2022 wurde an der Küste der sibirischen Beringinsel die abgetrennte Rückenflosse eines Orcas gefunden.
Spuren von Orca-Zähnen
Da auf der Haut Verletzungen in regelmäßigen Abständen zu erkennen waren, vermutete der Forscher Sergey Fomin, es handle sich dabei um Spuren von Orca-Zähnen.
Zwei Jahre später wurde erneut eine mit Bissspuren versehene Rückenflosse auf der Beringinsel angeschwemmt.
Residents und Transients
Bei DNA-Analysen kam heraus, dass beide Rückenflossen von Resident Orcas (also ortstreuen Orcas) stammten. Diese leben im nordöstlichen Pazifik. Offenbar hatten Meeresströmungen sie bis nach Sibirien getragen.
Die Wissenschaftler Sergey Fomin, Olga Filatova und Ivan Fedutin von der Süddänischen Universität in Odense vermuteten, dass eine pazifische Unterart – die Biggs-Orcas oder Transients – Jagd auf die Residents gemacht hat.
Residents und Transients haben keine natürlichen Feinde.
Unterschiede der beiden Spezies
Die Transients formieren sich in kleinen Gruppen, die sich immer wieder neu zusammenfinden und im Team jagen. Sie kommen von Kalifornien bis Alaska vor und jagen Meeressäugetiere wie Robben und Seelöwen.
Die Residents leben in den Gewässern im Nordwesten Kanadas bis nach Seattle. Sie wandern nicht, jagen Fische (vor allem Lachse) und leben in Großfamilien (sogenannten Clans) zusammen.
Beide Unterarten paaren sich nicht untereinander. Es wurde beobachtet, dass die Residents die Transients aus ihrer Nachbarschaft vertreiben.
Vermutung zum Kannibalismus
Man könnte vermuten, dass die Transients Kannibalismus betreiben. Doch zwei angeschwemmte Flossen sind einfach ein zu dünnes Beweismittel dafür, dass eine Transient-Gruppe Orcas der Resident-Gruppe gefressen haben könnte.
Die Bisswunden können auch aus anderem Grund – zum Beispiel während eines Kampfes – entstanden sein. Auch wäre es möglich, dass sich hungrige Schwertwale über einen toten Orca oder dessen Überreste hergemacht haben.
Orcas fressen auch Aas, so zum Beispiel getötete Großwale. Allerdings sinken die Kadaver von Schwertwalen recht schnell auf den Meeresgrund. Sie sind also für einen Verzehr nicht mehr erreichbar.
Gezielte Attacken
Die Forschenden denken eher an gezielte Attacken der einen Spezies auf die andere. Ob dabei ein Tier gefressen wird, ist nicht bewiesen.
(Quelle: geo.de)

