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Zum Wohlbefinden der Delfine


In Harderwijk (Niederlande) wurde im Delfinarium eine Langzeitstudie zum Wohlbefinden der Delfine durchgeführt.

Begegnung am Panoramafenster im Delfinarium in Harderwijk
(Foto: Rüdiger Hengl)

Fazit: Das tägliche freiwillige Mitmachprogramm ermöglicht den Betreuern, Krankheiten im frühen Stadium festzustellen.

Tiere verbergen Krankheitsanzeichen

Das ist ganz wichtig, weil Delfine – genauso wie andere Tiere – Krankheitssymptome möglichst gut verbergen. In der freien Wildbahn ist dies auch überlebensnotwendig, da kranke Tiere eine leichte Beute für Fressfeinde darstellen.

Die täglichen Trainingseinheiten in einer zoologischen Einrichtung bieten eine gute Möglichkeit, herauszufinden, ob ein Delfin eine Krankheit ausbrütet.

So konnte während der Studie festgestellt werden, dass Tiere, die nicht bei den Übungen mitmachten, sich oft im Vorstadium einer Krankheit befanden.

Weitere Parameter

Doch in die Studie flossen auch noch andere Parameter ein, zum Beispiel ob das Tier neue „Rake Marks“ aufwies und wie groß diese waren. Rangeleien unter den Delfinen werden meist durch diese „Rake Marks“ (Zahnspuren auf der Haut) erkannt.

Außerdem war die Nahrungsaufnahme ein wichtiger Faktor der Untersuchung.

Es wurde festgestellt, dass Tiere mit einer höheren Bereitschaft zur Teilnahme an Trainingseinheiten (Willingness to Participate = WtP) einen signifikant besseren Gesundheitszustand aufwiesen, einen höheren Prozentsatz des ihnen angebotenen Futters zu sich nahmen und weniger neue Zahnspuren auf der Haut aufwiesen.

Niedriger Wert deutet auf Krankheit hin

Der sogenannte WtP-Wert gab Aufschluss darüber, wie hoch die Wahrscheinlichkeit war, dass sich eine Krankheit ankündigte.

Bereits vor dem Besuch des Tierarztes, bei dem eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes festgestellt wurde, sank dieser Wert. Das heißt, das Tier machte nicht mehr so oft oder gar nicht bei den Trainingseinheiten mit.

Es ist leicht zu verstehen, dass ein Delfin, dessen Gesundheit beeinträchtigt ist, der weniger frisst und in Rangeleien verwickelt ist, auch weniger gewillt ist, am täglichen Übungsprogramm teilzunehmen, weil er sich in einem negativen affektiven Zustand befindet.

Der WtP-Wert eignet sich laut Studie gut als Frühindikator für eine sich anbahnende Krankheit. Diesen vorpathologischen Zustand versuchen Tiere – wie bereits oben angedeutet – in freier Wildbahn zu kaschieren. Doch im Delfinarium kann rechtzeitig auf eine Krankheit im Anfangsstadium reagiert werden.

Soziale Probleme werden erkannt

Ein niedriger WtP-Wert kann aber auch auf soziale Probleme in der Gruppe hinweisen.

Die Bereitschaft zur Teilnahme an Bewegungsprogrammen kann daher sehr gut als Indikator für eine Beeinträchtigung – sei sie medizinisch oder sozial bedingt – hergenommen werden.

Verbesserung der Haltung

Diese Ergebnisse lassen insgesamt den Schluss zu, dass die Messung des WtP durch sachkundige Fachkräfte im Training ein genaues und umfassendes Maß für das Wohlbefinden der Delfine darstellt und für die Haltung dieser Tiere in menschlicher Obhut hilfreich sein kann.

Allerdings sind noch weitere Arbeiten zum kausalen Zusammenhang zwischen den beitragenden Faktoren erforderlich.
(Quelle: Dolphins’ Willingness to Participate (WtP) in Positive Reinforcement Training as a Potential Welfare Indicator, Where WtP Predicts Early Changes in Health Status)

Lesetipp

Schrammen auf Delfin-Haut

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