Orcas fallen über Baby-Wale her


Orcas – auch Schwert- oder Killerwale genannt – kommen in fast allen Weltmeeren vor. Je nachdem, ob sie sesshaft (resident) sind und sich in Landnähe aufhalten oder im offenen Meer auf Beutezug gehen (offshore), machen sie Jagd auf verschiedene Lebewesen.

Die Orcas von Vancouver Island/West-Kanada zum Beispiel bevorzugen Lachs, ihre Verwandten in den Gewässern um Alaska fallen in jedem Frühjahr über Grauwalherden her. Sie haben es auf die Baby-Wale abgesehen, die im Schutz ihrer Mütter schwimmen. Forscher haben herausgefunden, dass etwa ein Drittel der Jungtiere der Hatz zum Opfer fällt. Dabei sind bereits die jungen Grauwale größer als ihre Jäger.

Orcas (Foto: Frank Blache)

Vier Jahre lang haben Forscher vor Unimak Island (östlichste Insel der Aleuten) das Verhalten der Schwertwale beobachtet. „Walfänger wissen seit Jahrhunderten, dass Schwertwale andere Wale jagen, töten und verspeisen können, die viel größer sind als sie selbst“, erläutert der Forschungsleiter Lance Barrett-Lennard vom Aquarium in Vancouver. „Aber solche Ereignisse werden nur selten beobachtet und berichtet, und es war schwer zu bestimmen, wie häufig so etwas ist, wie die Schwertwale das überhaupt fertigbringen und was die Auswirkungen auf die Populationen der Beutetiere sind.“

Offenbar schleichen sich die Orcas an ihre Opfer heran. Sie verhalten sich also – im Gegensatz zu ihren Verwandten, die Jagd auf Fische machen – ganz leise. Etwa 40 Tiere halten sich im Hintergrund, während drei bis vier Orcas versuchen, die Kälber von ihren Müttern zu trennen. Gelingt ihnen das, so halten sie den Kopf des Opfers unter Wasser und ertränken es.

Die Grauwalmütter wehren sich mit allen Kräften gegen die Angreifer, indem sie diese zum Beispiel mit kräftigen Flukenschlägen zum Aufgeben zwingen. Haben die Orcas jedoch ein Walbaby erwischt, so gibt es für das wehrlose Tier meist keine Hilfe mehr.

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Grauwal (Foto: Frank Blache)

Es wurde sogar beobachtet, dass bei einem Überangebot der Beute eine Art Vorrat angelegt wird. Die Orcas schleppen dafür die toten oder sterbenden Grauwale in flaches Wasser, damit sie nicht in unerreichbare Tiefen hinabsinken können. (Die Jagd selbst findet in 15 bis 75 Meter tiefem Wasser statt.) Nach 24 Stunden oder sogar später kehren die Orcas zurück und fressen den Rest ihrer Beute.Wie die Meeresbiologen im Fachblatt „Marine Ecology Progress Series“ schreiben, wurde solch eine Lagerhaltung noch nie zuvor beobachtet.

Manchmal ist von der Beute allerdings nicht mehr viel übrig, denn auch Landraubtiere verschmähen das Walfleisch nicht. So haben die Forscher beobachtet, wie sich 19 Braunbären über einen Walkadaver hermachten, der an Land gespült worden war.

(Quellen: „Wild Killer Whale“, Vancouver Aquarium und sueddeutsche.de)

Lesetipps:
* Welt der Orcas
* Wale – so weit das Auge reicht
* Mit Frank auf Grizzly- und Orca-Suche

4 Kommentare

  1. Nun ja, selbst wenn sie nur die Zunge fressen, das Resultat bleibt dasselbe: die Grauwale sterben dabei.

    geschrieben von Doris Thomas
  2. Dachte immer es wuerde nur die Walzunge verspeist… sehr interessant

    geschrieben von Claudia
  3. Das ist eine für die Orcas sehr gefährliche Studie. Denn bevor man vielleicht die Bedingungen für die Grauwale in den Aufzucht- und Paarungsgebieten nicht weiter durch die Veränderung der Küste reduzieren sollte, könnten vielleicht einig "Spaßvögel" auf die Idee kommen, die Orcas abzuschießen. So machen es die Jäger hier in den Wäldern auch. Es gibt zu wenig Hasen (zum Abschießen), also verbessere ich nicht die erkanntermaßen schlechten Lebensbedingungen, sondern ich entscheide mich (juhu), die natürlichen Feine wie den Fuchs abzuschießen. Waidmanns Heil! :-(

    geschrieben von Doris Thomas
  4. Ja.Das hab ich grade auch auf GMX gesehen.^^

    geschrieben von Martin

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