Der Gesundheitszustand des vor Poel liegenden Buckelwals verschlechtert sich weiterhin.
Laut mehrerer Experten deuten Verletzungen des Wales auf mögliche menschliche Einwirkungen aus der Vergangenheit hin.
Schutz greift in Praxis nicht
Die Schweizer Meeresschutzorganisation OceanCare betont, dass die genaue Ursache für das Verirren und die wiederholte Strandung des Tieres erst auf Basis gesicherter fachlicher Erkenntnisse abschließend eingeordnet werden kann. Gleichzeitig zeigt der Fall bereits jetzt mit großer Deutlichkeit: Meeressäuger sind in Deutschland und in der Europäischen Union zwar streng geschützt, doch dieser Schutz greift in der Praxis zu oft nicht.
Dabei gehört das EU-Recht eigentlich zu den strengsten weltweit:
*** Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie schützt Wale und Delfine umfassend,
*** die Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten zu einem guten Umweltzustand der Meere und
*** mit ASCOBANS bestehen zudem internationale Schutzverpflichtungen für Kleinwale in Nord- und Ostsee.
Gerade deshalb wird deutlich: Entscheidend ist nicht das alleinige Vorhandensein von Regeln, sondern ihre tatsächliche Umsetzung.
Traurige Anlässe für das Überdenken von Schutzlücken
Walstrandungen sind oft keine isolierten Naturereignisse, sondern traurige Anlässe, die nach wie vor bestehenden Schutzlücken zu adressieren. Zahlreiche menschliche Aktivitäten im Meer stehen noch immer nicht im Einklang mit dem geltenden Schutz von Meeressäugern.
Dazu gehören insbesondere destruktive Fischereimethoden wie die Schleppnetzfischerei sowie die Verschmutzung der Meere mit verlorenem oder unsachgemäß entsorgtem Fischereigerät. Zudem stresst und desorientiert der zunehmende Unterwasserlärm Wale, schnell fahrende Schiffe kollidieren zudem häufig mit den Tieren.
Auch der gestrandete Buckelwal soll laut den Experten im Laufe seines Lebens Verletzungen erlitten haben, die von einer Schiffsschraube und von Fischernetzen stammen könnten.
Wohlbefinden steht an erster Stelle
OceanCare betont zugleich, dass das Wohlbefinden des einzelnen Tieres immer an erster Stelle stehen muss. Entscheidungen über Rettungsmaßnahmen, Begleitung oder gegebenenfalls Euthanasie müssen von den zuständigen Fachleuten und Behörden auf Basis des Gesundheitszustands des Tieres getroffen werden.
Mehr Anteil am Schicksal eines einzelnen Tieres
Die öffentliche Aufmerksamkeit für den Buckelwal ist jedoch auch eine Chance: Menschen nehmen meist stärker Anteil am Schicksal eines einzelnen Tieres als an abstrakten Bedrohungen. Gerade deshalb kann dieser Fall helfen, auf die größeren Zusammenhänge hinzuweisen – und auf die politische Verantwortung, die Lebensbedingungen für Meeressäuger wirksam zu verbessern.
(Quelle: OceanCare)

