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Menschen lernen viel in zoologischen Einrichtungen


Zoos und Aquarien sind nicht nur zur Unterhaltung da. Anhand einer großen Studie wurde herausgefunden, dass Zoo-Besucher sensibel werden für die biologische Vielfalt und für den Schutz der Tiere bzw. deren Lebensraum.

Besucher an der Lagune (Foto: Susanne Gugeler)

Besucher an der Lagune (Foto: Susanne Gugeler)

In 26 Zoos und Aquarien aus 19 Ländern wurden 5.661 Menschen befragt. Die Untersuchungsergebnisse kann man im Einzelnen in Conservating Biology nachlesen.

Zoos erfüllen Bildungsauftrag

„Zoos und Aquarien sind in der einzigartigen Lage, einen Beitrag dazu zu leisten, das Verständnis der Artenvielfalt und deren Schutz auszuweiten. Tatsächlich erfüllt die Mehrheit der Einrichtungen einen Bildungsauftrag“, stellt Eric Jensen von der University of Warwick fest.

„Da die zoologischen Betriebe in der Öffentlichkeit hauptsächlich als Unterhaltungs-Einrichtungen gesehen werden, sind die Auswirkungen ihres Bildungsauftrags bisher nicht bekannt gewesen“, erklärt Jensen weiter.

Nach einem Zoo-Besuch wissen die Menschen mehr

Doch die aktuelle Studie zeigte nun einen Anstieg des Wissens über die biologische Vielfalt, nachdem die befragten Menschen einen Zoo oder ein Aquarium besucht hatten (vor dem Besuch: 69,8 Prozent, nach dem Besuch: 75,1 Prozent). Die Befragten konnten nach dem Besuch einer zoologischen Einrichtung auch mehr Vorschläge nennen, was sie selbst zum Schutz der Natur leisten können (vor dem Besuch: 50,5 Prozent, nach dem Besuch: 58,8 Prozent).

„Zum ersten Mal gibt es starke Hinweise darauf, dass viele Menschen diese Attraktionen nicht nur mit mehr Bewusstsein verlassen, sondern auch mit einem besseren Verständnis für die biologische Vielfalt und deren Erhaltung“, fügt Jensen hinzu.

Herausforderung für Zoos und Aquarien

Jensen weiter: „Die Herausforderung für Zoos und Aquarien ist nun, wie diese Erkenntnisse genutzt werden können, um direkt zur Verbesserung der Erhaltung der biologischen Vielfalt beizutragen. Denn es ist wichtig zu bedenken, dass eine Erhöhung der Kenntnisse nicht zwingend zu einer Verhaltensänderung führt. Der nächste ebenso wichtige Schritt sollte sein, auf diesem Wissen aufzubauen, um das Schutzverhalten und einen sozialen Wandel einzuleiten.“
(Quelle: WHAT 5,000 PEOPLE LEARNED AT THE ZOO)

Bei meinen Zoo-Besuchen mache ich immer wieder die Beobachtung, dass interessierte Menschen auf die Tierpfleger zugehen und von ihnen sowohl Anekdoten als auch Informationen über die Tiere wissen wollen. Ich kann also die Ergebnisse der Studie aus eigener Erfahrung bestätigen.

6 Kommentare

  1. Hallo zusammen!

    Ich möchte mich als zoologischer Leiter des Vogel- und NaturschutzTierparks Herborn und als Gründungsmitglied der BAG Internationaler Artenschutz im NABU herzlich für diese Beiträge bedanken!

    Auch ich bin der Überzeugung, dass das Naturschutzsensibilisierungs- und Bildungspotenzial unserer Zoologischen Gärten bei weitem noch nicht ausgeschöpft, und in unserer naturentfremdeten Gesellschaft heute nötiger denn je ist! Wenn es noch keine Zoos gäbe, so wäre es angesichts des beängstigenden Verlustes an biologischer Vielfalt weltweit dringend an der Zeit, sie zu erfinden!

    Nur wer Tiere kennt, wird Tiere schützen (Motto des Verbands der Zoologischen Gärten VDZ)!

    Dabei legen auch wir als kleinerer Tierpark unter dem Motto „NaturNah erleben!“ steigenden Wert auf die Ergänzung der natürlich ebenfalls angebotenen Leseinformation durch Erlebnisinformation.

    So finden bei uns – neben dem Programmangebot unserer Zooschule – täglich verschiedene Informationsfütterungen statt, bei denen wir nicht nur unsere Tiere als Individuen und die biologischen Besonderheiten ihrer Art vorstellen, sondern insbesondere auch auf die Gefährdungsursachen für die Arten und ihre Lebensräume aufmerksam machen. Egal ob Weiß- oder Schwarzstorch, Kranich, Papagei, Ringelnatter, Erdmännchen oder Lisztäffchen: Sie alle spielen bei uns eine große Rolle als Botschafter für die Bedürfnisse ihrer in der Natur (noch) lebenden Artgenossen!

    Und dieses Naturschutzbildungspotenzial nutzen wir natürlich auch im Rahmen unserer engen Kooperation mit den Naturschutzverbänden, vom NABU und BUND bis hin zu Grzimeks Zoologischer Gesellschaft Frankfurt, der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz, der Stiftung Artenschutz, dem WWF und der Loro Parque Fundacion.

