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Hungertod oder Vernachlässigung?


Delfine sind immer wieder ein beliebtes Thema in den Medien. Vor allem wenn sich mit ihnen emotionsgeladene Meldungen verbinden lassen.

Rüdiger Hengl

Große Tümmler bei Sansibar (Foto: Rüdiger Hengl)

Warum starben ukrainische Delfine?

Zurzeit kann man im Internet folgende Nachricht lesen: In Russland und in der Ukraine streitet man sich darüber, warum einige militärisch ausgebildete Delfine gestorben sind. Um wie viele Tiere es sich dabei handelt, habe ich nicht herausgefunden.

Die Meeressäuger wurden offenbar 2014 beim Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine übernommen. Die Tiere sollen später von ihren neuen Besitzern für Spezialaufträge ausgebildet worden sein.

Der ukrainische Repräsentant auf der Krim, Boris Babin, begründet – laut Medienberichten – den Tod der Delfine damit, dass sie sich nicht an die russischen Trainer gewöhnt und zunächst die Kooperation mit diesen, später dann auch die Nahrung verweigert hätten.

Russlands Version sieht anders aus: Die Tiere seien bereits vor 2014 eines natürlichen Todes gestorben, nachdem das ukrainische Militär sie in private Hände verkauft hätte. Nach Meinung von Dmitri Belik, Abgeordneter in der Staatsduma, seien sie vernachlässigt worden.

Ist die Geschichte nun „heldenhaft“, weil die Delfine treu zu ihren ukrainischen Besitzern gehalten haben, oder einfach nur „Blödsinn“, wie die russische Seite in der hitzigen Diskussion behauptet?

Militärische Aufgaben bereits im kalten Krieg

Im „Okeanarium“ in Sewastopol, wo die Delfine zuletzt gehalten worden waren, wurden während des kalten Krieges – genauso wie im amerikanischen San Diego – Delfine für militärische Zwecke ausgebildet. Sie sollten feindliche Taucher und Unterwasserminen aufspüren, militärische Ausrüstungsgegenstände auf See einsammeln und Menschen helfen, die über Bord gegangen waren. Ob und wie die Delfin-Einheit genau eingesetzt wurde, ist allerdings nicht bekannt.
(Quellen: Kummer-Tod und Ukrainische Militär-Delfine sind tot)

3 Kommentare

  1. Die Ukrainer haben nach der Besetzung der Krim vergeblich versucht, die Delfine zurückzufordern. Ihre einzige Chance, sich irgendwie dafür zu revanchieren war es, den Tod der Tiere bei den russischen Trainern zu vermelden. Die Meldung ist aus professioneller Sicht total unglaubwürdig. Die Tiere hungern sich nicht zu Tode, wenn sie neue Trainer bekommen oder weil sie sogar irgendwelche patriotischen Gefühle entwickelt haben. Vor allem sterben nicht einfach alle Delfine.

    Die Russen haben die Delfine wahrscheinlich schnell von der Krim weggebracht, weil sie andere Pläne mit ihnen hatten. Sie haben auch kein Interesse daran zuzugeben, dass sie sie weggebracht haben oder wo sie jetzt sind, deshalb vermelden sie ebenfalls den Tod der Tiere, schieben es aber der mangelhaften Behandlung durch die Ukrainer vorher in die Schuhe.

    Kurzum: Fake news auf beiden Seiten. Die Delfine werden an anderer Stelle gut verwahrt sein, dort, wo noch nicht einmal deutsche Aktivisten mit gecharterten Helikoptern hinkommen.

    geschrieben von Benjamin
  2. Ich befürchte, der Tod der Delfine lässt sich in einem Wort zusamemfassen: Inkompetenz und/oder fehlende Ausstattung!

    Delfine fachgerecht zu halten, ist weit schwieriger, als es von außen aussieht. Es hat schon seinen Grund, dass die meisten Delfinarien von ihrem medizinischen Equipment besser ausgestattet sind, als manche Krankenhäuser. Geräte zur Gen-Sequenzierung (Viren-Bestimmung) und andere teuere High-Tech steht da nicht zum Spaß herum.

    Zudem können bereits wenige Tage Futtermangel (oder falsches Futter) zu ernsten gesundheitlichen Problemen führen – Delfine können das Wasser, indem sie schwimmen, nicht trinken. Sie decken ihren Wasserbedarf ausschließlich aus dem Futter (viel fällt auch im Stoffwechsel an), wenn sie nicht per Schlauch „betankt“ werden (macht man bei älteren Tieren, um die Nieren zu unterstützen) oder Gelantine-Brocken (95 – 98% Wasser) bzw. Eiswürfel bekommen.

    geschrieben von Norbert
  3. Da stellt sich natürlich die Frage, welcher Seite man glauben soll, da wir ja auch nicht dabei waren. Vielleicht liegt die Wahrheit aber auch irgendwo dazwischen. Wenn ich bei Wikipedia lese, dass die Quelle der Aussage auf russischer Seite vom Nachrichtendienst Sputnik stammt, der sich laut Wikipedia nach Aussage seines Generaldirektors „an ein Auditorium richte, das nach alternativen Meinungen suche“, dann tendiere ich in diesem Fall eher dazu, die Aussage der Ukrainer als glaubwürdiger anzusehen.

    geschrieben von Oliver

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