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Wenn Orcas Fischer jagen …


Sobald ein Fischtrawler in der Nähe ist, sind auch schon die Orcas (Schwertwale) da.

Vor der Küste Alaskas (Beringsee) ist fast kein Fischerboot vor den großen schwarz-weißen Delfinen sicher. Denn diese machen sich an den Fanggeräten zu schaffen und kommen somit ganz einfach an ihre Beute. Da sind Delfine genauso wie Menschen: Warum sich anstrengen, wenn es doch eine viel einfachere Lösung gibt …

Orcas plündern Langleinen

Die Orcas machen vor allem auf Heilbutt und Kohlfisch (Köhler) Jagd. Diese werden mit sogenannten Langleinen gefangen, die viele Kilometer messen und mit Ködern bestückt sind.

Um satt zu werden, brauchen die Meeressäuger die Leckerbissen nur von den Leinen zu „pflücken“.

Dieses schlaue Verhalten geht sehr zu Lasten der Fischer. Sie haben nach eigenen Angaben erhebliche Verluste zu verschmerzen.

Signal für einen gedeckten Tisch

Zunächst befinden sich die Langleinen in großer Tiefe. Werden sie hochgezogen, ist dies ein Signal für die Orcas, an den gedeckten Tisch zu schwimmen.

Auch Pottwale wurden in der Beringsee bereits dabei beobachtet, wie sie Fische von den Leinen mopsten. Doch aus gelegentlichen „Diebstählen“ ist inzwischen eine systematische Jagdstrategie geworden, wie die Ozeanologin Dana Hanselman von der US-amerikanischen Meeresbehörde NOAA festgestellt hat.

Orcas werden immer raffinierter

Die Orcas werden immer raffinierter, beklagt sich ein Kapitän. So merken sie sich genau, welches Boot ihnen einen großen Beuteerwerb ermöglicht hat, und verfolgen dann gezielt dieses Boot bei ihrem nächsten Jagdausflug.

Einmal habe ihm eine Schule aus 50 Schwertwalen zwei Tage lang nachgestellt, berichtet Robert Hanson, Kapitän der FV Oracle in den Alaska Dispatch News. Dabei hätten die Orcas Tausende Kilogramm Fisch erbeutet.

Die Fischereiindustrie behauptet, sie hätte wegen der Orcas jährliche Einbußen bis zu 60 Prozent. Andere Schätzungen gehen von unter 10 Prozent aus.

Fischer besendern Pottwale

Gegen die Pottwal-Attacken auf ihren Fisch konnten sich die Kapitäne bisher erfolgreich wehren. Es wurden nämlich einige Meeressäuger mit Sendern versehen. Die Fischer können diese (und damit die Tiere) via Satellit aufspüren und die Gegend meiden, aus der die Signale kommen.

Wie das genau funktioniert, kann man auf der Website www.seawap.info nachlesen.
(Quelle: derStandard.at)

1 Kommentare

  1. Wenn man als Fischerboot einen 50-köpfigen Orca-Pod im Kielwasser hat, kann man das Ausbringen der Leinen auch gleich ganz bleiben lassen.

    Wieviel Prozent Einbußen die Fischereiindustrie nun im Durchschnitt genau hat, wird einen einzelnen Fischer nicht unbedingt trösten. Wenn er von den schwarz-weißen Viechern aufgestöbert wird, ist der Fang voraussichtlich erstmal futsch. Ganz egal, was die Statistik sagt :-P

    Ein sehr ähnliches Problem haben übrigens auch die Fischer im Mittelmeer (speziell in der Nähe von Gibraltar), wo Orcas gefangene Thunfische gerne bis auf den Kopf abfressen. Eine Technik, die vor allem kleine, nordafrikanische Fischerboote zum Wahnsinn treibt, da diese ihren Fang außenbords nach hause transportieren müssen und mit ihrem gemächlichen Tempo für die Großdelfine offenbar als „running Sushi“ betrachtet werden.

    Dagegen haben sich die Riesendelfine in Zeiten des Großwalfangs bisweilen als Verräter an der eigenen Art betätigt: Indem sie andere Großwale vor die Harpunen der Fangschiffe lotsten und dann die beim Verarbeiten verklappten Reste fraßen.

    Es ist immer wieder erstaunlich, wie intelligent die Tiere vorgehen.

    geschrieben von Norbert

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