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Die Antwort auf TripAdvisor


Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, hat die Online-Bewertungsplattform TripAdvisor angekündigt, keine Tickets mehr für Einrichtungen zu verkaufen, in denen Delfine gehalten werden.

Delfine unter Wasser im Nürnberger Tiergarten (Foto: Susanne Gugeler)

Das betrifft auch den Nürnberger Tiergarten, der sich übrigens in diesem Jahr wieder über einen fantastischen Besucherzulauf freuen konnte.

Nürnberger stehen zu ihrem Tiergarten

Zum Glück sind die Tierfreunde in Nürnberg und weit über die Frankenstadt hinaus nicht auf Tourismusportale wie TripAdvisor angewiesen. Denn sie stehen zu ihrem Tiergarten und auch zu den dort gehaltenen Großen Tümmlern.

Offener Brief

Ich finde daher die Antwort von Dag Encke – dem Tiergartenleiter – auf die Mail von TripAdvisor sehr gelungen.

Er hat in einem offenen Brief in sechs „Fehlanzeigen“ klargestellt, dass die Behauptungen des Berwertungsportals schlichtweg unhaltbar sind.

Schlecht recherchiert und potenziell tierschädlich

So seien die aufgestellten Thesen der Touristikplattform im Schreiben zum Tierwohl schlecht recherchiert und potenziell tierschädlich. Zum Beispiel fordere TripAdvisor, dass das Einfangen von Wildtieren beendet werden müsse. Dabei wird für den Nürnberger Tiergarten bereits seit Jahrzehnten (!) kein Delfin mehr dem natürlichen Lebensraum entnommen.

Unseriöser Populismus

Eine pauschale Diskreditierung der Haltung von Delfinen im Tiergarten sei außerdem aus wissenschaftlicher Sicht unseriöser Populismus. Encke macht anhand von Beispielen klar, dass das Nürnberger Delfinarium dem Artenschutz und dem Populationsmanagement diene.

Nur eine Handvoll Menschen nutzen Tripadvisor

Auch Nürnbergs Bürgermeister Christian Vogel stellt sich hinter den Tiergarten. „Es ist ein abenteuerlicher Ansatz, der in der Begründung von diesem Anbieter steht“, kritisiert er auf seiner Facebook-Seite die Bewertungsplattform TripAdvisor. Und weiter sagt er: „Über 1,2 Millionen Besucherinnen und Besucher in diesem Jahr konnten auf TripAdvisor verzichten, die Handvoll Menschen die in diesem Jahr TripAdvisor für den Tiergarten genutzt haben, werden ganz sicher ohne Probleme zukünftig auch darauf verzichten können.“

Zitat aus Enckes offenem Brief

Dag Encke: „In Ihren Tierschutzrichtlinien berufen Sie sich auf ‚wissenschaftliche Beweise‘, dass die Haltung von Delphinen tierschutzwidrig sei. Tierschutzwidrigkeit muss anhand konkreter Haltungsbedingungen und konkret betroffener Tiere nachgewiesen werden. Das hierfür notwendige Werkzeug ‚Animal Welfare Assessment‘ ist eine wissenschaftliche Disziplin. Zur Beurteilung des ‚Animal Welfare Status‘, also des individuellen Wohlergehens von Delphinen, bedarf es methodisch einwandfreier wissenschaftlicher Methoden, die in jedem Einzelfall anzuwenden sind. Ihrer Ablehnung unserer Tierhaltung fehlt jeder Bezug auf ein konkretes ‚Welfare Assessment‘. Sie erwähnen nicht einmal, welcher Methode des Assessments Sie sich für Ihre Bewertung bedienten.“

Erst kennenlernen, dann kritisieren

Auch der Abschlusssatz von Encke sollte den Verantwortlichen von TripAdvisor zu denken geben.