    Nähere Informationen gibt es unter http://www.vogelpark-herborn.de.

    geschrieben von Wolfgang Rades
    1. Vielen Dank für diesen tollen Beitrag, Wolfgang!

      geschrieben von Susanne
  2. Danke für den Artikel!
    Mich freut es, dass diese Studie zu diesem Ergebnis kam. Aber was definitiv stimmt, ist, dass mehr Wissen nicht zwangsläufig zu besserem Verhalten führt, da muss man jetzt dran bleiben. Ich fände es deshalb schonmal einen guten Schritt, wenn etwas weniger über irgendwelchen Nachwuchs berichtet wird und man jeden Nachwuchs als Beitrag zum Artenschutz feiert. Da wird leider auch eine vollkommen überzogene Erwartungshaltung verursacht, dass Zoos viele Tiere durch Nachzucht retten könnten und auswildern könnten. Es ist ja eher so, dass die in-situ-Arbeit deutlich größer ist, worüber aber genauso wie über den Bildungsauftrag zu wenig berichtet wird. Aber leider mögen ja besonders die Boulevardzeitungen Meldungen von „süßem Nachwuchs“.
    Ich möchte nicht die teilweise wirklich guten Zuhcterfolge in Abrede stellen, aber ich denke, es ist klar, was ich meine ;)
    Dennoch ist schon alleine der Fakt, DASS mehr Besucher etwas über die biologische Vielfalt wissen, ein Gewinn.

    Zum Bildungsauftrag: Ohne Frage entwicklen sich auch hier die Zoos sehr gut. Als vorbildlichste edukativen Mittel würde ich multimediale Angebote wie z.B. die Bootsfahrt im Gondwanaland oder die Ausstellung im Darwineum bezeichnen. Also, Angebote, die Spaß machen, Edutainment sozusagen. Man hat zum Glück größtenteils erkannt, dass kaum ein Normalbesucher eher fade und langweilige Tafeln mit viel Text durchlesen möchte. Demstprechend finde ich auch die Entwicklung zu mehr kommentierten Fütterungen bzw. Führungen gut. Wie du/Sie (was ist denn hier für ne Umgangsform? :D ) schon geschrieben hast/haben, beobachte ich bei sowas auch, dass vor allem Kinder sehr interessiert sind und viel fragen, man muss es halt nur interessant machen.
    Eine interessante Möglichkeit, die mir vor allem in Zürich aufgefallen ist, sind so kleine mobile Stationen, an denen Freiwillige kindgerecht Wissen über Artenschutz vermitteln. In diesem Fall war das das Thema Wilderei und die Bedrohung von Katzen durch diese. Dazu gab es auch echte, vom Zoll beschlagnahmte Felle und dazu Modellfiguren der Tiere, die die Kinder den jeweiligen Kontinenten zuordnen mussten. Ich will da nicht zu viel hineininterpretieren, aber die Sation war sehr gut besucht (und das obwohl sich die Station im Löwenhaus, unmittelbar gegenüber der Innenanlage befand, in der zu dem Zeitpunkt auch Tiere, wenn auch „nur“ die Zwergotter, anwesend waren!).

    Nichstdesotrotz gibt es immer noch einigen Nahchholbedarf bei den Bildungsangeboten, ich glaube nämlich, dass das Bildungspotenzial noch viel größer ist.

    P.S. Darf ich den Artikel woanders (zoobeobachter.de) verlinken?

    geschrieben von JonLynx
    1. Hallo JonL.ynx, ob und wen du hier duzen oder siezen möchtest, bleibt ganz dir überlassen. Ich habe mal mit dem Du angefangen. ;o)
      Eine wunderbare Einrichtung für Kinder und Erwachsene ist auch die BIONIK-Ausstellung im Nürnberger Tiergarten gleich links vom Eingang. Dort gibt es viele Stationen, an denen die Besucher biologische und technische Phänomene erfahren und vieles selbst ausprobieren können.
      Ich habe schon öfter auf meiner Kinderseite darüber berichtet:Siehe im Inhaltsverzeichnis unter der Überschrift „Zum Lernen und Experimentieren“
      http://www.derkleinedelfin.de/was-es-hier-alles-zu-lesen-gibt/
      Klar kannst du den Artikel verlinken.
      Viele Grüße und vielen Dank für deinen sehr interessanten Beitrag!
      Susanne

      geschrieben von Susanne
      1. Dankeschön ;)
        Ja, ich duze dann einfach mal, finde ich irgendwie besser. Aber manche legen halt Wert auf’s Sie, weshalb ich lieber mal nachfragen wollte.

        Die BIONIK Ausstellung kenne ich wie auch den gesamten Tiergarten leider nicht, hört sich aber äußerst interessant an.
        Dinge zum Anfassen sind erfahrungsgemäß sowieso für Kinder spannend, von daher ist es schonmal ein gute Ansatz.

        geschrieben von JonLynx
  3. Diese mit Zahlen belegten Fakten sollen die emotionsgeladenen Zoo- und Delfinarien-Hasser erst mal widerlegen. Das können sie nicht!

    geschrieben von Rüdiger

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