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Jedes Jahr stranden Tausende Wale und Delfine


Insgesamt fünfmal ist der Buckelwal Hope (Timmy) in der Ostsee gestrandet und hat den gefährlichen „Landgang“ wochenlang überlebt.

Gestrandete Kleine Schwertwale in Südafrika (Foto: Kaia Kohrs)

In einer dramatischen Transportaktion wurde Hope dann in die Nordsee gebracht und dort ins Meer entlassen. Viele Beobachter bezweifeln, dass der stark geschwächte Wal diese Prozedur überlebt hat. Es gibt seit dem 2. Mai jedenfalls keine gesicherten Lebenszeichen von Hope.

Wie sieht es mit anderen Walen aus?

Weltweit werden viele Meeressäuger an die Küsten gespült. Die meisten Strandungen gehen tödlich aus.

Das Cetacean Strandings Investigation Programme (CSIP) der Zoological Society of London hat seit 1990 mehr als 12.000 gestrandete Wale dokumentiert.

So traurig Strandungen auch sind, sie können andererseits bedeuten, dass sich eine Walpopulation erholt hat und deshalb mehr Individuen an der Küste gesichtet werden als noch zu Walfangzeiten.

Weißschnauzendelfin befindet sich in SOS-Station

Ganz aktuell ist die Strandung eines Weißschnauzendelfins in den Niederlanden. Er befindet sich zurzeit in der Auffangstation SOS Dolfijn, die ihren Sitz im Tierpark von Anna Paulowna hat.

Viele Strandungsursachen

„Es gibt vermutlich ebenso viele Gründe für das Stranden von Walen und Delfinen, wie es Strandungsereignisse selbst gibt“, sagt Kevin Robinson, Direktor der Cetacean Research & Rescue Unit, einer schottischen Meeresschutzorganisation.

Mögliche Ursachen können sein:

*** Topografische Faktoren: Sanft abfallende Küstenzonen und Gezeitenverhältnisse können für Wale und Delfine wie eine natürliche Falle wirken. Topografische Faktoren spielen vor allem in Farewell Spit in Neuseeland, entlang der Nordseeküsten oder bei Cape Cod an der Ostküste der USA eine Rolle.

*** Natürliche Ursachen: Oft sind gestrandete Meeressäuger krank, verletzt oder desorientiert. Auch Altersschwäche spielt eine Rolle beim Stranden. Außerdem können Geburtswehen die Orientierung und Bewegungsfähigkeit von Walweibchen beeinträchtigen.

*** Jagdverhalten: Wenn Beutetiere nahe an die Küste geraten und von Walen oder Delfinen verfolgt werden, kann es zu Strandungen kommen.

*** Menschliche Einflüsse: Kollisionen mit großen Schiffen, verschmutztes Wasser, akustische Belastung und Plastikmüll, Verheddern in Fischereigerät können zu Strandungen führen. Wegen Überfischung auf den Meeren werden Meeressäuger oft dazu gezwungen, ihre Beute nahe an der Küste zu suchen. Dabei können sie stranden. Der in der Ostsee gestrandete Buckelwal hatte ein Fischernetz um seine Fluke gewickelt.

Massenstrandungen

Von Massenstrandungen spricht man, wenn mindestens zwei Tiere – ausgenommen Mutter-Kalb-Paare – bis hin zu ganzen Gruppen von Walen gleichzeitig betroffen sind. Man weiß von Fällen, in denen Hunderte Grindwale gestrandet sind.

Als soziale Tiere bleiben Gruppen oft zusammen und stranden auch gemeinsam. Werden ein paar Tiere zurück ins Meer gebracht, kann es vorkommen, dass auch diese wieder zu ihren Artgenossen an Land zurückkehren.

Wettlauf gegen die Zeit

Meeressäuger werden an Land durch ihr Eigengewicht belastet. Die Blutzirkulation funktioniert dann nur noch eingeschränkt. Eine dicke Blubberschicht (Speckschicht) kann schnell zur Überhitzung führen.

Bei auflaufender Flut kann Wasser ins Blasloch geraten und zum Ertrinken führen.

Wird ein gestrandetes Tier entdeckt, muss unverzüglich eine zuständige Behörde oder spezialisierte Meeresschutzorganisationen verständigt werden. Bis Rettung naht, sollte der Wal oder Delfin feucht gehalten werden und vor direkter Sonne geschützt werden. Es darf auf keinen Fall Wasser ins Blasloch gelangen.

Im Dienst der Wissenschaft

Verstirbt das Tier oder muss es eingeschläfert werden, liefert sein Körper noch wertvolle Daten für die Wissenschaft.
(Quellen: National Geographic und SOS Dolfijn)

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