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Die Färöer Inseln haben verloren, die Grindwale leider auch


Deutschland hat gestern in Hannover gegen die Färöer Inseln 3:0 gewonnen. Die Medien hatten im Vorfeld über den Fußballgegner von den „Schafsinseln“ gewitzelt. Focus betitelte die Mannschaft des Inselstaates gar als „lustige Laientruppe“.


Film von Hans Peter Roth

Wenn ich an die „Bilanz“ der getöteten Grindwale denke, vergeht mir allerdings das Lachen. Auf den Färöer Inseln sind nämlich eindeutig die hoch intelligenten Grindwale (sie zählen übrigens zu den Delfinen) die Verlierer – in einem ungleichen Kampf gegen schnelle Motorboote und fast wie in einem Blutrausch tötende Menschen …

Bis August wurden 590 Grindwale getötet

Allein in diesem Jahr sind mindestens 590 der Meeressäuger mit Haken und Messern geschlachtet worden, nachdem sie unter großem Lärm in die Buchten der Färöer Inseln getrieben worden waren. Ihr mit Quecksilber und anderen Gefahrstoffen belastetes Fleisch wird nach der Schlachtung an die Einwohner verteilt, und das obwohl die Internationale Walfangkommission (IWC) bei der diesjährigen Tagung in Panama vor dem Verzehr von Walfleisch warnte.

Grindwalfang ist kein Thema in den Medien

Gestern habe ich auf dem Weg zur Arbeit BR3 gehört. Der Radiosprecher Tim Krohn stellte – anlässlich des Fußballereignisses Deutschland – Färöer Inseln – in ein paar Sätzen den semi-autarken Inselstaat vor. Gespannt lauschte ich den Worten, denn ich war sehr neugierig, ob auch der Grindwalfang, der dort seit Jahrhunderten betrieben wird, erwähnt würde. Doch Fehlanzeige. Es wurde nur gesagt, dass die Färöer Inseln übersetzt Schafsinseln bedeuten würden und dass es weit mehr Schafe (nämlich 70.000 – laut SPIEGEL sogar 90.000) als Menschen (50.000) gäbe.

Männerstaat

In einem BR3-Interview mit einem Färinger, meinte dieser: „Das ist ein richtiger Männerstaat. Wir brauchen hier keine Mädchen, die rumzicken. Die Färöer sind nichts für Weicheier. Wir lieben den Kampf hier draußen.“ Er meinte damit vor allem den „Kampf“ gegen das schlechte Wetter. Immerhin müssen die Färinger 280 Tage im Jahr Regen ertragen.

Zu den Färöer gehören 18 bewohnte Inseln, dazu kommen noch ca. 750 unbewohnte Inselchen, Schären usw., erfahre ich dann noch. Außerdem höre ich, dass für die Färinger das Fußballspiel am Abend sehr wichtig sei. Sie würden unter widrigen Umständen trainieren, da auf ihren Inseln immer ein starker Wind gehe.

Rückblick

Vor fast genau zehn Jahren (am 16. Oktober 2002) spielten die Färöer Inseln ebenfalls in Hannover gegen Deutschland. Ich war damals eigens nach Hannover gereist, um in der Nähe des Stadions zusammen mit anderen Delfin-Freunden gegen das Abschlachten der Grindwale zu demonstrieren. Dabei kam ich auch mit einem älteren Färinger ins Gespräch, der sehr gut Deutsch konnte. „Das machen wir schon immer so. Die Wale sind wie Äpfel auf den Bäumen. Wir ernten sie …“, waren seine Worte, als ich ihn darauf ansprach, warum seine Landsleute auch heute noch die wunderbaren Delfine töten.

Nichts für Weicheier!

„Wir können keine Weicheier brauchen!“ Diese Worte zeigen deutlich, aus welchem Holz die Färinger geschnitzt sind. Dazu passt auch, dass sie die Delfinschützer aus dem Ausland mahnen, sich nicht in ihre Angelegenheiten (also auch nicht in das Töten der Grindwale) einzumischen, sonst gäbe es noch ein größeres Gemetzel. Siehe dazu den MEERESAKROBATEN-Beirag Diplomatische Einflussnahme statt aktionistische Projekte.

Was kann man tun?

Sich nicht einzumischen, wenn man die grausamen Bilder der Delfin-Schlachtung sieht, fällt schwer. Meiner Meinung nach sollte man nicht aufhören, bei der dänischen Botschaft (die Färöer sind teilweise Dänemark unterstellt) sowie beim Premier Minister der Färöer seinen Unmut über das grausame Delfin-Gemetzel zu äußern (Adressen siehe unten). Allerdings sollte man dabei einen höflichen Ton wahren. Alles andere sowie blinder Aktionismus erreichen nur das Gegenteil, wie die vergangenen zehn Jahre gezeigt haben. Die Grindwale wurden trotz massiver Proteste aus dem Ausland keineswegs verschont, sondern die Tötungslust bei den Färingern ist ungebrochen …

Über das Thema diskutieren kann man auch im Forum der Färöer Inseln. Aber auch hier gilt: Denke an die „Netiquette“, sonst erreichst du gar nichts …

Blutige Bilanz

Hier die blutige Bilanz von 2002 bis heute (Aufzeichnungen zum Grindwalfang gibt es bereits seit 1584):

Jahr getötete Grindwale
2002: 626
2003: 503
2004: 1.010
2005: 302
2006: 856
2007: 633
2008: 0
2009: 310
2010: 1107
2011: 726
2012 bis August: 590
(Quelle: Wikipedia und OceanCare)

Adressen

Prime Minister Kaj Leo Holm Johannesen
Løgmansskrivstovan
Tinganes
P.O.Box 64
FO- 110 Tórshavn
Faroe Islands

Kgl. Dänische Botschaft
Rauchstr. 1
D – 10787 Berlin

Lesetipps

* GLOBI lebt gefährlich
* Freundschaft zwischen Walfänger und Walschützer
außerdem unter dem Stichwort „Färöer“ (oben in Suchzeile eingeben)

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