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Wozu sich „Tierschützer“ hinreißen lassen


„Es hätten genau so viele drauf gehen sollen wie sie Delfine getötet haben.“

Das ist nur einer der gewaltverherrlichenden Kommentare auf der WDSF-Facebook-Seite. Jürgen Ortmüller (Chef der Ein-Mann-Organisation WDSF) schreibt: „Wenige Tage nachdem auf den Solomonen-Inseln über 1000 Delfine von Einheimischen getötet wurden, erteilte die Inselgruppe ein Tsunami, der mehrere Menschen zum Opfer fielen. Frank Schätzing (Der Schwarm) lässt grüßen…“ Hämischer geht es wohl nicht mehr.

bildstoerung

Hier befand sich ursprünglich das Bild, welches erscheint,
wenn man hier draufklickt.

Mindestens 9 Tote und 3 zerstörte Dörfer

Zum Hintergrund: Am 6. Februar 2013 sind nach einem Erdbeben und einem Tsunami auf den Salomonen mindestens 9 Menschen zu Tode gekommen. Mitarbeiter des Roten Kreuzes gehen davon aus, dass sich die Zahl der Todesopfer noch erhöhen wird.

3 Dörfer auf der Insel Santa Cruz wurden vollständig zerstört. Bis zu einem Meter hohe Wellen rasten über die Küste bis 500 Meter weit ins Landesinnere. Die Menschen flüchteten auf höher gelegene Hügel, um sich dort vor der Flut in Sicherheit zu bringen.

Die Salomonen sind einer der ärmsten Staaten Ozeaniens. Es fehlt an allem. Unter anderem an Sanitäranlagen. Neben der Fischerei ist auch der Delfinfang eine wichtige Einnahmequelle mancher der insgesamt 200 Inseln. Vor allem Spinnerdelfine werden getötet. Ihre Zähne dienen als Tauschmittel, ihr Fleisch wird unter den Dorfbewohnern verteilt.

1.000 Delfine getötet

Vor kurzem rückte eine Negativschlagzeile die Salomonen ins Visier von Delfin-Freunden. Bewohner des Dorfes Fanalei im Süden Malaitas hatten aufgrund einer Auseinandersetzung um Geld ungefähr 1.000 wilde Delfine getötet.

Ein Sprecher des Dorfes gab als Grund für die Jagd an, den versprochenen Betrag von 2,4 Mio. US-Dollar nicht vollständig erhalten zu haben, den ihm die Tierschutzorganisation Earth Island Institute (zu deren Mitgliedern auch der ehemalige Delfintrainer Ric O’Barry gehört) versprochen hatte. Lediglich 700.000 US-Dollar seien ausgezahlt worden. Als Gegenleistung für das Geld sagten die Dorfbewohner seinerzeit zu, keinen Delfin mehr töten zu wollen. Vom dem Geld sollten u.a. Sanitäranlagen gebaut werden.

Dass 1.000 Delfine ihr Leben lassen mussten, ist sehr tragisch und selbstverständlich von jedem Delfin-Freund zu verurteilen. Wenngleich man berücksichtigen muss, dass das (Über)Leben auf den Salomonen keinesfalls mit der Existenz der von Luxus verwöhnten westlichen Welt zu vergleichen ist.

Menschenverachtende Kommentare

Man kann dazu stehen, wie man will, doch absolut zu verurteilen sind menschenverachtende Kommentare auf der Facebook-Seite des WDSF. Dass der „Vorsitzende“ des WDSF mit seiner hämischen Aussage auch noch Öl in die hitzige Debatte schüttet, ist dabei äußerst verwerflich.

