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Coco, die Delfin-Botschafterin von Japan


Hans Peter Roth – der Schweizer Delfin-Schützer und Autor von Die Bucht war im Oktober/November in Japan, um den aktuellen Wal- und Delfinfang zu dokumentieren.

Delfine in der Todesbucht (Foto: Boyd Harnell)

Delfine in der Todesbucht (Foto: Boyd Harnell)

Über seine Beobachtungen hat Hans Peter einen sehr interessanten Bericht geschrieben, der auf der Website von OceanCare zu finden ist.

Immer weniger Delfine werden getötet

Fazit seines Reise-Rückblicks ist, dass immer weniger Delfine und Schweinswale in Japan gejagt werden. Das macht Hoffnung. Noch mehr Hoffnung macht der leise, aber immer weiter vorangetriebene Aufbau eines Delfin-Beobachtungs-Erwerbszweigs in Toshima und Futo.

Die Delfin-Botschafterin Coco

Toshima zählt zu den sogenannten Izu-Inseln. Sie liegt etwa 120 km südwestlich von Tokio und 50 km südwestlich von Futo – einem Küstenort, von dem aus bis vor wenigen Jahren noch Delfine gejagt wurden. Toshima ist eine Vulkaninsel und besonders wichtig für den Delfinschutz. Warum, erzählt Hans Peter in seinem Bericht:

„Was Toshima für den Delfinschutz so besonders macht, ist die Geschichte von Coco und Pico. Hiroshi Moriyama, ein Einheimischer, war im Sommer 1995 unter Wasser am Schnecken-Sammeln zum Verzehr, als plötzlich ein Delfin heran kam und mit dem Taucher spielen wollte. Zwischen den beiden entwickelte sich bald eine Art Freundschaft und Moriyama setzte sich bei den Bewohnern von Toshima dafür ein, dem Delfin nichts anzutun, denn einige Fischer beobachteten ihn mit Argwohn als „Fischfang-Konkurrenten“.

Zunächst dachten alle, beim Tümmler handle es sich um ein Männchen, doch 1998 tauchte dasselbe zutrauliche Tier mit einem Jungen auf. Durch Medienberichte erlangten die beiden Tümmler in Japan nationale Bekanntheit. Die Leute von Toshima nannten die Mutter fortan Coco, das Junge Pico.

Delfine wurden zu Bürgern von Toshima

Gleichzeitig sorgte man sich weiterhin um die beiden Delfine, denn nicht alle hatten ihre Freude an ihnen – und das Fischerdorf Futo, wo Delfine damals noch bejagt wurden, liegt bloß 50 Kilometer entfernt. Da brachte Shinsaku Tomita, der damalige Bürgermeister von Toshima, einen genialen Plan ein: Coco und Pico erhielten zu deren verstärktem Schutz Papiere ausgestellt und wurden so, dokumentiert in einem national ausgestrahlten Fernsehbeitrag, zu Bürgern von Toshima; die Einwohnerzahl war ab diesem Tag um zwei „Personen“ angewachsen.“

Fluke eines Großen Tümmlers (Foto: Rüdiger Hengl)

Fluke eines Großen Tümmlers (Foto: Rüdiger Hengl)

Mittlerweile schwimmen 16 Indopazifische Große Tümmler (Tursiops aduncus) vor der Insel Toshima. Coco und ihre Familie wurden auch in weit entfernten Gegenden beobachtet, sogar ganz in der Nähe von Taiji – dem Fischerort, in dem immer noch viele Delfine gefangen und getötet werden.

Schwimmen mit Delfinen

Hans Peter erzählt weiter: „Sicher ist, dass man auch auf Toshima die dort lebenden Delfine längst als Chance erkannt hat, Gäste auf die Insel zu locken, um mit den Tieren zu schwimmen. Schon als Coco noch alleine vor Toshima lebte, kamen in der Sommersaison bis zu 300 Touristen pro Monat wegen des zutraulichen Delfins auf die Insel. Mittlerweile strömen bis zu 10.000 Gäste pro Jahr wegen der Delfingruppe nach Toshima – ein ganz erheblicher Wirtschaftsfaktor.“

Delfin-Beobachtungstouren bietet seit einigen Jahren auch der ehemalige Delfinjäger Izumi Ishii in Futo an. Siehe dazu die Meeresakrobaten-Berichte Ich mache weiter und Ein Japaner wirbt für Delfin-Beobachtungstouren.

Der Norden wird mit Delfin-Fleisch versorgt

Hans Peter Roth hat beobachtet, dass die Abnahme des Delfin-Fleisches in der Hochburg des Delfinfangs – Taiji – nicht mehr so gut läuft. Wahrscheinlich hat sich herumgesprochen, dass das Fleisch der getöteten Meeressäuger hochgradig mit Quecksilber und anderen Umweltgiften kontaminiert ist. Doch der Delfin-Schützer vermutet, dass auch in Zukunft Delfine gefangen und getötet werden – nicht für Taiji, sondern für die weiter nordöstlich gelegenen Orte (zum Beispiel der für seine Schweinswaljagd bekannte Hafen Otsuchi), die vom Tsunami und dem Reaktorunglück am 11. März 2011 in Schutt und Asche gelegt wurden.

Walfleisch wird auf den Märkten angeboten (Foto: Save Japan Dolphins)

Walfleisch wird auf den Märkten angeboten (Foto: Save Japan Dolphins)

Vor dem Unglück wurden von der nordjapanischen Präfektur Iwate aus Tausende von Schweinswalen gefangen und getötet. Die verheerenden Verwüstungen von 2011 erlauben jedoch keine Jagd mehr. Hans Peter Roth folgert daraus, dass Delfin-Fleisch aus Taiji in den Norden Japans geliefert wird, um dort die entstandenen Engpässe auszugleichen.
(Quelle sowie gesamter Bericht unter OceanCare)

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