„Vielleicht hätten Sie von dem Schreiben abgesehen, wenn Sie unsere Einrichtung vorher kennengelernt hätten.“

Genau diesen Rat möchte ich jedem Delfinariengegner mit auf den Weg geben. Man sollte zumindest Einblick in die Haltung haben, bevor man einfach drauflos wettert oder kritiklos die gebetsmühlenartig vorgebrachten Behauptungen von Aktivisten übernimmt. Siehe dazu auch ausführlich unter dem Stichwort Delfinarien.

Lesetipps

* Offener Brief von Dag Encke
* Tiergarten Nürnberg wehrt sich gegen TripAdvisor-Bann
* Wegen Delfinarium: Sperrt Tripadvisor Nürnberger Tiergarten aus?

2 Kommentare

  1. Vielen Dank für Ihre klaren Worte und auch Ihnen ein frohes Fest und einen guten Start ins neue Jahr!

    geschrieben von Susanne
  2. Liebe Freunde der „Meeresakrobaten“, liebe Natur- und Tierfreunde,

    ich habe mich sehr über die deutlichen Worte von Dag Encke in seinem offenen Brief an TripAdvisor gefreut, und möchte angesichts der derzeitigen „Zwillingskrise Klimawandel und dramatischer Verlust der Biodiversität“ (wie Olaf Tschimpke, langjähriger Präsident des NABU, die Situation neulich sehr treffend charakterisiert hat) gerade jetzt zu Weihnachten und zum Jahreswechsel an alle WIRKLICHEN Natur- und Tierfreunde appellieren, nicht den Pharisäern der radikalen Tierrechtsbewegung auf den Leim zu gehen, sondern in unserem dringend erforderlichen Engagement für den Natur- und Umweltschutz den Schulterschluss mit SERIÖSEN Akteuren zu suchen!
    Es gilt deswegen auch mehr denn je, alle MODERNEN Zoos, darunter nicht zuletzt den Tiergarten Nürnberg wie natürlich auch den Loro Parque (für den ich mich als Artenschutzbeauftragter engagiere) zu unterstützen, wozu übrigens auch jeder Besuch eines seriösen MODERNEN Zoos beiträgt.
    So unterstützt Loro Parque mit zehn Prozent der Eintrittsgelder das vorbildiche Engagement seiner Naturschutzstiftung, der Loro Parque Fundacion, die mit schon mehr als 21,5 Millionen Dollar über 180 Natur- und Artenschutzprojekte weltweit unterstützt hat, und damit u.a. wesentlich dazu beigetragen hat, dass wenigstens neun Papageienarten vor der drohenden Ausrottung bewahrt werden konnten. Seit der Haltung von Orcas im Loro Parque 2006 kommt auch die Unterstützung bedeutender Meeresschutzprojekte hinzu.
    Grundsätzlich darf es gerade im Interesse des Natur- und Artenschutzes, wie auch eines wirklich dem Tierwohl zugutekommenden Tierschutzes mit Augenmaß, nicht sein, dass sich eine schweigende Mehrheit in unserer Gesellschaft von einer ideologisch verblendeten (und teils nicht wenig geschäftstüchtigen!) Minderheit radikaler „Tierrechts“-Organisationen durch deren Versuche, Medien, Politiker, Behörden und auch seriöse NGOs durch verlogene Kampagnen zu manipulieren, dominieren lässt!
    Vielmehr sollte es angesichts der gewaltigen Herausforderungen unserer Zeit heißen: „Wenn es noch keinen (MODERNEN!!! – Leider gibt es auch noch schwarze Schafe…“) Zoo gäbe, so wäre es höchste Zeit, ihn zu erfinden!“
    Hierzu hat Ende September der Berliner Publizist Heiko Werning einen lesenswerten Beitrag in der TAZ veröffentlicht, den ich allen Freunden der Meeresakrobaten empfehlen möchte:
    https://taz.de/Klimawandel-und-Biodiversitaet/!5626458/

    „Wer Tiere kennt, wird Tiere schützen“ lautet der Leitspruch des Verbands der Zoologischen Gärten VdZ!
    In diesem Sinne wünsche ich allen WIRKLICHEN Natur- und Tierfreunden ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und alles Gute für 2020,
    Wolfgang Rades

    geschrieben von Wolfgang Rades

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