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Tempolimit hilft Wale retten


Laut einer vom IFAW (International Fund for Animal Welfare) durchgeführten Umfrage würden 72 Prozent der Befragten in Deutschland längere Lieferzeiten für Waren und Pakete akzeptieren, wenn dies zur Verringerung von Unterwasserlärm beiträgt.

Gemeiner Delfin vor Kreuzfahrtschiff
(Foto: Rüdiger Hengl)

„Unterwasserlärm ist eine unsichtbare, aber reale Bedrohung für die Artenvielfalt der Ozeane“, sagt Andreas Dinkelmeyer, Kampagnenleiter des IFAW in Deutschland. „Die Umfrage zeigt deutlich, dass die Bevölkerung Maßnahmen zur Reduzierung der Schiffsgeschwindigkeiten klar unterstützt – und sogar bereit ist, längere Lieferzeiten in Kauf zu nehmen, um Wale und andere Meerestiere besser zu schützen.“

Aufklärung tut not

Die Meeresschutzorganisation OceanCare schreibt dazu: Der Wille ist da, der Aufklärungsbedarf ist signifikant: 98 Prozent der Befragten wollen das Meeresleben schützen – doch das öffentliche Bewusstsein wird stark von sichtbaren Bedrohungen geprägt: 81 Prozent nennen Plastikverschmutzung als größte Gefahr, während nur 14 Prozent Unterwasserlärm und 16 Prozent die Versauerung des Ozeans als Bedrohung identifizieren.

Einmal aufgeklärt, fordern die Befragten sofortiges Handeln: 89 Prozent verlangen dringende Maßnahmen, 84 Prozent befürworten langsamere Geschwindigkeiten für Schiffe, 78 Prozent wollen verbindliche Regelungen statt freiwilliger Empfehlungen.

Dreifach-Effekt

Unterwasserlärm, verursacht durch Schifffahrt, könnte durch eine einfache Maßnahme sofort gesenkt werden: Eine verbindliche Temporeduktion in der Schifffahrt reduziert Unterwasserlärm, Treibhausgasemissionen und reduziert das Risiko, mit Walen zu kollidieren.

„Blue Speeds“ müssen eingeführt werden

Aus Sicht des IFAW unterstreichen die Umfrageergebnisse die dringende Notwendigkeit, „Blue Speeds“ einzuführen – eine Reduzierung der Schiffsgeschwindigkeiten um etwa zehn Prozent.

Diese Maßnahme zählt zu den einfachsten und zugleich wirksamsten Ansätzen, um den durch die Schifffahrt verursachten Unterwasserlärm deutlich zu verringern. Weltweit könnte eine solche Geschwindigkeitsanpassung den Unterwasserlärm unmittelbar um bis zu 40 Prozent senken. Gleichzeitig ließe sich das Risiko von Kollisionen mit Großwalen halbieren und die Treibhausgasemissionen der internationalen Schifffahrt um rund 13 Prozent reduzieren.

Weitere Lärmverursacher

Auch impulsiver Unterwasserlärm, durch Schallkanonen bei der Suche nach neuen Öl- und Gasvorkommen im Meeresboden oder durch militärische Aktivitäten erzeugt, hat verheerende Auswirkungen: Zu den lautesten menschengemachten Tönen überhaupt gehörend, können die Schallkanonen physische Schäden oder sogar den Tod von Meereslebewesen verursachen.

Zusätzlich zur dringenden Notwendigkeit, den Energiesektor zur Bekämpfung der Klimakrise von fossilen Brennstoffen wegzubewegen, würde ein Verbot der Öl- und Gasexploration auch eine der gefährlichsten Lärmquellen im Ozean beseitigen.

Zur Umfrage

Die Umfrage zum Thema Unterwasserlärm wurde von Ipsos bva im Auftrag des IFAW vom 11. bis 26. Februar 2026 in fünf europäischen Ländern (Frankreich, Deutschland, Niederlande, Spanien und Schweden) durchgeführt. In jedem Land wurde eine repräsentative Stichprobe von jeweils 1.000 Befragten im Alter von 18 Jahren und älter ausgewählt.
(Quellen: IFAW und OceanCare)

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