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Schnabelwale verstummen


Wenn sich Schnabelwale an der Wasseroberfläche aufhalten, verstummen sie. Offenbar schützen sie sich auf diese Weise vor ihren Feinden – den Schwertwalen (Orcas). Erst einmal abgetaucht, sind Schnabelwale jedoch sehr geschwätzig. Allerdings weiß man nur wenig über sie, da sie einen Großteil ihres Lebens in den Tiefen der Ozeane verbringen.

Forscher aus Spanien, Dänemark und den USA haben nun mithilfe von Saugnapfmikrofonen herausgefunden, dass der Blainville-Schnabelwal in 900 m Tiefe sehr viel kommuniziert, seine Lautäußerungen jedoch ab einer Tiefe von 170 m einstellt. Es gibt insgesamt 102 Stunden Tonaufnahmen, die von den Wissenschaftlern ausgewertet wurden. Auch während ihres Auftauchganges verstummen die Wale. Sie benötigen manchmal 19 Minuten, bis sie wieder zum Atmen an der Wasseroberfläche sind.

Am geschwätzigsten sind die Tiere ab einer Tiefe von 450 m, haben die Forscher herausgefunden. Dann beginnt das Pfeif-, Klick- und Summkonzert. Die Klicks dienen wahrscheinlich dem Beutefang und der Navigation. Aber die anderen Töne wurden vorher noch nie aufgenommen. Wahrscheinlich dienen sie der Koordination untereinander, bevor die Wale sich zu einem längeren Tauchgang aufmachen.

Da Schnabelwale sich nicht gegen Orcas wehren und ihnen entkommen können, ist der lautlose Modus in der Nähe der Wasseroberfläche wohl der beste Schutz gegen ihre Fressfeinde.
(Quelle: BBC Nature)

Schnabelwale sind sehr geheimnisvoll. Es gibt nur wenige Forschungsergebnisse über sie. Mithilfe von Jörg Mazur bauen die MEERESAKROBATEN zurzeit eine Schnabelwal-Systematik auf. Über ergänzende Beiträge oder Fotos würde ich mich sehr freuen.

3 Kommentare

  1. Hallo Susanne,
    die Beobachtung, dass Schnabelwale an der Wasseroberfläche nicht, unter Wasser aber geschwätzig sind, mag ja zutreffen, die Schlussfolgerung daraus, dass sie sich so möglicherweise vor Feinden schützen, kann ich nicht nachvollziehen. Über Wasser ist die Schallausbreitungsgeschwindigkeit 343 Meter in der Sekunde, unter Wasser (im Salzwasser!)  4,4 mal mehr, nämlich 1500 Meter in der Sekunde. Warum sollten Schnabelwale, dann unter Wasser schwätzen, wo sie viel schneller vom Orca ausgemacht werden können und über Wasser ruhig sein? Zusätzlich ist die Schallausbreitung unter Wasser wegen geringerer Temperaturschwankungen viel geradliniger als an Luft. Also ich verstehe die Schlussfolgerung nicht.

    geschrieben von Ruediger
    1. Hallo Rüdiger,
      danke für deine interessanten Berechnungen ;o))
      Hier kommt meine Erklärung: Orcas, die es auf andere Säugetiere abgesehen haben, unterscheiden sich in ihrem Jagdverhalten grundlegend von Orcas, die sich ausschließlich von Fischen ernähren – sie jagen nämlich nicht unter Wasser, sondern an der Wasseroberfläche.
      Vielleicht hast du schon Filme gesehen, in denen gezeigt wird, wie Orcas manchmal freiwillig stranden, um an ihr Opfer zu gelangen, oder wie sie im Verband eine Welle bilden, um eine Robbe von einer Eisscholle zu spülen. Auch Grauwale – besonders die Jungtiere – werden über Wasser angegriffen.

      geschrieben von Susanne
    2. Oder ganz kurz und einfach:
      Orcas können nur bis zu einer gewissen Wassertiefe effektiv größere Beute jagen. 170 m ist denen vermutlich zu tief, selbst wenn sie wohl hören können, was sich da unter ihnen abspielt.
      Das die Jagd auf andere Säugetiere sehr anstrengend (hoher Luftverbrauch!) ist, laufen Orcas in Gefahr zu ersticken, wenn sie sich in zu großer Tiefe auf eine Verfolgung oder gar einen Kampf einlassen: Sie würden die Wasseroberfläche womöglich nicht mehr bei Bewusstsein erreichen (Blackout). Hinzu kommt, dass bei größerer Tiefe nicht mehr so leicht abschätzbar ist, ob die Luft noch bis zur Oberfläche reicht: Durch den erhöhten Sauerstoffpartialdruck setzt der Atemreiz verspätet ein.
      Ein Phänomen, das auch schon etlichen Freedivern das Leben gekostet hat, da beim Auftauchen der Partialdruck dann rasant unter die kritische Grenze fällt.

      Auf diese physikalischen Zusammenhänge haben sich die Schnabelwale wohl eingestellt.

      geschrieben von Norbert Fleck

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