Grönlandwale kommunizieren – genauso wie andere Bartenwale – mit lang gezogenen Tönen, die an Gesänge erinnern.
Grönlandwale scheinen sich unter dem Meereis nordwestlich von Spitzbergen fortzupflanzen, während sie das offene Wasser in der östlichen Framstraße als Durchzugsgebiet nutzen. (Foto: Ocean Acoustics Group – AWI OZA )
Rufe wurden in abgelegenen Regionen erfasst
Sie kommen ausschließlich im Arktischen Ozean vor. Mit Hydrophonen, die im teils eisbedeckten Nordpolarmeer installiert wurden, konnten Forschende aus der Gruppe Ozeanische Akustik am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) die Unterwassergeräusche aufzeichnen.
So konnten sie die Rufe der Tiere in abgelegenen Regionen erfassen, ohne selber vor Ort zu sein – und anhand der akustischen Daten Rückschlüsse auf das Vorkommen und Verhalten ziehen.
Grönlandwale halten sich im Packeis auf
Vor allem in Fortpflanzungsgebieten sind Grönlandwale sehr kommunikationsfreudig.
Überraschend war, die Grönlandwale tief im Packeis anzutreffen, wo sie kleine Atemlöcher zum Luftholen nutzen. In eisfreien Gebieten wurden lediglich kurze Rufe aufgezeichnet.
Im Februar war die „Gesangslust“ der Wale besonders groß. Sie stimmten bis zu acht verschiedene Melodien an.
Die AWI-Biologin Marlene Meister erläutert dazu: „Eine mögliche Erklärung ist, dass im Februar mehr Tiere in der Region anwesend waren und jeweils unterschiedliche Songs produzierten, sodass die Song-Diversität anstieg. Auch denkbar ist, dass einzelne Tiere im Februar vielfältiger gesungen haben, was ihnen einen reproduktiven Vorteil verschaffen könnte, etwa wenn Weibchen diejenigen Männchen bevorzugen, die ein besonders großes Song-Repertoire haben.“
In eisfreien Zone keine Gesänge
In einer dauerhaft eisfreien Zone (Framstraße – Wasserstraße zwischen Grönland und Spitzbergen) wurden lediglich Rufe, aber keine Gesänge aufgezeichnet. Wahrscheinlich lag sie außerhalb des Fortpflanzungsgebiet der Wale und wurde nur zur Durchquerung genutzt.
Grönlandwale wurden massiv bejagt
Die Population rund um Spitzbergen wurde zu Zeiten des kommerziellen Walfangs massiv bejagt. Es blieben schätzungsweise nur noch wenige Hundert Individuen übrig. Vor dem Walfang waren es 33.000 bis 65.000 Tiere.
Rückgang des Eises bedroht die Wale
Heute werden die Grönlandwale nicht mehr durch die direkte Jagd bedroht, sondern durch den Rückgang des arktischen Meereises.
„Verschwindet das Eis, verliert die Population einen zentralen Lebensraum“, sagt Marlene Meister. „Für die Tiere ist es vermutlich kaum möglich, weiter nach Norden auszuweichen, weil sie dort nur sehr begrenzt Nahrung finden.“
Gleichzeitig wird der Arktische Ozean durch das schwindende Eis für die Schifffahrt besser zugänglich. Dies wiederum verstärkt das Risiko, dass Lebensräume durch Lärm oder Öl verschmutzt werden oder Wale mit Schiffen kollidieren.
(Quellen: AWI und geo.de)
