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Tom und Misha auf dem Weg in die Freiheit


Tom und Misha – zwei Große Tümmler, die im September 2010 aus einem kleinen, dreckigen Becken in der Türkei befreit wurden – machen Jagdfortschritte. Sie haben in diesen Tagen zum ersten Mal lebenden Fisch gefressen.

Zwei Große Tümmler (Foto: Frank Blache)

Mehr Chancen als Keiko

Die beiden männlichen Delfine sollen in einem großen Meeresgehege auf ein Leben in Freiheit vorbereitet werden. Jeff Foster, der vor ca. zehn Jahren auch bei der Auswilderung von Keiko („Free Willy“) beteiligt war, ist vorsichtig mit seiner Prognose. Er weiß nicht, ob sich Tom und Misha in der Freiheit zurechtfinden werden. Keiko ist seinerzeit leider kurz nach seiner Auswilderung in norwegischen Gewässern an einer Lungenentzündung gestorben.

Da Tom und Misha zu zweit sind und auch nicht so lange in einem Delfinarium gelebt haben wie Keiko, stehen die Chancen für die beiden allerdings besser, meint Foster.

Lebender Fisch wird als Futter akzeptiert

Als großer Erfolg ist zu werten, dass die beiden etwa zwölf Jahre alten Großen Tümmler nun lebenden Fisch fressen. „Lange Zeit hatten sie mit dem in ihrem Gehege schwimmenden Fisch nichts anzufangen gewusst“, berichtet Foster. „Sie haben ihn nicht als Futterquelle erkannt, da sie sehr lange nur aus der Hand gefüttert wurden.“

Schmutziges Becken

Shirley Galligan von der britischen Born Free Foundation war entsetzt, als sie im Sommer 2010 Tom und Misha in einem verdreckten Becken in der türkischen Stadt Hisaronu antraf. Sie sah sowohl die Tiere als auch die ahnungslosen Menschen, die mit den Delfinen schwammen, stark in ihrer Gesundheit beeinträchtigt. Galligan teilte der Presse mit, dass das Wasser von Fäkalien und totem Fisch verschmutzt sei und dass sich auf dem Beckengrund dreckiger Schlamm befände. Die Tiere beschrieb sie als unterernährt und lustlos.

Im Freigehege

Dank des Zusammenschlusses mehrerer Tierschutzorganisationen gelang es vor gut einem Jahr die beiden Delfine in ein vom Meer abgetrenntes Areal in der Ägäis zu bringen. Bis jetzt hat die Befreiung der Delfine 800.000 US-Dollar gekostet. Die Auswilderung sei nur noch eine Sache von Tagen, versichert die Born Free Foundation. Der genaue Termin und der Ort, an dem die Delfine freigelassen werden, bleiben geheim, um die Aktion nicht durch neugierige Zuschauer oder Wilderer zu stören.

Mit Sendern bestückt

Der Weg von Tom und Misha soll durch Satelliten-Übertragung verfolgt werden. Dafür werden an den Rückenflossen beider Tiere Sender befestigt werden.

Shirley Galligan ist trotz aller Vorfreude sehr skeptisch, ob die Auswilderung klappen wird. „Bis jetzt gibt es gerade einmal eine Handvoll solcher versuchter Rückführungen ins Meer“, gibt sie zu bedenken. „Und diese waren nicht immer erfolgreich …“

Große und schlechte Welt

Auch der Meeressäuger-Spezialist Michael Moore von der Woods Hole Oceanographic Institution (Cape Cod/USA) sieht das Leben im offenen Meer als große Herausforderung für Tom und Misha. „Ob sie die Menschen vergessen und mit Artgenossen zusammenleben werden? Diese Frage ist sehr spannend“, sagte Moore in einem Presse-Interview. „Die Freiheit wird den Delfinen als große und schlechte Welt vorkommen. Sie müssen sehr aufpassen, dass sie in kein Fischernetz geraten“, gibt Moore zu bedenken.

Vorschriften für die Haltung von Delfinen gefordert

Moore und andere Delfin-Experten hoffen, dass die erfolgreiche Freilassung von Tom und Misha ein Zeichen setzen könnte für die Delfinariumsbetreiber in der Türkei. In den letzten zehn Jahren wuchsen die „Schwimmen-mit-Delfinen-Programme“ und die Unterhaltungsstätten mit Delfinen wie Pilze aus dem Boden. Mittlerweile befinden sich die meisten dieser Einrichtungen im europäischen Raum in der Türkei. Hier gibt es offenbar keine Standards für die Ausstattung der Becken. Foster hofft, dass es in Zukunft wenigstens behördliche Vorschriften für die Haltung von Delfinen in der Türkei geben wird, um die Haltung zu verbessern.

Befürchtungen und Herausforderungen

Eine große Befürchtung der Delfinbefreier ist, dass Tom und Misha von Wilderern eingefangen und an ein Delfinarium verkauft werden.

