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Weniger Beifang dank Delfinarien


Dieser Beitrag passt gut zu dem vorangegangenen vom 22. Juli, der die erfolgreiche Beifangreduzierung bei Schweinswalen in der Ostsee zum Thema hatte.

Ein Schweinswal schwimmt an einer Boje vorbei, welche die Funktion des zu testenden PAL-Warngeräts hat.
(Foto: Prof. Boris Culik, Heikendorf)

Beobachtungen im Delfinarium

Die Technik, die Meeressäuger von Fischernetzen fernhalten soll, wird laufend optimiert. Und das geschieht mithilfe von in Delfinarien und Walarien gehaltenen Tieren. Dort wird die Reaktion der Tiere auf Warnvorrichtungen oder andere Beifangvermeider beobachtet, bevor die Geräte dann in Freilandversuchen und schließlich in großer Anzahl von den Fischern im offenen Meer eingesetzt werden.

Schweinswal-Warnungs-Gerät

Auch der Meeresbiologe Professor Boris Culik ging diesen Weg. Seine Entwicklung der PALs-Geräte (PAL = Porpoise Alert = Schweinswal-Warnung) kommt nun nach langer Forschungs- und Testzeit den bedrohten Schweinswalen in der Ostsee zugute. 70 Prozent weniger Beifang lautet die bisherige Erfolgsquote.

Der Wissenschaftler entwickelte Signalerzeuger, die naturgetreue Schweinswal-Kommunikationslaute aussenden, um die Tiere anzuregen, ihr Sonar zu nutzen.

Entgegen landläufiger Meinung setzen die Tiere ihre Echolokation nämlich nur ein, wenn es für sie erforderlich scheint – also wenn sie beispielsweise auf Beutejagd gehen oder wenn sie Artgenossen aufspüren bzw. warnen wollen. Sonst bleiben sie stumm. Unvorbereitet schwimmen sie im trüben Wasser in die fast unsichtbaren Netze, ohne sie vorher geortet zu haben. Ihr Sonarsinn war einfach nicht „eingeschaltet“.

Getestet hat Culik das PAL-Gerät mithilfe von Schweinswalen, die im Fjord & Belt Center (Dänemark) gehaltenen werden.

Forschungs- und Informationseinrichtung

Aber Delfinarien und Walarien sind nicht nur Forschungsstätten, in denen Geräte entwickelt werden, die den Artgenossen im Meer helfen sollen. Wissenschaftlich geführte Einrichtungen setzen außerdem auf Information. Sie machen ihr Publikum während der Vorführungen mit Großen Tümmlern oder Schweinswalen auf die Gefahren aufmerksam, denen die Meeressäuger im Ozean ausgesetzt sind.

Diese Informationen werden via Schneeballsystem in die Welt hinausgetragen. Mit Spendengeldern werden Schutzprogramme unterstützt. Delfine & Co. werden daher auch gerne „Flaggschiffe“ der Zoos genannt. Das bedeutet, dass die Tiere durch ihre Beliebtheit bei den Zoobesuchern indirekt auch auf den Schutz ihres natürlichen Lebensraums Einfluss haben.

Weiterentwicklung für Delfine und Großwale

PAL-Geräte sollen in Zukunft auch für Delfine und Großwale eingesetzt werden. Die Forschung zur Wirksamkeit dieses Modells wird – laut ZoosMedia – aktuell zum Beispiel vor den Kanarischen Inseln an Grindwalen durchgeführt.

Kein Fischer muss einen geringeren Fang befürchten

Zum Abschluss noch ein Zitat, das ich der ZoosMedia-Website entnommen habe: „All diese Geräte eint, dass sie andere Tierarten nicht negativ beeinflussen sollen, für fast alle Fischarten unhörbar sind und sowohl den EU- als auch den US-Vorschriften konform sein müssen. Beim Schweinswal-PAL wurde nicht nur die Wirksamkeit in Bezug auf die Beifangvermeidung nachgewiesen, sondern auch, dass die Fangerträge der Fischer nicht negativ beeinflusst werden. Auch das konnte belegt werden: kein Fischer muss einen geringeren Fang fürchten. Hierbei war auch die Grundlagenforschung aus Aquarien zum Gehör von Fischen wichtig.“
(Quellen: ZoosMedia und www.f3mt.net)

Lesetipps

* Weniger Schweinswale in Netzen
* Bund fördert Warnsignalgerät PAL

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