Hier noch ein Kommentar von Ortmüller (der inzwischen Druck von den Medien erhalten hat):

„… Der Autor Frank Schätzing hat dieses Szenario in seinem Buch (Roman) aufgezeigt und kaum einer hat sich darüber aufgeregt. Jetzt holt uns die Realität ein und die ist mehr als schlimm. Alles was man sich vorstellen kann, kann auch geschehen. Ob es ein Gesetz von Ursache und Wirkung gibt, mag dahin gestellt bleiben.“

Mit dieser „esoterischen“ Sichtweise, die das Leid der Inselbewohner in Anlehnung an einen Romanstoff als Rache der Natur interpretiert, zeigt Ortmüller einmal mehr, dass er mit seinen Schlagzeilen am Ziel vorbeischießt. Nicht nur weil die Inselgruppe Santa Cruz, auf der die Toten zu beklagen sind, nichts mit der Inselgruppe Malaitas zu tun hat, auf der in den vergangenen Wochen 1.000 Delfine getötet wurden …

Meiner Meinung nach sollte dieser Organisation, die gewaltverherrlichende Äußerungen ihrer User zulässt, die Gemeinnützigkeit aberkannt werden (siehe dazu auch Gemeinnützigkeit, die keinem nützt).

5 Kommentare

  1. Hier ein weiterer Beweis dafür, wozu sich "Tierschützer" hinreißen lassen. Auch dieser Beitrag wird von Jürgen Ortmüller auf seiner Facebook-Seite WDSF zugelassen. Der Kommentar richtet sich übrigens gegen mich:
    "Sie ist nicht nur eine Dummschwätzerin, sie ist unkompetent, sehr frech, menschenverachtend. Man sollte ihr den Mund mit totem Fisch endlich mal stopfen. Das ist meine öffentliche Meinung zu der ich jederzeit dazu stehe."

    geschrieben von Susanne
    1. Nun, ich hoffe, Du bringst diesen Kommentar zur Anzeige. Meines Erachtens eine klare (und damit strafbare) Beleidigung – auch in der Schweiz.

      Offenbar bilden sich die sogenannten "Delfinschützer" ein, Gesetze würden immer nur für die Anderen gelten. Es wird Zeit, dass sie endlich lernen, dass auch sie für Rechtsbrüche bestraft werden können.

      geschrieben von Norbert
  2. Ganz offenbar regt sich Herr Ortmüller dermaßen über diesen Artikel auf, dass er sich öffentlich zu Beleidigungen und unwahren Tatsachenbehauptungen hinreißen lässt. Seine Behauptung, sein Post würde noch stehen, ist meines Erachtens schlicht lächerlich, wenn man mal die Texte vergleicht.

    Auch seine "Gemeinnützigkeit" steht wohl inzwischen auf der Kippe (vgl. , ich bin gespannt, wie die Überprüfung durch die zuständigen Behörden ausgehen wird. http://www.slides-only.de/berichte/delfinarien/ge

    Wie sagt man so schön: Getroffene Hunde bellen!

    geschrieben von Norbert
  3. Da hat der putzige O. wohl wieder mit seinen üblichen Klagedrohungen (Anwaltskosten powered by Mitläufer – auch Spender genannt) um sich geworfen – siehe auch der Westen. Aber sehr schönes Ersatzfoto!

    Traurig wie immer, dass am Ende des Tages wohl wieder fast niemand mitbekommen wird, wie besagter Herr still und leise selbst alles flix löscht. Nicht, dass das etwas Neues wäre. Auf der Facebook Gruppe wird ja jeder unliebsame Gast komplett gesperrt, und alle nicht gewollten Kommentare ohne Kommentar gelöscht.

    Wie kann ein so offensichtlicher Lügner/Faktenverdreher/Spendenverschwender so viel Anklang finden?!

    geschrieben von Mathias
  4. Wie einfach es sich das WDSF macht, sieht man auch schon darin, dass es nicht erkennen (will?), dass die vom Tsunami heimgesuchten Santa Cruz Inseln über 700 km Luftlinie von der Insel Malaite, wo die Delfine getötet wurden, entfernt liegen.

    In der einfachen, auf niedrigstes Niveau aufbereitenden Darstellung des WDSF gibt es anscheinend nur die „Salomonen“, folglich gilt auch: mitgefangen, mitgehangen.

    Angesichts des Unglücks, das die Menschen dort ereilte, auch nur ansatzweise daran zu denken, dass „alles, was man sich vorstellen kann, auch geschehen kann“, ist für mich der Gipfel der Geschmacklosigkeit.

    Da sind Menschen zu Tode gekommen, die mit dem aktuellen und angeprangerten Delfinfang gar nichts zu tun haben, und das WDSF beschäftigt sich mit esoterischen Gedankenspielchen.

    geschrieben von Rüdiger

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