Eine weitere Herausforderung ist das verschmutzte Wasser, das von Istanbul in den Bospurus fließt, sagt Moore. Doch Delfine sind sehr anpassungsfähig. Sie können auch in dreckigem Wasser leben.

Das beweist eine Gruppe wild lebender Großer Tümmler, die fast täglich in der Nähe von Öltankern, Frachtschiffen, Fähren, Fischerbooten und Yachten gesehen wird. Manchmal surfen die Tiere sogar auf der Bugwelle großer Tanker, sagt Moore.

Misha und Tom sollen allerdings weit entfernt von Istanbul ausgesetzt werden. In einer Region, die sauberer und nicht so sehr befahren ist wie die Gewässer vor Istanbul.

Noch weiß keiner, wie die Delfine in der Freiheit auf weibliche Artgenossen, Seevögel und Fische reagieren werden.

Wollen die Delfine überhaupt in der Freiheit leben?

Bis jetzt erhalten Tom und Misha Fisch zur Belohnung, wenn sie sich zum Beispiel auf eine Matte für Untersuchungen begeben. Werden sie überhaupt ohne Menschen leben wollen? Diese Frage kann keiner an der Auswilderung Beteiligten beantworten …
(Quelle: CNN)

Nachtrag vom 24. August 2012

Die beiden Delfine schwimmen inzwischen bereits 3 Monate im offenen Meer. Sie haben sich offenbar sehr gut an ihren „neuen alten Lebensraum“ angepasst. Die Satelliten-Sender, die an ihren Finnen befestigt worden waren, sind nun abgeschaltet worden. Good Luck, Tom und Misha!!!

5 Kommentare

  1. Heute gibt es ein Update auf der Born-Free-Website. Tom und Misha schwimmen getrennte Wege. Misha schwimmt zwischen Antalya und Zypern.
    Tom hält sich in der Nähe des türkischen Touristencenters Kusadasi auf. Fischer und Touristen haben versucht, sich ihm zu nähern. Der örtliche Tierschutz tun alles, um die Menschen vom Delfin fern zu halten.
    Hier der Link zum Update:&nbsp ;http://www.bornfree.org.uk/campaigns/marine/hisaronu-dolphins/

    geschrieben von Susanne
    1. Guten Tag,

      Wir waren seit gestern in der Türkei im Urlaub in Kemer Beldibi und dort ist direkt vor unserem Hotel ein einzelner Delfin aufgetaucht.Nur ca. 30-40 m vom Strand.

      Wir haben mit dem diesem Defin geschwommen und Ihn sogar anfassen können , er war sehr anhänglich und hat förmlich die nähe der Menschen gesucht.

      Der Delfin war erst gegen Mittag fast 1 Stunde am Hotel und am Abend um 17:00 nochmal da könnte meine Freundin und ich mit zwei anderen Personen fast eine Stunde mit dem Delfin schwimmen.Dieser trug einen Sender an der Floße , dieser hat ihn wohl gestört weil er immer mit dem Sender an dem Seil der Schwimmbegrenzung geschruppt hat. Das Tier war extrem zutraulich und hat sich sogar auf den Rücken gelegt und sich den Bauch kraulen lassen

      Nun habe ich deinen Komentar gelesen und denke das ich als blöder Touri natürlich genau das falsche gemacht habe. Aber woher soll man das wissen?

      Vielleicht sollte man den Leuten die die beiden ausgewildert haben mal mitteilen das einer auf jedenfall die nähe von Menschen sucht.

      Würde mich freuen nochmal was von Ihnen zu hören udn über die Delfine

      der blöde Touri….

      geschrieben von Michael
  2. Ich habe Born Free angeschrieben und nachgefragt, wie es den beiden Delfinen geht. Alison Hood von Born Free teilte mir mit, dass es sowohl Tom als auch Misha gut gehe und dass sich beide zwischen 4 und 500 Meilen entlang der türkischen Küste aufhielten. Ein neues Update auf der Website sei in Vorbereitung. Außerdem würden demnächst Boote der Organisation hinausfahren, um die beiden Delfine noch besser orten zu können.
    Ich hoffe, dass es den beiden wirklich gut geht und dass sie nicht von den Sendern auf ihrer Rückenflosse zu sehr behindert werden.

    geschrieben von Susanne
  3. Die beiden Großen Tümmler wurden offenbar freigelassen. Bei YouTube gibt es einen Film darüber: 

    geschrieben von Susanne
    1. Leider gibt es seit 25. Mai 2012 kein Update mehr auf der Born-Free-Fondation-Homepage. Man kann nur hoffen, dass es den beiden Großen Tümmler Tom und Misha gut geht und dass der Sender auf ihrer Rückenflosse sie nicht beeinträchtigt.

      geschrieben von Susanne

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