Delfinfang bedroht keine Art


Der deutsch-amerikanische Meeresbiologe Prof. Bernd Würsig hat in seinem Eröffnungsvortrag auf der ECS-Konferenz (Europäischen Gesellschaft der Walforscher) in Stralsund bedrohte Walarten und Populationen weltweit vorgestellt (siehe dazu auch MA-Meldung von gestern) .

Die Liste der Bedrohungsfaktoren war ebenfalls lang und setzte sich aus überfischung, Beifang, Zerstörung von Habitaten, Umweltverschmutzung, Schiffsverkehr, Lärm oder Klimawandel zusammen. Zum Wal- und Delfinfang bemerkte Professor Würsig, dass dieser derzeit keine Bedrohung für Arten darstellen würde, es aber „nett wäre, diese Bedrohungen nicht zu haben“.
(Quelle: cetacea.de)

Meiner Meinung nach sind das typische Worte eines Wissenschaftlers. Sie muten recht emotionslos an und scheinen rein vom Kopf gesteuert. Auch wenn ich Herrn Würsig sehr schätze und schon manche Untersuchung zum Thema Delfine (vor allem über den Schwarzdelfin) von ihm gelesen habe, stört mich das verharmlosende Sätzchen „Nett wäre, diese Bedrohungen nicht zu haben“.

Auf das in Taiji und in anderen japanischen Küstenorten stattfindende Delfin-Massaker und auf den Walfang in der Antarktis kann man wahrlich nicht nur verzichten, sondern dieses grausame Töten von hoch entwickelten Säugetieren gehört ein für allemal beendet, auch wenn einzelne Arten durch diese Fänge – laut Würsig – nicht vom Aussterben bedroht sind. Da würde ich mir doch etwas mehr Herz als Verstand bei der Ausdrucksweise wünschen …

Mehr zu den Reden auf der ECS findest du auf der Website von cetacea.de.

3 Kommentare

  1. Hallo Susanne,

    hier muss ich Bernd Würsig in Schutz nehmen und noch einmal darauf verweisen, dass ich nur in der Lage war, recht schnell und grob zusammengefasste Meldungen von der ECS-Konferenz abzuliefern.

    Der Vortrag von Bernd Würsig war ein leidenschaftliches Plädoyer für den (Arten- und Populations-)Schutz der Wale. Es ging nicht um den Tierschutz und das Leid einzelner Tiere. Zu einer Behandlung des Artenschutzes gehört es in der Tat, alle Bedrohungen in Relation zueinander zu setzen. Der direkte Fang spielt in Fragen des Artenschutzes eine untergeordnete Rolle. Bernd Würsig hat eine Reihe von Bedrohungen skizziert und erläutert, welche erschreckenden Ausmaße Fischerei, Beifang, die Zerstörung des Lebensraums oder der Klimawandel erreichen. Am Ende seiner Aufzählung ist er auch zum direkten Fang gekommen und hat die klare Aussage getroffen, dass dieser direkte Fang zur Zeit kein Artenschutzproblem darstellt.

    Mir erschien der erwähnte Nebensatz in seinem Vortrag als eine sehr deutliche Aussage gegen Wal- und Delphinfang (die er nicht hätte abgeben müssen). Wenn das so nicht zu lesen war, ist das meinem Untalent der Vermittlung geschuldet und nicht dem ernsten und engagierten Bestreben von Bernd Würsig.

    Vielleicht sollte auch noch bedacht werden, dass der Vortrag an die 450 anwesenden Walforscher gerichtet war und für diese einige sehr praktische Tipps enthielt, wie man sich besser für den Artenschutz einsetzen kann. Eine Rede für Politiker hätte sicherlich anders ausgesehen.

    Liebe Grüße,

    Jan

    geschrieben von Jan
    1. Vielen Dank, Jan, für deine Ergänzung!
      Liebe Grüße!
      Susanne

      geschrieben von Susanne
  2. Ich halte in diesem Zusammenhang eine rein wissenschatliche und nicht emotionale Formulierung für angebracht, um die Seriösität der Aussage zu verdeutlichen.

    Leider hat Herr Würsig das nicht geschafft. Ich kann nur zustimmen, dass er mit dieser Formulierung den Delfin- und Walfang verharmlost und den Widerstand dagegen praktisch ins Lächerliche gezogen hat.

    Vielleicht war dies aber auch nur ein takitscher Zug, denn weder resolute noch stark emotionale Appelle haben bisher an der Wal- und Delfinfangfront gefruchtet. Womöglich ist es der richtige Weg, das Thema zu verharmlosen und somit den Druck auf die durchführenden Länder zu nehmen. Gerade für Japan halte ich diese Strategie seit langem für die weisere.

    geschrieben von Doris

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