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Gestrandete Delfine waren offenbar gesund


Massenstrandungen von Delfinen und Walen sind auf längere Sicht betrachtet, etwas „Normales“, doch die Strandung so vieler Tiere innerhalb eines Monats ist etwas Außergewöhnliches.

Gemeiner Delfin (Foto: Lobosonda/Madeira)

129 Gemeine Delfine sind seit Anfang Januar in Cape Cod (im Osten der USA) auf einem Küstenabschnitt von 40 Kilometern gefunden worden. Sonst verteilt sich diese hohe Zahl auf das ganze Jahr, weiß die Delfin-Expertin Katie Moore vom IFAW zu berichten. 37 der Tiere konnten gerettet werden, 92 Meeressäuger starben an Land oder mussten eingeschläfert werden.

Delfin-Rettung ist Schwerstarbeit

Zusammen mit eigenen Mitarbeitern und Freiwilligen rückt die Tierschutzorganisation IFAW bei einer Strandungsmeldung aus, um so viele Tiere wie möglich zu retten.

In zwei Filmen, die auf Cape Cod Times gezeigt werden, sieht man, wie schwierig es ist, gestrandete Delfine wieder zurück ins Meer zu bringen. Bis zu sieben Helfer sind nötig, um einen etwa 200 Kilogramm schweren Gemeinen Delfin in einer speziellen Trage fortzubewegen. „In den beiden ersten Monaten des neuen Jahres haben wir alle Ressourcen benötigt, die uns zur Verfügung stehen. Es war schon sehr heftig“, zieht Katie Moore Bilanz angesichts dieser ungewöhnlich hohen Anzahl an gestrandeten Delfinen innerhalb eines Monats.

Die Delfine waren offenbar gesund

Sowohl die überlebenden als auch die toten Delfine werden einer ausgiebigen Untersuchung unterzogen, um herauszufinden, warum die Tiere gestrandet sind. Grundlegende Daten wie Ort, Tag, Art, Geschlecht und Größe werden gesammelt, Blutproben werden entnommen, die Delfine werden nach Verletzungen abgesucht. Bei den toten Tieren werden Proben jedes Organs entnommen, um diese auf Pilz- oder Parasitenbefall sowie auf Krebserkrankungen zu untersuchen.

Auf den ersten Blick waren die gestrandeten Delfine gesund. Moore schließt nicht aus, dass sie wegen akustischer Störungen im Meer oder anderen mensch-gemachten Einwirkungen gestrandet sind.

Geschützt, aber nicht gefährdet

100.000 bis 120.000 Gemeine Delfine gibt es an der Atlantikküste der USA. An der Westküste sind es 450.000. Der Gemeine Delfin ist laut Marine Mammal Protection Act von 1972 geschützt, sein Bestand gilt aber nicht als gefährdet. Regina Asmutis-Silvia von der WDCS/USA sieht diese Strandungen als nicht beunruhigend an, da sie schon seit vielen Jahrhunderten bekannt sind. Neben Australien, Neuseeland und Schottland kommen in den Gewässern von Cape Cod die meisten Strandungen vor.

Auch wenn der Bestand des Gemeinen Delfins nicht gefährdet sei, wäre es eine Ehrensache, gestrandete Delfine zu retten, so Kathy Zagzebski, Executive Director des National Marine Life Center in Buzzards Bay. „Die Untersuchung der Tiere gibt uns viel Aufschluss über das Ökosystem Meer. An der Westküste hatte in den späten 1990er-Jahren eine Algenblüte viele Delfine und Seelöwen dahingerafft. Wir haben damals mithilfe unserer Untersuchungen der gestrandeten Meeressäuger viel über diese Gefahr gelernt“, erklärt Zagzebski.

(Quelle: Dolphin strandings offer few clues)

Datenbank über gestrandete Meeressäuger ist längst überfällig

Eine Gruppe von Meeresbiologen hat sich in der Organisation Stranded No More zusammengetan. Die Experten wollen eine Datenbank über gestrandete Wale und Delfine erstellen. Sie bedauern, dass es bis jetzt noch kein Informationsnetz über alle registrierten Strandungen gibt und dass die Rettung der Tiere ausschließlich von Tierschutzorganisationen und Freiwilligen bewältigt wird.

Stranded No More kann außerdem nicht verstehen, warum so viele Menschen Tränen vergießen, wenn sie von der Delfinjagd in Taiji oder über einen Großen Tümmler, der in einem Delfinarium gestorben ist, hören oder lesen. Wenn gestrandete Wale und Delfine euthanisiert (meist erschossen) werden, kräht kein Hahn danach, es wird kein Protest losgetreten … Siehe hierzu den Stranded-No-More-Blog.

Ein Kommentar

  1. Mittlerweile sind es bereits 160 gestrandete Gemeine Delfine, von denen 120 nicht überlebt haben.

    geschrieben von Susanne

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