigung des Grindwalfangs allein von der Bevölkerung ausgehen kann und sämtliche Interventionen aus dem Ausland nur Trotzreaktionen und somit ein größeres Blutbad provozieren, fällt es schwer, bei den Zeilen aus seinem Bericht ruhig zu bleiben. Ich zitiere:

Aus dem Bericht von Hans Peter Roth

„Dieser Weg ist noch lang. Das zeigt der in diesem Jahr bisher größte Grindwalfang in Vagur auf der Südinsel am 8. August 2012, mit 196 getöteten Tieren. Nur einen Tag später fallen den Jägern in der Bucht bei Hvannasund 32 Grindwale zum Opfer. Und am 19. August werden in der malerischen Bucht von Tjørnuvík weitere 61 Tiere abgeschlachtet. Die Tötung allein soll 50 Minuten gedauert haben.

Zu dieser aktuellsten Jagd sei mit allem Nachdruck noch eine Anmerkung hinzugefügt: Die Färinger werden nicht müde zu beteuern, wie „human“ die Grindwale doch gefangen und getötet würden. Zudem verbreiten sie weiterhin das irrige Klischee, die Tiere würden nur gejagt, wenn sie gewissermassen direkt vor einer Bucht oder in leichter Sichtdistanz in unmittelbarer Landnähre gesichtet würden. Das mag früher so gewesen sein, als mit Ruderbooten die Reichweite sehr beschränkt war. Nicht so heute.

Getöteter Grindwal (Foto: Hans Peter Roth)

Mit PS-starken, sonarbestückten Schnellbooten können Hobbyjäger weit aufs offene Meer hinausfahren, wenn sie von Fischern, Fähren oder Freizeitkapitänen „Grindahvalir“ gemeldet bekommen. Die Grindwale hetzen sie sodann vor sich her, indem sie bequem ihr Sonar betätigen, deren UW-Lärm die Tiere verschreckt. So geschehen am 19. August. Nach offiziellen Angaben begann die Treibjagd um 14.15 Uhr weit auf dem offenen Meer draußen und endete nach einer Distanz von mehr als 20 Kilometern um 19.05 Uhr. Sie zog sich also über fast fünf Stunden dahin, bevor die völlig erschöpften und abgekämpften Tiere bei Tjørnuvík zur Strandung gedrängt wurden. Die Tötung dauerte weitere 50 Minuten.

Damit steht die traurige Tötungsbilanz im 2012 bei bisher 520 Grindwalen (Stand 22. August, Statistik). Diese Zahl kann aber jederzeit noch steigen, denn auch wenn auf den Färöern die Tage nun rasch kürzer werden, ist das Jahr noch lange nicht vorüber. Wie um alles in der Welt eine fast sechs Stunden (inklusive Tötung) dauernde Hetzjagd auf Kleinwale – darunter Mütter mit Jungen und trächtige – mit hochgerüsteten Schnellbooten, Motoryachten und Jetskis „human“ oder mit irgendwelchen rudimentärsten Tierschutzregeln vereinbar sein soll, bleibt mir völlig schleierhaft. Noch absurder die Tatsache, diese anmutigen, hochentwickelten, sozialen und intelligenten Wesen in Quecksilber-verseuchte Fleischhaufen zu verwandeln, um sich mit dem kontaminierten Fleisch zu vergiften.

Doch selbst viele Grindwaljäger gehen mit meiner hoffnungsvollen Prognose einig: Der Grindwalfang wird enden. Wie lange das noch dauert, ist zum heutigen Zeitpunkt ungewiss. Wir bleiben dran. Übrigens auch mit einem Projekt, über dessen Inhalt zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts verraten werden darf. Doch die Resultate werden sich im kommenden Jahr sehen lassen – buchstäblich. Wir freuen uns darauf.“
(Quelle: Hans Peter Roth)

Ein Färinger mahnt, nicht einzugreifen …

Rúni Nielsen – ein Bewohner der Färöer Inseln – bestätigt Hans Peters Darstellung. Die Beendigung des Walfangs kann ausschließlich von den Färingern selbst ausgehen, versichert er. Wenn nur einer der folgenden Punkte zuträfe, würde die Jagd auf Grindwale sofort eingestellt werden:

1. Wenn das Fleisch der Grindwale für Menschen ungenießbar würde.
2. Wenn die Tiere gequält würden.
3. Wenn Grindwale vom Aussterben bedroht wären.

Susanne Gugeler

Grindwale sind in Teneriffa die Attraktion. (Foto: Susanne Gugeler)

Die Diskussion darüber, ob die oben genannten Punkte (zumindest teilweise) bereits zutreffen und wie der Grindwalfang auf den Färöer Inseln gestoppt werden kann, wird weitergehen. Kontroverse Meinungen darüber können beispielsweise auf Rúni Nielsens facebook-Seite ausgetauscht werden. Wichtig ist jedoch, egal, welcher Meinung man sich anschließt, auf gewaltverherrlichende Äußerungen zu verzichten.

Meine Meinung

Auch wenn letztendlich die Bewohner der Färöer Inseln selbst den Grindwalfang beenden müssen, halte ich es für notwendig, sich (diplomatisch) einzumischen. Von „aktionistischen Projekten“, die von den Färingern sowieso vereitelt würden, halte ich nichts. Ich denke, die permanente Weitergabe von Informationen (auch die von Hans Peter Roth), was auf den Färöer Inseln abläuft, wird sich in immer mehr Köpfen (auch denen der Färinger) verankern und letztendlich dem Beenden des Grindwalfangs dienlich sein.

Auch finde ich es richtig, (persönlich, keine vorgefassten Massen-E-Mails!) an die dänische Botschaft in Deutschland zu schreiben und darum zu bitten (wobei die Betonung auf bitten und nicht fordern steht), mitzuhelfen, dass das furchtbare Abschlachten hochsozialer und hochintelligenter Meeressäuger aufhört. (Zur Information: Die Färöer sind, wie Grönland, eine „gleichberechtigte Nation“ innerhalb des Königreichs Dänemark.)

Mehr zum Grindwalfang – und warum die Jagd auf Grindwale nicht mit der Jagd auf Rehe, Hasen usw. vergleichbar ist – unter S.O.S. – Färöer Inseln.

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